Eisenbahn unterwegs in Kuba, Zug auf der Strecke von Havanna nach Guantánamo.
Kuba

Abenteuer Zug fahren: Unterwegs zwischen Havanna und Guantánamo

Aktua­li­siert am

Wer Kuba auf authen­ti­sche Wei­se erle­ben will, kommt um die Fahrt mit der Eisen­bahn nicht her­um. Die alten Züge gel­ten zwar nicht gera­de als zuver­läs­sig, wer jedoch aben­teu­er­lus­tig ist und etwas Geduld mit­bringt, wird mit beein­dru­cken­den Erleb­nis­sen belohnt. Bahn­fahr­ten zwi­schen Havan­na und Guan­tá­na­mo ste­hen im Fokus, Infor­ma­tio­nen und hilf­rei­che Tipps ergän­zen das The­ma Zug fah­ren in Kuba. 

Vie­le Tou­ris­ten, die Kuba indi­vi­du­ell ent­de­cken, rei­sen mit den Bus­sen von Via­zul, die zwi­schen den belieb­tes­ten Zie­len ver­keh­ren. Ein­drucks­vol­ler und auch preis­wer­ter ist es jedoch, auf die eigent­lich lan­des­ty­pi­schen Ver­kehrs­mit­tel zurück­zu­grei­fen, etwa den Schie­nen­ver­kehr der staat­li­chen Eisen­bahn­ge­sell­schaft Fer­ro­car­ri­les de Cuba.

Zug fahren in Kuba. Fahrplan im Bahnhof La Coubre von Havanna
Fahr­plan im Bahn­hof La Coub­re von Havan­na

Das Unter­neh­men ver­fügt bis­her nicht über eine Web­site, offi­zi­el­le Fahr­plä­ne exis­tie­ren im Netz somit nicht. Es wird daher kaum über­ra­schen, auch ein Ticket­kauf ist online also nicht mög­lich. Zwar ist Inter­net in Kuba auf dem Vor­marsch, aber man merkt es auch hier, aktu­ell han­delt es sich immer noch um Neu­land.

Zug fahren in Kuba. Wartende Menschen im Bahnhof La Coubre von Havanna
Bahn­hof La Coub­re in Havan­na – gleich gehts los

Kubas Eisenbahngeschichte

Wer in Kuba mit dem Zug unter­wegs ist, begibt sich auf eine Rei­se in die Ver­gan­gen­heit. Denn seit 1837 gibt es die Eisen­bahn bereits auf der Kari­bik­in­sel, wäh­rend im dama­li­gen Mut­ter­land Spa­ni­en erst 1848 mit dem Bau einer ers­ten Bahn­li­nie begon­nen wur­de. Als his­to­ri­sches Datum gilt zudem der 29. Dezem­ber 1958. Che Gue­va­ra und ande­re Rebel­len brach­ten in San­ta Cla­ra einen gepan­zer­ten Zug, bela­den mit Waf­fen und Muni­ti­on, zum Ent­glei­sen und nah­men anschlie­ßend die Stadt ein. Der Tri­umph der kuba­ni­schen Revo­lu­ti­on war per­fekt, Dik­ta­tor Batis­ta floh drei Tage spä­ter aus dem Land und der inzwi­schen ver­stor­be­ne Fidel Cas­tro ver­kün­de­te in San­tia­go de Cuba den Sieg.

Bahnfahrt in Kuba. Zug von Havanna nach Guantánamo
Zug­fahrt in Kuba, unter­wegs Rich­tung Guan­tá­na­mo

Mitt­ler­wei­le wer­den haupt­säch­lich gebrauch­te Züge aus Kana­da und Euro­pa, etwa aus Frank­reich oder Deutsch­land, ein­ge­setzt. Die längs­te Stre­cke, rund 1.000 km, führt dabei von Havan­na nach Guan­tá­na­mo.  Zur­zeit wird an der Moder­ni­sie­rung des Eisen­bahn­net­zes gear­bei­tet. Dabei soll ein neu­er Schnell­zug Havan­na und Vara­de­ro ver­bin­den, zudem ist der Import rus­si­scher Die­sel­loks und Schie­nen­bus­se geplant.

Mehrere Anläufe für Ticketkauf

Als ich im Bahn­hof von Guan­tá­na­mo am Mon­tag ein Ticket für den nächs­ten Tag kau­fen will, ler­ne ich, dass der Zug nach Hol­guín nur alle zwei Tage fährt, das nächs­te Mal erst wie­der am Mitt­woch. Die Fahr­kar­te kön­ne ich einen Tag vor­her erwer­ben, heißt es, ich sol­le am Diens­tag­vor­mit­tag wie­der­kom­men. Gesagt, getan. Jedoch erfah­re ich dann, dass 14:30 Uhr inzwi­schen der rich­ti­ge Zeit­punkt für den Ticke­ter­werb ist. Tat­säch­lich soll­te ich mei­nen Fahr­schein aber doch erst kurz nach 18 Uhr in den Hän­den hal­ten, ich durf­te noch ein wei­te­res Mal wie­der­kom­men.

Zug fahren in Kuba. Morgendämmerung über dem Bahnhof von Guantánamo
Mor­gen­däm­me­rung über dem Bahn­hof von Guan­tá­na­mo

Von Guantánamo nach Holguín

In der Mor­gen­däm­me­rung des nächs­ten Tages geht es los, pünkt­lich um 6:15 Uhr setzt sich der Zug nach Hol­guín in Bewe­gung, der auf­ge­hen­den Son­ne ent­ge­gen. Kurz dar­auf schon nimmt die Schaff­ne­rin neben mir Platz. Ver­trau­lich legt sie zunächst ihre Hand auf mei­nen Ober­schen­kel, wäh­rend sie gleich­zei­tig ande­re Fahr­gäs­te mit Wan­gen­kuss begrüßt, man kennt sich offen­sicht­lich. Einen Wan­gen­kuss gibts für mich nicht, dafür aber ein Lob, dass ich den rich­ti­gen Platz gefun­den habe. Die Hand der Dame ver­weilt unter­des­sen auf mei­nem Ober­schen­kel.

Zug fahren in Kuba. Morgendliche Impressionen im Zug von Guantánamo nach Holguín
Mor­gens im Zug von Guan­tá­na­mo nach Hol­guín

Nach­dem die Schaff­ne­rin mich wie­der ver­las­sen hat, zuvor hat­te sie noch mei­ne Daten in eine Lis­te über­tra­gen, der übli­che kuba­ni­sche Büro­kra­tie­kram, nimmt Jor­ge ihren Platz ein. Jor­ge spricht Deutsch, wie manch ande­rer Kuba­ner sei­ner Genera­ti­on hat er vor 30 Jah­ren in der dama­li­gen DDR gear­bei­tet. Inzwi­schen ist der Gepäck­wa­gen sein Revier und die Kol­le­gin hat ihm schnur­stracks berich­tet, dass sich ein Ami­go aus Ale­ma­nia im Zug befin­det.

Zug fahren in Kuba. Stopp zwischen Guantánamo und Holguín
Stopp zwi­schen Guan­tá­na­mo und Hol­guín

Von sei­ner deut­schen Freun­din erzählt Jor­ge, Rose­ma­rie ist 74. Und häss­lich, fügt er schmun­zelnd hin­zu und kramt sogleich ein Foto her­aus. Nein, häss­lich ist Rose­ma­rie nicht, aber das hat­te ihr kuba­ni­scher Freund ja auch nicht ernst gemeint. Im April wer­de sie für eini­ge Wochen nach Kuba kom­men, die Vor­freu­de auf den Besuch sei­ner “häss­li­chen” Freun­din kann Jor­ge nicht ver­heh­len.

Sehnsucht nach Deutschland

Nach Deutsch­land möch­te er unbe­dingt noch ein­mal zurück, sagt Jor­ge, er mag die deut­sche Käl­te. Soll ich ihm das glau­ben oder flun­kert der Bur­sche etwa wie­der? Gera­de­zu gro­tesk klingt sein Wunsch in mei­nen Ohren. Jetzt, im Dezem­ber, wäh­rend im fer­nen Deutsch­land der Win­ter beginnt und hier im kuba­ni­schen Osten der Zug zwi­schen Zucker­rohr und Bana­nen­stau­den durch die tro­pi­sche Land­schaft tuckert.

Zug fahren in Kuba. Blick aus dem Fenster zwischen Guantánamo und Holguín
Blick aus dem Zug­fens­ter im Osten Kubas

Oft scheint es nicht vor­zu­kom­men, dass sich ein Extran­je­ro unter die Fahr­gäs­te mischt, ent­spre­chend groß ist die Neu­gier bei den Mit­rei­sen­den. Immer wie­der habe ich neue Sitz­nach­barn, die mich aus­fra­gen. Und über­haupt, die Stim­mung am frü­hen Mor­gen ist gelöst, es herrscht ein mun­te­res Geschnat­ter im Wag­gon. Wäh­rend anders­wo auf der Welt die Men­schen um die­se Zeit oft müde und gries­grä­mig aus der Wäsche gucken, scheint Mor­gen­muf­fe­lig­keit hier im kuba­ni­schen Zug ein Fremd­wort zu sein.

Zug fahren in Kuba. Hier Impressionen im Zug von Guantánamo nach Holguín
Im Zug von Guan­tá­na­mo nach Hol­guín

Kontaktbörse kubanischer Zug

Einer mei­ner neu­en Freun­de ist Leo­nar­do, sein Mar­ken­zei­chen: ein ver­schmitz­tes Grin­sen. Der Schalk sitzt ihm im Nacken, das wird spä­tes­tens klar, als er mir die Kon­takt­auf­nah­me zu in Reich­wei­te befind­li­chen Chi­cas, den weib­li­chen Fahr­gäs­ten, ans Herz legt, nicht ohne die­ses Vor­ha­ben selbst tat­kräf­tig zu unter­stüt­zen. Arle­ty lau­tet der Name des ers­ten Opfers. Bevor die dun­kel­häu­ti­ge Schön­heit mit der veri­ta­blen Lücke zwi­schen den Schnei­de­zäh­nen den Zug spä­ter am Bahn­hof Otto Parella­da ver­lässt, steckt sie mir noch lächelnd einen Zet­tel mit ihrer Tele­fon­num­mer zu. Und ich muss ver­spre­chen, mich unbe­dingt bei der 19-Jäh­ri­gen zu mel­den.

Zug fahren in Kuba. Müder weiblicher Fahrgast im Zug nach Holguín
Müdig­keit macht sich breit, als die Hit­ze in den Zug kriecht

All­mäh­lich wird es ruhi­ger und von drau­ßen kriecht die Hit­ze lang­sam in die Abtei­le, Müdig­keit macht sich breit und der Zug scheint nur noch zu vor sich hin zu schlei­chen. Wie die ande­ren Pas­sa­gie­re döse auch ich und der müde Kopf gibt sich der wir­ren Illu­si­on hin, dass wir das Ziel nie errei­chen wer­den. Irgend­wann ist es dann aber doch so weit, wir sind in Hol­guín und schlag­ar­tig sind alle wie­der mun­ter. Nur eine hal­be Stun­de Ver­spä­tung hat der Zug, 6,5 Stun­den hat er ins­ge­samt gebraucht für eine Stre­cke, die gera­de ein­mal 130 km Luft­li­nie misst. Auf dem Weg zu mei­ner Her­ber­ge muss ich noch lan­ge in mich hin­ein­grin­sen, die Bahn­fahrt von Guan­tá­na­mo nach Hol­guín mit den vie­len Begeg­nun­gen zählt ganz sicher zu den amü­san­tes­ten Erleb­nis­sen mei­ner Kubarei­sen.

Zug fahren in Kuba. Gepäckentladung im Bahnhof von Holguín
Gepä­ck­ent­la­dung nach Ankunft in Hol­guín

Von Havanna nach Guantánamo

Havan­nas Haupt­bahn­hof, Estación Cen­tral de Fer­ro­car­ri­les, ist bereits seit eini­ger Zeit wegen Reno­vie­rung geschlos­sen. Der etwas klei­ne­re Bahn­hof La Coub­re, benannt nach einem fran­zö­si­schen Fracht­schiff, das 1960 im Hafen von Havan­na explo­diert ist, befin­det sich jedoch nur weni­ge hun­dert Meter ent­fernt. Dort infor­mie­re ich mich am Sams­tag über die Ver­bin­dung nach Guan­tá­na­mo am kom­men­den Mitt­woch. Und erfah­re, dass der Zug um 18:53 Uhr fährt und ich den Fahr­schein drei Tage vor­her kau­fen kann. Da die Ver­kaufs­schal­ter sonn­tags geschlos­sen sind, also am Mon­tag.

Zug fahren in Kuba. Fahrgäste warten im Bahnhof La Coubre von Havanna
Fahr­gäs­te war­ten im Bahn­hof La Coub­re von Havan­na

Nach­dem der Kauf der Fahr­kar­te am Mon­tag rei­bungs­los ver­läuft, ist vor der Abfahrt am Mitt­woch noch eine Hür­de zu neh­men. Man schickt mich näm­lich zunächst zu einem Schal­ter, vor dem sich bereits eine ordent­li­che Schlan­ge gebil­det hat. Hier muss das Ticket erst bestä­tigt wer­den, bevor ich in den bereits war­ten­den Zug stei­gen darf. Noch ist zwar eine Drei­vier­tel­stun­de Zeit, aber es will nicht so recht vor­an­ge­hen. Was trei­ben die Leu­te da hin­ter dem Schal­ter bloß?

Zug fahren in Kuba. Ticketbestätigung am Schalter von Havannas Bahnhof La Coubre
Kuba­ni­scher Büro­kra­tis­mus: Ticket­be­stä­ti­gung vor der Abfahrt

Etwa 10 Minu­ten vor Abfahrt des Zuges bin ich end­lich an der Rei­he und es scheint bei­na­he so, als habe man hier noch nie einen Extran­je­ro abge­fer­tigt. Zu dritt, teil­wei­se zu viert, wer­den irgend­wel­che Lis­ten aus­ge­füllt, dann ver­schwin­det eine der Damen kurz mit mei­nem Rei­se­pass im Hin­ter­grund. Und als ich danach schon den­ke, die Pro­ze­dur ist über­stan­den, müs­sen doch noch wei­te­re Anga­ben auf ein Stück Papier gekrit­zelt wer­den. Hur­tig lau­fe ich anschlie­ßend zum war­ten­den Zug und kaum dass ich ein­ge­stie­gen bin, geht es auch schon los. Auf eine lan­ge Rei­se durch die kuba­ni­sche Nacht.

Zug fahren in Kuba. Im Bahnhof von Las Tunas gibt es Bier und Brötchen (Pan)
Bier und Bröt­chen am Mor­gen auf dem Bahn­steig in Las Tunas

Hochprozentiges zum Frühstück

Gera­de ist die Son­ne auf­ge­gan­gen, als der Zug Cama­güey erreicht. Ein paar Bur­schen lau­fen eilig mit Fla­schen durch den Zug, sie ver­kau­fen hoch­pro­zen­ti­gen Aguar­dien­te. Spä­ter in Las Tunas gibts noch kal­tes Bier und dazu fri­sche Bröt­chen, wäh­rend­des­sen sind die ers­ten Fla­schen Aguar­dien­te schon halb geleert, vie­le Kuba­ner sind schmerz­frei, was den Kon­sum von Alko­hol anbe­langt. Ich grei­fe der­weil zu Kuchen und Refres­co, also einem Erfri­schungs­ge­tränk. Über­haupt ist die Ver­sor­gung wäh­rend der Zug­fahrt gut, immer wie­der kommt jemand mit Pan de jamón, Piz­za de que­so oder Cara­me­los und ande­ren Süßig­kei­ten vor­bei.

Zug fahren in Kuba. Toilette im Zug von Havanna nach Guantánamo
Toi­let­te im Zug von Havan­na nach Guan­tá­na­mo

Als wir Las Tunas hin­ter uns las­sen, begin­ne ich zu rech­nen. Mit wie viel Ver­spä­tung wir Guan­tá­na­mo wohl errei­chen wer­den? Aber zu schwie­rig ist die Pro­gno­se und bald sind die Gedan­ken ohne­hin wie­der woan­ders. Die drau­ßen vor­bei­zie­hen­de Land­schaft ist grün und länd­lich und immer wie­der pas­siert der Zug klei­ne­re Ort­schaf­ten. Men­schen ste­hen vor ihren Häu­sern, man­che fröh­lich win­kend. Ein fried­li­ches Bild, der vor­bei­fah­ren­de Zug ist für die Leu­te offen­sicht­lich ein ech­tes High­light. Längst ist die Stre­cke nur noch ein­spu­rig und, wüss­te ich es nicht bes­ser, es wäre mitt­ler­wei­le nur schwer vor­stell­bar, dass der Zug sei­ne Fahrt bereits vor fast einem Tag im fer­nen Havan­na auf­ge­nom­men hat.

Zug fahren in Kuba. Winkende Kinder an der Bahnstrecke im Osten Kubas.
Für die Kin­der an der Bahn­stre­cke ist der vor­bei­fah­ren­de Zug ein Erleb­nis

Nach 22 Stun­den errei­chen wir Guan­tá­na­mo. Plan­mä­ßig hät­te die Fahrt von der kuba­ni­schen Haupt­stadt zwar nur 18 Stun­den dau­ern sol­len, aber Pünkt­lich­keit kann man bei der Rei­se mit der kuba­ni­schen Eisen­bahn nicht erwar­ten. Ver­spä­tun­gen und Aus­fäl­le gehö­ren bei die­sem Ver­kehrs­mit­tel genau so dazu wie Moji­to oder Zigar­ren zum ein­schlä­gi­gen kuba­ni­schen Tou­ris­ten­kli­schee.

Zug fahren in Kuba. Ankunft auf dem Bahnhof von Guantánamo
Nach 22 Stun­den Zug­fahrt ist Guan­tá­na­mo erreicht

Hershey Train: “Tren cancelado”

Zwi­schen Havan­na und Mat­anz­as, auf hal­ber Stre­cke hat­te vor 100 Jah­ren der Scho­ko­la­den­her­stel­ler Hers­hey eine Zucker­fa­brik errich­tet, ver­kehrt der gleich­na­mi­ge Hers­hey Train. Die ein­zi­ge elek­trisch betrie­be­ne Eisen­bahn­li­nie Kubas war ursprüng­lich für den Trans­port von Arbei­tern und Waren­gü­tern gedacht und der Per­so­nen­ver­kehr mit aus Spa­ni­en stam­men­den Trieb­wa­gen wird bis zum heu­ti­gen Tag auf­recht erhal­ten. Mehr oder weni­ger jeden­falls, denn “Tren can­ce­la­do” hieß es regel­mä­ßig in Mat­anz­as. Eine Erfah­rung, die auch der Öster­rei­cher Ger­hard Lie­ben­ber­ger teilt, ihn habe ich spä­ter in San­tia­go de Cuba und Bara­coa getrof­fen. Soll­te es mich irgend­wann wie­der in die Gegend ver­schla­gen, ich wer­de die Fahrt mit dem Hers­hey Train erneut in Angriff neh­men. Dann mög­li­cher­wei­se mit einem Stopp in Hers­hey, inzwi­schen umbe­nannt in Cami­lo Cien­fue­gos, und auch ein Abste­cher in den nahe­ge­le­ge­nen Küs­ten­ort San­ta Cruz del Nor­te bie­tet sich an.

Zug fahren in Kuba. Unterwegs im Oriente, dem Osten Kubas.
Auf dem Weg Rich­tung Guan­tá­na­mo irgend­wo im kuba­ni­schen Osten

Auch ein wei­te­rer Ver­such, in Kuba mit dem Zug zu fah­ren, war geschei­tert. Dies­mal woll­te ich von Hol­guín nach Havan­na rei­sen und muss­te erfah­ren, dass in den nächs­ten Tagen kei­ne Bahn fährt, wor­auf­hin ich auf den Via­zul-Bus als Alter­na­ti­ve umge­schwenkt bin.

Habe ich jedoch die Wahl zwi­schen dem kli­ma­ti­sier­ten, aber eher lang­wei­li­gen Bus, der zwar ver­läß­li­cher ist und haupt­säch­lich von Tou­ris­ten genutzt wird, die meis­ten Kuba­ner kön­nen sich die Fahrt nicht leis­ten, und der Rei­se mit der kuba­ni­schen Eisen­bahn, ich wäh­le im Zwei­fels­fall immer die Zug­fahrt. Denn auch wenn sie län­ger dau­ert, die Bahn­fahrt ist beque­mer und güns­ti­ger. Vor allem aber sind es die authen­ti­schen Ein­drü­cke und die inter­es­san­ten Begeg­nun­gen und Bege­ben­hei­ten unter­wegs, die das Aben­teu­er Eisen­bahn in Kuba so reiz­voll machen.

Infos & Tipps für Bahnreisen in Kuba

Wich­tig. Wer in Kuba eine Fahrt mit der Eisen­bahn plant, soll­te zunächst fol­gen­de Fra­gen am Bahn­hof des Abfahrts­or­tes klä­ren:

  • Wann fährt der Zug? Auf man­chen Stre­cken ver­kehrt die Eisen­bahn alle 2, 3 oder 4 Tage, daher ist neben der Uhr­zeit vor allem das Datum wich­tig.
  • Wann ist der Ticket­kauf mög­lich?

Fahr­preis. Die Bezah­lung der Fahr­kar­ten unter Vor­la­ge des Rei­se­pas­ses erfolgt für Aus­län­der grund­sätz­lich in CUC. Der Ticket­preis beträgt ein Mehr­fa­ches des­sen, was die Kuba­ner zah­len. Den­noch ist die Zug­fahrt güns­ti­ger als eine Fahrt mit dem Via­zul-Bus, Bei­spiel: Havan­na – Guan­tá­na­mo: 32 CUC (Bahn­fahrt) vs. 57 CUC (Fahrt mit Via­zul-Bus)

Zug­fahrt ab Havan­na. Da die Tickets noch ein­mal bestä­tigt wer­den müs­sen, emp­fiehlt es sich, etwa eine Stun­de vor Abfahrt des Zuges am Bahn­hof zu sein, zur­zeit ist das La Coub­re, der Haupt­bahn­hof, Estación Cen­tral de Fer­ro­car­ri­les, ist noch bis in 2018 hin­ein wegen Reno­vie­rung geschlos­sen.

Nütz­li­ches. Mit Blick auf die sani­tä­ren Ein­rich­tun­gen soll­ten Toi­let­ten­pa­pier und Was­ser zum Hän­de­wa­schen mit­ge­führt wer­den.

Zug fahren in Kuba – Interessantes & Wissenswertes

Wei­te­re Quel­len, die sich dem The­ma Bahn­rei­sen in Kuba wid­men:

  • Der Eng­län­der Mark Smith, er ist “der Mann auf Platz 61”, lie­fert umfas­sen­de Infos zum The­ma Zug fah­ren in Kuba.
  • Ange­sichts der ein­drucks­vol­len Bil­der des Nach­rich­ten-Por­tals Mas­ha­ble: wer möch­te nicht sofort in die Eisen­bahn stei­gen und sich auf eine Rei­se durch Kuba bege­ben?
  • Allen Mor­ri­son und bestcubaguide.com grei­fen das The­ma Hers­hey Train, der auf der his­to­ri­schen Bahn­stre­cke zwi­schen Havan­na und Mat­anz­as ver­kehrt, auf.
  • Wer sich für Aus­flü­ge mit der Eisen­bahn von Tri­ni­dad aus inter­es­siert, soll­te sich den Text von Ger­hard auf Andersreisen.net zu Gemü­te füh­ren.
  • Der Tren Fran­cés, ehe­mals als Trans-Euro­pa-Express der fran­zö­si­schen Eisen­bahn­ge­sell­schaft unter­wegs, gilt als Flagg­schiff der kuba­ni­schen Bahn. Die Welt berich­tet über die Fahrt von Havan­na nach San­tia­go de Cuba.
  • Ins­be­son­de­re mit der Auf­lis­tung von Fahr­plä­nen hat sich der Autor von Cuba-indi­vi­du­al viel Mühe gemacht, jedoch gilt auch hier: ver­läß­li­che, offi­zi­el­le Aus­künf­te gibt es aus­schließ­lich am jewei­li­gen Bahn­hof.

8 Kommentare zu “Abenteuer Zug fahren: Unterwegs zwischen Havanna und Guantánamo

  1. Hi Wolf­gang,

    super Arti­kel, das macht echt Spaß zu Lesen 🙂

    Ja mei, vier Stun­den Ver­spä­tung, gabs denn wenigs­tens eine Ent­schä­di­gung? ggg

    Vie­le Grü­ße
    Flo

    • Wolfgang Käseler

      Hi Flo,
      dan­ke. Schön, dass es Dir gefällt. Und ja, klar gab´s eine Ent­schä­di­gung: unver­gess­li­che Ein­drü­cke! 😀

      LG, Wolf­gang

  2. Hi Wolf­gang,
    dan­ke für den schö­nen Arti­kel.
    Wir flie­gen in zwei Wochen nach Kuba und Bahn fah­ren steht auf jeden Fall auf der Wunsch­lis­te. Hier­zu wür­de uns noch inter­es­sie­ren, ob und wie du in der Zeit im Zug auch mal schla­fen konn­test?

    Vie­len Dank, Anja

    • Wolfgang

      Hal­lo Anja,
      gern. 😉
      Schlaf­wa­gen gibt es in kuba­ni­schen Zügen zwar nicht, aber schla­fen kann man natür­lich trotz­dem. Es gibt ja Leu­te, die kön­nen immer und über­all – qua­si wie auf Knopf­druck – ein­schla­fen, das fin­de ich bewun­derns­wert, aber zu denen gehö­re ich lei­der nicht. Ich nicke erst dann ein, wenn mich die Müdig­keit so rich­tig über­kommt und dann auch nicht lan­ge. Mei­ner Erfah­rung nach sind die Züge zwi­schen Havan­na und San­tia­go am bequems­ten und daher auch zum Schla­fen am bes­ten geeig­net.
      LG & inter­es­san­te Erleb­nis­se in Kuba
      Wolf­gang

  3. Ralf Wagner

    Hal­lo Wolf­gang,
    sind gera­de aus Kuba zurück. Auch wir woll­ten mit der Hers­hey-Bahn fah­ren. Am End­hal­te­punkt in Casa­blan­ca gibt es zwar noch einen Fahr­plan, aber auf den z.T. über­wu­cher­ten Glei­sen kann nichts mehr fah­ren. Der Tipp in älte­ren Rei­se­füh­rern (bspw. Dumont) .… mit der Fäh­re rüber nach Casa­blan­ca und dort ein­stei­gen ist daher nicht mehr aktu­ell. Weißt Du, ob der über­haupt noch fährt und von wo?
    Auch das Eisen­bahn­mu­se­um im ehe­ma­li­gen Bahn­hof Chris­ti­na wird gera­de reno­viert .… und ist daher zz. nicht zu besich­ti­gen.
    Auf den Pla­ka­ten sieht der HBF von Havan­na ja toll aus. Mal sehen, wann er fer­tig ist.

    mfg Ralf

    • Wolfgang

      Hal­lo Ralf,
      dan­ke für Dei­nen Kom­men­tar. Ich habe kei­ne Ahnung, wie es um den Hers­hey Train der­zeit aus­sieht. Habe es selbst zwei­mal von Mat­anz­as aus ver­sucht in den letz­ten gut 2 Jah­ren und dort hieß es dann immer “tren can­ce­la­do”. In irgend­ei­nem Forum im Inter­net wur­de aber behaup­tet, der Zug wäre irgend­wann wie­der gefah­ren in den letz­ten Mona­ten, was ich aber kaum glau­ben mag ange­sichts eige­ner Erfah­run­gen und auch Dei­ner Infos nun. Nun ja, viel­leicht wer­de ich in die­sem Jahr noch ein­mal vor Ort sein, dann wer­de ich es mir sicher nicht neh­men las­sen, es noch­mals zu pro­bie­ren, also mal schau´n … 😉
      Vie­le Grü­ße,
      Wolf­gang

      • Veronika Pangritz

        Ich hät­te im Som­mer 2017 mit dem Hers­hey-Zug fah­ren kön­nen, war auch schon in Casa­blan­ca und hab dort die Aus­kunft erhal­ten, dass ich am kom­men­den Tag wie­der­kom­men kann, ein Ticket kau­fen und dann direkt von dort los­fah­ren kann. Es wäre an einem Frei­tag gewe­sen. Ich woll­te wegen Rum­ba nach Mat­anz­as. Lei­der war ich dann krank und hab die Rei­se nicht ange­tre­ten. Dann habe ich aber auch gehört, dass Irma, was direkt danach kam, sehr viel der Ober­lei­tun­gen zer­stört hat. Ich werd wei­ter nach­for­schen.

        • Wolfgang

          Oh, dan­ke für die Infos, Vero­ni­ka! 😉 Wie scha­de, dass es bei Dir nicht geklappt hat …

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