Flamingo im mexikanischen Río Lagartos.
Allgemein

Zwischen Hannover und Havanna – die Bilder des Jahres

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Ein Bil­der­bo­gen, der High­lights des letz­ten Jah­res zeigt, den­noch kein typi­scher Rück­blick ist. Aus Kuba und Thai­land stam­men mei­ne Auf­nah­men des Jah­res 2019. Aus Malay­sia, Mexi­ko und Por­tu­gal. Und aus Han­no­ver. Bil­der von Mensch oder Tier, aus Natur und Kul­tur – und dazu die pas­sen­den Geschich­ten und Anek­do­ten.

Putz brö­ckelt an vie­len Stel­len und der mint­far­be­ne Anstrich löst sich von der Haus­wand. Für den Kon­trast sorgt die alte Frau mit ihren rot­ge­färb­ten Haa­ren. Fast könn­te man mei­nen, jemand habe für die Insze­nie­rung die­ses “Gemäl­des” gesorgt. Ohne Kame­ra zur Hand in die­sem Moment hät­te ich mich sicher grün und blau geär­gert. Was das Farb­spek­trum, vir­tu­ell zumin­dest, kurz­fris­tig sogar noch erwei­tert, die Ent­ste­hung eines blei­ben­den Bil­des jedoch ver­hin­dert hät­te. 

Alte Frau mit roten Haaren in der Altstadt von Havanna.
Frau am Fens­ter in Havan­nas Alt­stadt

Es ist der letz­te Abend in Havan­na für mich, am nächs­ten Tag geht es wei­ter nach Mexi­ko und Schau­platz der Sze­ne ist La Haba­na Vie­ja, die Alt­stadt der kuba­ni­schen Haupt­stadt. Wo “die Frau am Fens­ter” nun, qua­si auf den letz­ten Drü­cker, zu einem mei­ner Fotos des Jah­res wird. 

Von Havanna nach Bangkok

Kuba ist foto­gen, kei­ne Fra­ge, ins­be­son­de­re sei­ne Men­schen sind es. In den Wochen zuvor hat­te ich mich daher inten­siv durch die Stra­ßen von San­tia­go de Cuba, Guan­tá­na­mo und Mat­anz­as geknipst. Und eben auch durch Havan­na mit sei­nem mor­bi­den Charme. Wo die Men­schen zwi­schen Rui­nen leben. Oder mit­ten­drin.

Fotos des Jahres, hier Straßenfotografie in Bangkok.
In den Stra­ßen von Bang­kok

Stra­ßen­fo­to­gra­fie ist das Gen­re für die­se Art von Bil­dern, möch­te man sie in eine bestimm­te Schub­la­de ste­cken. Das Leben in den Stra­ßen ist das Salz in der Sup­pe beim Erkun­den frem­der Orte, auch das nächs­te Bild gehört in die­se Kate­go­rie: eine Moment­auf­nah­me in der Down­town von Bang­kok. Das über­di­men­sio­na­le Auge ist Teil einer rie­si­gen Wer­be­flä­che und sorgt für den span­nen­den Hin­ter­grund. 

Vögel des Jahres 

In Thai­lands Haupt­stadt hat das Jahr für mich begon­nen, han­del­te es sich um einen klas­si­schen Rück­blick, im “Land of Smi­les” müss­te er also begin­nen. Statt­des­sen geht es jedoch vor allem um opti­sche High­lights – mar­kan­te Momen­te, fest­ge­hal­ten mit der Kame­ra.

Erzfischer aus der Familie der Eisvögel im mexikanischen San Felipe.
Erz­fi­scher im mexi­ka­ni­schen San Feli­pe

Oft bin ich im ver­gan­ge­nen Jahr unter die “Bir­der” gegan­gen, den Aus­druck kann­te ich zuvor gar nicht. Vogel­be­ob­ach­tung ist eine fas­zi­nie­ren­de Ange­le­gen­heit, egal ob in Han­no­ver vor der eige­nen Haus­tür oder irgend­wo in der Fer­ne. Im mexi­ka­ni­schen San Feli­pe ist mir dabei ein Erz­fi­scher aus der Fami­lie der King­fi­sher vor die Kame­ra gekom­men, soll­te ich (m)einen Vogel des Jah­res benen­nen, der klei­ne bun­te Piep­matz wäre sicher ein hei­ßer Kan­di­dat.  

Kormoran im mexikanischen Río Lagartos.
Kor­mo­ran in Río Lagar­tos

Mexi­ko ist ein wah­res Vogel­pa­ra­dies, hun­der­te ver­schie­de­ne Arten sind dort zu Hau­se. Und auch wenn ich nur einen Bruch­teil die­ser Viel­falt bestau­nen konn­te, groß­ar­tig war es alle­mal. Ein Kor­mo­ran, des­sen Augen grün wie Edel­stei­ne fun­keln, sowie ein Koli­bri run­den die Aus­wahl an die­ser Stel­le ab, sie ist schwer genug. 

Kolibri in Río Lagartos, Yucatán.
Koli­bri in Río Lagar­tos

Farben des Jahres

Nun sorgt Mexi­ko aber nicht nur für span­nen­de Vogel­sich­tun­gen, son­dern dar­über hin­aus auch für wei­te­re außer­ge­wöhn­li­che Farb­ein­drü­cke. So hat das pink­far­be­ne Was­ser von Las Colo­ra­das, Mikro­or­ga­nis­men sind dafür ver­ant­wort­lich, nichts von sei­nem Zau­ber ver­lo­ren, vor eini­gen Jah­ren hat­te ich den Ort bereits ein­mal besucht. Zwar lockt das wun­der­li­che Schau­spiel inzwi­schen deut­lich mehr Besu­cher an, den Geheim­nis­sen der Regi­on kann man jedoch an den meis­ten Stel­len nach wie vor unge­stört auf den Grund gehen.

Pinkfarbenes Wasser an der Küste von Las Coloradas.
Die Far­ben von Las Colo­ra­das

Natür­lich gehö­ren die in der Gegend behei­ma­te­ten Fla­min­gos eben­falls zu den Attrak­tio­nen, womit wir schon wie­der beim The­ma Vögel wären. Man kann sie in Las Colo­ra­das beob­ach­ten, vor allem aber im benach­bar­ten Río Lagar­tos, wo auch das Titel­bild die­ses Bei­trags ent­stan­den ist. 

Salzberge im mexikanischen Las Coloradas.
Salz­berg in Las Colo­ra­das

Schnee­wei­ße Gip­fel, impo­san­te Glet­scher, wohin ent­führt uns das nächs­te Bild? Nach Island etwa oder in die Alpen? Oder ist es gar der Hima­la­ya in schwin­del­erre­gen­der Höhe? Pus­te­ku­chen, nichts von alle­dem! Der “Schnee” trügt, um Salz­ber­ge im hei­ßen Mexi­ko han­delt es sich und die sind ver­gleichs­wei­se nied­rig. Neben Pink bie­tet die Palet­te von Las Colo­ra­das im Bun­des­staat Yuca­tán näm­lich noch wei­te­re Töne und mit den Ergeb­nis­sen der dor­ti­gen Salz­ge­win­nung ist auch die hells­te aller Far­ben dabei.

Mural im mexikanischen Akumal: Maya-Krieger der Künstler Pawsksi und Seca One.
Maya-Krie­ger-Mural im mexi­ka­ni­schen Aku­mal

Street-Art-Highlights

Street Art, Graf­fi­ti, Murals. Oft wer­den die Bezeich­nun­gen mun­ter durch­ein­an­der­ge­wür­felt oder falsch ver­wen­det, ein pas­sen­der Ober­be­griff wäre eigent­lich urba­ne Kunst oder auf “Neu­deutsch” Urban Art. Auch Street-Art-Hun­ting war jeden­falls, neben Bird­watching, bei­na­he Dau­er­the­ma und eine Men­ge Bil­der sind dabei ent­stan­den. Der ein­drucks­vol­le Maya-Krie­ger, eine Kopro­duk­ti­on der bri­ti­schen Künst­ler Paw­ski und Seca One, ist ein Zufalls­fund im mexi­ka­ni­schen Bun­des­staat Quin­ta­na Roo. Aus dem fah­ren­den Colec­tivo her­aus hat­te ich das Mural und wei­te­re Kunst­wer­ke erspäht und war spon­tan aus dem Auto gesprun­gen. Die bun­ten Wand­bil­der sind das Ergeb­nis eines Kunst­fes­ti­vals in Aku­mal, eine aus­führ­li­che Doku­men­ta­ti­on folgt dem­nächst. 

Mural im mexikanischen Mérida des Künstlers Jose Gaspar Herrera, Künstlername Ache.
Mural von Jose Gas­par Her­re­ra, Künst­ler­na­me Ache, in Méri­da

Mura­lis­mo ist eine Kunst­form mit einer lan­gen Tra­di­ti­on in Mexi­ko und auch Méri­da, die Haupt­stadt von Yuca­tán, hat sich als Hot­spot für sol­che Wand­ma­le­rei­en im öffent­li­chen Raum erwie­sen. His­to­ri­sche und tra­di­tio­nel­le kul­tu­rel­le Ein­flüs­se fin­den sich viel­fach in den span­nen­den Wer­ken der loka­len Künst­ler, von denen ich eini­ge getrof­fen habe. Auch hier­zu wird es noch einen bun­ten Bericht geben, das far­ben­fro­he Werk von Ache, eigent­li­cher Name Jose Gas­par Her­re­ra, gibt einen klei­nen Vor­ge­schmack.

Street Art von Mr. Myl in Havanna.
Der Kuba­ner Mr. MYL ist Urhe­ber die­ses Wer­kes in Havan­na

Ver­las­se­ne Gebäu­de und Rui­nen sind bevor­zug­te Objek­te von Street-Art-Künst­lern und Graf­fi­ti-Wri­tern. Müss­te Havan­na, die ver­fal­len­de kuba­ni­sche Metro­po­le, inso­fern nicht so etwas wie ein Street-Art-Mek­ka sein? Tat­säch­lich ist das The­ma in Kuba jedoch noch rela­tiv neu, seit eini­gen Jah­ren tut sich nun aber auch dort etwas.

Gorilla des französischen Graffiti-Künstlers Noé Two in Havanna.
Goril­la des Künst­lers Noé Two in Havan­na

Zwi­schen Malecón, Havan­nas berühm­ter Ufer­pro­men­de, und his­to­ri­scher Alt­stadt habe ich mich auf die Suche bege­ben und vie­le Kunst­wer­ke ent­deckt, eines der bun­tes­ten Wer­ke ist der Zigar­re rau­chen­de Affe des Fran­zo­sen Noé Two. Die ein­drucks­volls­te Geschich­te jedoch weiß der Kuba­ner Yulier P zu erzäh­len. Yulier Rodri­guez Perez, so der eigent­li­che Name, malt die angst­er­füll­ten See­len der Kuba­ner. Was ihm nicht nur Pro­ble­me mit der Staats­macht ein­bringt, son­dern auch das gän­gi­ge Tou­ris­ten­kli­schee von Kubas ach so glück­li­chen Men­schen gehö­rig ins Wan­ken gera­ten lässt. Bedarf es eines Hin­wei­ses, dass auch die­se span­nen­de Sto­ry bald folgt?

Street Art im mexikanischen Mérida.
Bun­te Fas­sa­de im mexi­ka­ni­schen Méri­da

“Sad pla­ces” möch­te er “hap­pier” machen, hat mir Fili­pe Gran­ja aka mynameis­not­SEM aus Por­to irgend­wann ein­mal erzählt. Und auch von ande­rer Sei­te ver­neh­me ich häu­fig ähn­li­ches, wenn ich Künst­ler nach den Hin­ter­grün­den ihrer Arbeit fra­ge. Die Wand eines alten Hau­ses, wie­der­um im mexi­ka­ni­schen Méri­da, ist das letz­te Bild der klei­nen Street-Art-Serie an die­ser Stel­le. Sie ist ein vor­züg­li­ches Bei­spiel dafür, wie bun­te Far­be einem mor­bi­den Bau wie­der Leben gibt und ihn “hap­pier” macht – ganz im Sin­ne von Fili­pe, dem Por­tu­gie­sen.

Porto in Schwarz-Weiß, hier Häuser gegenüber vom Bahnhof, der Estação de São Bento.
Por­to, gegen­über vom Bahn­hof, der Estação de São Ben­to

Porto in schwarz-weiß

“Por­to” ist das pas­sen­de Stich­wort und die Über­lei­tung zum Auf­ent­halt in der zweit­größ­ten Stadt Por­tu­gals. Dies­mal reg­net es unge­wöhn­lich viel mit nur kur­zen Unter­bre­chun­gen, tief­hän­gen­de Wol­ken und grau­er Nebel sor­gen für Schwer­mut. Die Stadt mit ihren vie­len ver­fal­len­den und ver­las­se­nen Häu­sern zeigt so noch deut­li­cher ihre melan­cho­li­sche Sei­te, die von der Son­ne sonst oft ver­deckt wird. Havan­na lässt grü­ßen – auch wenn ein sol­cher Ver­gleich natür­lich hinkt, um eine abge­dro­sche­ne Flos­kel zu bemü­hen. 

Düstere Stimmung in den Straßen von Porto.
Düs­te­re Stim­mung in den Stra­ßen von Por­to

Schwarz-Weiß-Fotos tref­fen die depres­si­ve Stim­mung in einer mei­ner Lieb­lings­städ­te jeden­falls am bes­ten. Und zu den bis­he­ri­gen bun­ten Geschich­ten, etwa über Azu­le­jos in Por­to oder vom alten Mann und der Brü­cke, kommt zunächst nichts neu­es hin­zu. Ein nächs­ter Besuch wird im Som­mer statt­fin­den und nicht im Spät­herbst oder Win­ter, so viel ist sicher!

Karneval in Kuba

Kar­ne­val im hei­ßen Som­mer ist eine kari­bi­sche Beson­der­heit. In Kuba wird zwi­schen Juli und August gefei­ert und nicht im Vor­feld der am Ascher­mitt­woch begin­nen­den Fas­ten­zeit wie in hie­si­gen Brei­ten­gra­den, etwa in Por­tu­gals Kar­ne­vals­hoch­burg Ovar.

Verträumter Blick am Rande des Karnevals von Santiago de Cuba.
Ver­träum­ter Blick am Ran­de des Kar­ne­vals von San­tia­go de Cuba

Dass der Kar­ne­val in San­tia­go de Cuba gele­gent­lich gar in einem Atem­zug mit dem Spek­ta­kel von Rio de Janei­ro genannt wird, hal­te ich zwar für über­trie­ben, vie­le span­nen­de Ein­drü­cke gab es jedoch ein­zu­fan­gen. 13 Tage dau­ert die Ver­an­stal­tung, was sicher rekord­ver­däch­tig ist, elf davon habe ich haut­nah beglei­tet. Und neben­bei auch Zeit gefun­den für wei­te­re Akti­vi­tä­ten, zum Bei­spiel einen Aus­flug auf die klei­ne Insel Cayo Gran­ma.

Impressionen vom Karneval in Santiago de Cuba.
Begeg­nung beim Kar­ne­val in San­tia­go de Cuba

Von San­tia­go geht es wei­ter nach Guan­tá­na­mo, für mich Kubas Kul­tur­haupt­stadt und das nicht nur wegen der legen­dä­ren Noche Guan­tan­ame­ra, ein Stra­ßen­fest mit Musik, Essen und Trin­ken, das die Men­schen dort lie­ben. Ein vier­tä­gi­ges Musik­fes­ti­val erle­be ich dies­mal außer­dem mit und schließ­lich fin­det ja auch in Guan­tá­na­mo Kar­ne­val statt. 

Kleine Trommlerin beim Karneval von Santiago de Cuba.
Die kleins­te Tromm­le­rin von San­tia­go

Zunächst ein Tag Kin­der­kar­ne­val, anschlie­ßend sind die Erwach­se­nen dran. Ins­ge­samt fünf Tage wird gefei­ert, getanzt und gesof­fen. Im Ver­gleich zu San­tia­go geht es in Guan­tá­na­mo jedoch deut­lich fami­liä­rer zu. Die Wege zwi­schen den Brenn­punk­ten des när­ri­schen Trei­bens sind außer­dem kür­zer, was es ein­fa­cher macht, das Par­ty­ge­sche­hen im Osten Kubas zu beglei­ten. 

Rauchende Ordnungshüterin beim Karneval von Guantánamo.
Ziga­ret­ten­pau­se beim Kar­ne­val: Ver­tre­te­rin der Staats­macht in Guan­tá­na­mo

Wie­der ein­mal zeigt sich Guan­tá­na­mo von sei­ner sym­pa­thi­schen Sei­te und offen­bart sich nun auch als kuba­ni­sche Kar­ne­vals­hoch­burg. Mit dem Zug geht es, ein­mal quer über die Insel, wei­ter nach Mat­anz­as, eine wei­te­re mei­ner kuba­ni­schen Lieb­lings­städ­te. Seit Mit­te des Jah­res sind neue Züge aus Chi­na im Ein­satz, seit­dem geht die Fahrt schnel­ler und ist, was beson­ders erstaunt, deut­lich güns­ti­ger gewor­den. Aus­län­di­sche Tou­ris­ten zah­len nun den sel­ben Preis wie Kuba­ner. 

Karneval in Guantánamo: am Morgen danach.
Kar­ne­val in Guan­tá­na­mo: am Mor­gen danach

Kubanisches Klischee in Havanna

In Havan­na endet mei­ne viel­leicht letz­te Kuba-Rei­se, noch ein­mal ist Gele­gen­heit für Fotos in der Haupt­stadt. Man­che von ihnen tref­fen mit­ten ins Schwar­ze, zei­gen das Kli­schee schlecht­hin: Old­ti­mer in den dor­ti­gen Stra­ßen. 

Oldtimer im Regen auf dem Paseo del Prado in Havanna.
Regen auf dem Paseo del Pra­do

Was könn­te typi­scher sein als die alten Karos­sen aus US-ame­ri­ka­ni­scher Pro­duk­ti­on, Bau­jahr 1959 und frü­her? Vie­le Auf­nah­men sind ent­stan­den in die­sem “rol­len­den Muse­um”, Gele­gen­heit also, mal ein biss­chen “Main­stream” unter die Bil­der des letz­ten Jah­res zu streu­en.

Typisch Havanna: Oldtimer am Malecón.
Old­ti­mer an Havan­nas Malecón

Gleich mehr­fach gera­te ich in veri­ta­ble Wol­ken­brü­che und nut­ze die Gele­gen­heit. Für Fotos im Regen, von ollen Scheesen in Havan­nas Alt­stadt und am Malecón. Oder auf dem Paseo del Pra­do, der Pro­me­na­de, wo es am Wochen­en­de coo­le Kunst gibt. Und die Mög­lich­keit, Tan­go zu tan­zen.  

Oldtimer im Regen in La Habana Vieja, der Altstadt von Havanna.
Regen in der Alt­stadt von Havan­na

Urban Exploration in Thailand 

Man­che Sta­tio­nen kom­men zu kurz an die­ser Stel­le. Malay­sia ist so ein Här­te­fall, mit kul­tu­rel­len High­lights wie dem indi­schen Ern­te­dank­fest Pon­gal oder dem chi­ne­si­schen Valen­tins­tag und jeweils vie­len foto­ge­nen Momen­ten. Auch ein Heiß­luft­bal­lon-Event gehört noch dazu, in Geor­ge Town auf der Insel Penang, bekannt zudem für Street Art und viel­fäl­ti­ge kuli­na­ri­sche Genüs­se. 

Von Unkraut überwucherte Rolltreppe in der New World Mall in Bangkok.
Von Unkraut über­wu­chert: Roll­trep­pe in Bang­koks New World Mall

Aber noch ein­mal zurück nach Bang­kok, wo es neben den übli­chen “must-sees” auch aller­lei Kurio­si­tä­ten zu ent­de­cken gibt. Das Nigh­tin­ga­le Olym­pic gehört dazu, ein altes Kauf­haus am Ran­de von Chi­na­town. Und auch die New World Mall in Ban­g­lam­phu, seit mehr als zwei Jahr­zehn­ten in der Hand von Fischen und Fle­der­mäu­sen. Ganz klar ein The­ma für Urban Explo­ra­ti­on oder nur kurz Urb­ex, dabei geht es um die Erkun­dung soge­nann­ter Lost Pla­ces. Eine wei­te­re Schub­la­de öff­net sich, gele­gent­lich habe ich mich hin­ein­ge­zwängt und unter die “Urb­e­xer” bege­ben.

Tierische Höhepunkte des Jahres

Vögel wur­den bereits aus­gie­big gewür­digt, doch was ist mit wei­te­ren Krea­tu­ren? Die Aus­wahl ist zwar begrenzt, schließ­lich habe ich mich haupt­säch­lich im städ­ti­schen Bereich auf­ge­hal­ten, ein paar tie­ri­sche High­lights gibt es den­noch zu zei­gen. 

Auge in Auge mit dem Krokodil in Las Coloradas.
Auge in Auge mit dem Kro­ko­dil

Auge in Auge mit einem mexi­ka­ni­schen Kro­ko­dil, ein wenig Über­trei­bung ist natür­lich dabei, schließ­lich hat der Zoom für etwas Unter­stüt­zung gesorgt. Den­noch eine auf­re­gen­de Erfah­rung, auf Tuch­füh­lung mit dem gefähr­li­chen Rep­til zu gehen, Erin­ne­run­gen an Tier­be­geg­nun­gen im South Luang­wa Natio­nal­park in Sam­bia wer­den wach. Vom fer­nen Mexi­ko geht es ins hei­mi­sche Han­no­ver, vom Kro­ko­dil zum Eich­hörn­chen, grö­ßer könn­te der Sprung kaum sein!

Eichhörnchen im Berggarten, Hannover.
Eich­hörn­chen in Han­no­vers Berg­gar­ten

Erstaun­lich ist, wie vie­le Tie­re vor der eige­nen Haus­tür zu fin­den sind, mit­ten in der Groß­stadt. Eine geson­der­te Repor­ta­ge böte sich an zu die­sem The­ma. Irgend­wann. Zu einer Tra­di­ti­on wer­den könn­te das Eich­hörn­chen-Shoo­ting in mei­ner Nach­bar­schaft, der letz­te Besuch im han­no­ver­schen Berg­gar­ten fand Mit­te Novem­ber statt. Ergeb­nis ist eine neue Serie mit den put­zi­gen Tier­chen. Das Geheim­nis dabei, ich lüf­te es an die­ser Stel­le: Der Ses­si­on mit den klei­nen Nagern liegt ein Deal zugrun­de, Nüs­se gegen Fotos. Nun ist es raus!

Waran im Lumpini-Park von Bangkok beim Vertilgen einer Schildkröte.
Waran beim Ver­til­gen einer Schild­krö­te

Ein wei­te­rer Sprung, von Han­no­ver nach Bang­kok, das noch ein­mal zu sei­nem Recht kommt. Ein Jet­lag hat auch Vor­tei­le, so lan­ge der Schlafrhyth­mus sich noch nicht ange­passt hat, fällt frü­hes Auf­ste­hen unglaub­lich leicht. Gleich am ers­ten Tag, noch vor Son­nen­auf­gang, steht eine Exkur­si­on in den Lum­pi­ni Park auf dem Pro­gramm. Dort­hin, wo mäch­ti­ge Wara­ne zu Hau­se sind. Und die­se Bur­schen leben nicht nur von Luft und Lie­be. Einen näm­lich beob­ach­te ich dabei, wie er eine Schild­krö­te bei leben­di­gem Leib her­un­ter­schlingt. Tja, fres­sen oder gefres­sen wer­den, so ist das in der Natur und das gilt auch im Moloch namens Bang­kok!  

Klein und groß unterwegs in Havannas Chinatown.
Groß und Klein unter­wegs in Havan­nas Chi­na­town

Straßenfotografie in Kuba

Kuba, Kuba und kein Ende! Ein letz­tes Mal geht es zurück in den sozia­lis­ti­schen Insel­staat, mit einem wei­te­ren Blick in die dor­ti­gen Stra­ßen, Street Pho­to­gra­phy statt Sight­see­ing wäre ein pas­sen­des Mot­to, jeden­falls für Freun­de des Angli­zis­mus. Auf der Stra­ße, dem Wohn­zim­mer der Kuba­ner, wird geschnackt und gespielt, geflir­tet oder ein­fach nur rum­ge­ses­sen. Täg­lich bin ich hin­ein­spa­ziert in die “gute Stu­be”, in die­ses Eldo­ra­do für Stra­ßen­fo­to­gra­fen.  

Schachspieler in den Straßen von Havanna.
Schach­matt in Havan­na?

Schach hat in Kuba Tra­di­ti­on und ist ein belieb­ter Zeit­ver­treib. Auf die bei­den in ihr Spiel ver­tief­ten Prot­ago­nis­ten sto­ße ich in Cen­tro Haba­na, auch in der Pro­vinz­haupt­stadt Hol­guín kann man Män­ner in Parks und auf öffent­li­chen Plät­zen übri­gens gut beob­ach­ten, Frau­en hin­ge­gen habe ich nie gese­hen. Neben “Schach­matt in Havan­na” gehört auch “der Adi­das-Mann” von Mat­anz­as zu mei­nen Lieb­lings­fo­tos des ver­gan­ge­nen Jah­res, nicht zu ver­ges­sen dabei die anfangs gezeig­ten Damen, eine noch klein, die ande­re dafür umso grö­ßer, in Havan­nas Chi­na­town.

Fotos des Jahres. Straßenfotografie in Matanzas.
“Der Adi­das-Mann” von Mat­anz­as

Digitalisierung: Fluch und Segen

Eine Per­si­fla­ge auf den Zeit­geist ist das nächs­te Bild, noch ist es nicht das letz­te, die Ziel­ge­ra­de kommt jedoch in Sicht. The­ma des Kunst­werks im mexi­ka­ni­schen Küs­ten­ort Pro­gre­so ist das unsäg­li­che Dau­er­star­ren aufs Smart­pho­ne – fast über­all auf der Welt wird geglotzt, gescrollt und gelikt, was das Zeug hält. Wie hat man es frü­her bloß aus­ge­hal­ten ohne den gan­zen Hokus­po­kus? Dem Meer den Rücken gekehrt, wird die­ser Unfug hier nun wun­der­bar pas­send kari­kiert und der wit­zi­ge Ort ist zu einer belieb­ten Foto­ku­lis­se gewor­den. Auf dass man das Resul­tat anschlie­ßend sogleich in die vir­tu­el­le Umlauf­bahn bla­sen kann – bei Face­book, Insta­gram oder wo auch immer.

Folgen der Digitalisierung, im mexikanischen Progreso auf die Schippe genommen.
Fol­gen der Digi­ta­li­sie­rung, in Pro­gre­so auf die Schip­pe genom­men

Bun­te Bil­der um die Welt schi­cken, auch ich nut­ze die sozia­len Medi­en gern, um von mei­nen Erleb­nis­sen zu berich­ten. Muss dabei aller­dings zuneh­mend auch den Miss­brauch die­ser Kanä­le fest­stel­len. Hass und Het­ze regie­ren so man­che “Dis­kus­si­on” auf üble Wei­se, auf­fäl­lig ist zudem sub­ti­le Pro­pa­gan­da, breit­ge­fä­chert im Ein­satz. Face­book, Twit­ter & Co. mutie­ren zum Rekru­tie­rungs­feld für “besorg­te Bür­ger”, die Empö­rungs­ma­schi­ne­rie läuft auf Hoch­tou­ren. Ner­vig ist das, vor allem aber gefähr­lich – und offen­sicht­lich wohl­or­ga­ni­siert von rech­ten Krei­sen. Neu­land Inter­net? Ganz sicher nicht für die­se Kli­en­tel! 

Buntes Hannover: Clown-Mural der portugiesischen Künstler Mr. Dheo und Pariz One.
Urhe­ber des Kunst­werks sind die Por­tu­gie­sen MrDheo und Pariz One

Buntes Hannover

Han­no­ver ist bunt und welt­of­fen und das ist auch gut so. Ein präch­ti­ges Sym­bol dafür ist das wohl far­ben­fro­hes­te Haus der Stadt. Das Clown-Mural, Werk zwei­er por­tu­gie­si­scher Street-Art-Künst­ler, gehört zu einer gan­zen Rei­he sol­cher Wer­ke, die sich über mei­ne Hei­mat­stadt ver­tei­len. Im Text über den Krons­berg und die Expo 2000 fin­det sich ein wei­te­res die­ser impo­san­ten Wand­bil­der – hier ist noch Platz und da es gera­de passt, zei­ge ich es noch ein­mal. Viel­leicht gelingt es im neu­en Jahr, dem The­ma end­lich einen eige­nen Report zu wid­men. 

Mural des Künstlers Dale Grimshaw im hannoverschen Stadtteil Bemerode.
Mural des Künst­lers Dale Grims­haw im han­no­ver­schen Stadt­teil Bemero­de

Eine welt­of­fe­ne Stadt und bun­te Häu­ser – die Bot­schaft, ich neh­me mir die Frei­heit der Inter­pre­ta­ti­on: Null Tole­ranz für Nazi­pack und Men­schen, die damit sym­pa­thi­sie­ren. Jeder kennt schließ­lich die Geschich­te und weiß, wor­auf man sich ein­lässt! Den Han­no­ve­ra­nern muss man das übri­gens nicht sagen – denn mar­schie­ren hier Nazis auf, ver­sam­melt sich sogleich eine viel­fa­che Men­ge anstän­di­ger Bür­ger. Kei­ne Chan­ce für rech­tes Pack, genau so muss es sein! Auch dies übri­gens ein Grund, der mich nach manch lan­ger Rei­se gern zurück­keh­ren lässt.

Herbstlicher Abendhimmel über Hannover.
Herbst­li­cher Abend­him­mel über Han­no­ver Ende Okto­ber

Schlusswort: Klartext

Den Kopf in den Sand ste­cken, die Rede­wen­dung ist bekannt, Sand lie­ße sich auch durch Was­ser erset­zen, frei nach dem Motiv des nun letz­ten Bil­des. Wer dies tut, sieht jedoch eine dro­hen­de Gefahr nicht. Hin­se­hen statt Weg­schau­en, das ist statt­des­sen der Kern der letz­ten Zei­len. Die Rat­ten­fän­ger sind unter­wegs, zün­deln mit rechts­po­pu­lis­ti­schem Zeug und jeder, der mit einer bestimm­ten Reich­wei­te publi­ziert, ist gefragt, sich dage­gen zu posi­tio­nie­ren. Auch hier ist ein geeig­ne­ter Ort dafür, denn Bli­cke hin­ter die Kulis­sen statt rosa­ro­te hei­le-Welt-Geschich­ten sind schließ­lich die Essenz.

Río Lagartos: Flamingo steckt den Kopf ins Wasser.
Kopf ins Was­ser in Río Lagar­tos

Das waren sie, die Fotos des Jah­res, schwie­rig war die Aus­wahl alle­mal, es hät­ten auch ande­re sein kön­nen. Oder noch viel mehr. Jah­res­rück­bli­cke mag ich nicht (auch wenn es im Jahr 2016 schon ein­mal einen sol­chen gab), ein Blick zurück ist dies natür­lich trotz­dem irgend­wie. Bunt war das alte Jahr und so wird sicher auch das neue wer­den. Mit wei­te­ren Geschich­ten und neu­en High­lights, die mar­kan­tes­ten Momen­te wird es mög­li­cher­wei­se erneut hier geben. In die­ser Form oder anders.

Bilder des Jahres – Infos

Wer noch nicht genug Fotos gesich­tet hat, aus aller Welt und aus dem letz­ten Jahr, kann an ande­rer Stel­le wei­ter schmö­kern und sich inspi­rie­ren las­sen:

Mit die­sen Pro­fis will ich nicht kon­kur­rie­ren, wem jedoch mei­ne Bil­der gefal­len, der soll­te schleu­nigst bei Face­book und Twit­ter die Ver­fol­gung auf­neh­men, sofern noch nicht gesche­hen. Dort gibt es lau­fend, meist brand­ak­tu­ell, Bil­der und Infos von unter­wegs. Insta­gram ist ein wei­te­rer Kanal dafür. Alles ist kom­plett wer­be­frei und kos­ten­los natür­lich sowie­so.

Autor, Reisereporter und Reiseblogger. Nachdem man ihn dazu gebracht hat, seine vorherige berufliche Karriere zu beenden (um das böse Wort Mobbing zu vermeiden), treibt ihn die Neugier hinaus in die Welt und er erzählt Geschichten von unterwegs.

2 Kommentare zu “Zwischen Hannover und Havanna – die Bilder des Jahres

  1. Karin Emma Köhler

    Gro­ßes Kom­pli­ment! Beein­dru­cken­de Fotos…

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