Sambia

South Luangwa National Park: Im Reich der wilden Tiere

Der South Luangwa National Park ist das bekannteste Tierschutzgebiet Sambias. Und eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete der Welt. Mein Ziel war die Marula Lodge in Mfuwe, wo sich auch der Haupteingang befindet. Safari muss nicht teuer sein, darum geht es. Und natürlich um viele wilde Tiere, die sich in ihrem natürlichen Lebensraum gezeigt haben.

Vor der Reise von Lusaka zum South Luangwa National Park hatte es auch kritische Stimmen gegeben, die mir von der Fahrt in den Osten Sambias abrieten. Zu beschwerlich sei die Busfahrt von Lusaka nach Mfuwe. Und um diese Jahreszeit seien im Südluangwa-Nationalpark, so der deutsche Name, ohnehin nicht viele Tiere zu sehen. Fahr lieber nach Livingstone und sieh Dir die Victoriafälle an, hieß es. Von dort käme ich dann auch schnell nach Botswana, wo ich viel mehr Tiere sehen könne.

Ein Sattelstorch in Südluangwa

Warum ich trotzdem zum South Luangwa National Park gefahren bin? Genau deswegen. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass gerade ein weiterer, beschwerlicher Weg oft mit den schönsten Erlebnissen belohnt wird. Und letztendlich gab es auch noch andere Meinungen.

Einer meiner neugierigen Nachbarn in Mfuwe

Busfahrt in den Osten Sambias

Abfahrt ist morgens um 5 Uhr, fast 12 Stunden wird die Fahrt dauern. Zunächst 570 km über die Great East Road bis Chipata, dann weiter nach Mfuwe. Ich habe einen Platz ganz vorn im Bus ergattert, mit der besten Sicht. Die frühe Abfahrtszeit, dazu die monotonen Fahrgeräusche: Schnell breitet sich Müdigkeit aus. Auch mir fallen immer wieder die Augen zu. Etwa drei Stunden sind vergangen, dann sind plötzlich alle wach. Ein Mann war aufgestanden, hatte angefangen zu predigen. Der Kerl steigert die Lautstärke seines Vortrags so lange, bis die Litanei in einem nervtötenden Geschrei endet. Dann ist endlich wieder Ruhe.

Wildhund im South Luangwa National Park, vom Aussterben bedroht

Zeitweise muss der Bus auf eine holprige Piste ausweichen. An der Straße wird noch gebaut. Kinder stehen gelegentlich am Straßenrand. Ich blicke in große, neugierige Augen. Einige der Kids lachen. Und winken. Auch Tiere kreuzen immer wieder die Fahrbahn. Können oft noch im letzten Moment ausweichen. Eine Ziege schafft es nicht rechtzeitig. Der Bus überrollt sie erbarmungslos. Ich muss schlucken, schaue zum Fahrer. Der zeigt keine Regung. Routine auf den Straßen Afrikas?

Gefährlicher Vegetarier

Begrüßung durch Hippos

Nach Ankunft in Mfuwe ein kurzer Anruf in der Marula Lodge und ich werde abgeholt. Bekomme mein Zimmer und eine erste Einweisung unter den Blicken neugieriger Affen. Das Gelände der Lodge liegt direkt am Luangwa, einem Nebenfluss des Sambesi. Schwimmen im Namensgeber des Nationalparks ist lebensgefährlich, erfahre ich. Klar, wer irgendwo in der Wildnis Afrikas in einen Fluss steigt, muss wohl mit dem Klammerbeutel gepudert sein. Plötzlich schallt ein lautes Schnaufen über dem Wasser. Flusspferde. Immer mehr Hippos stimmen nach und nach in das Konzert ein. Willkommen im South Lungwa National Park, willkommen im Reich der wilden Tiere!

Der König der Tiere hatte sich zunächst rar gemacht

Die schwerfälligen Flusspferde mit ihren kleinen Ohren sind zwar Vegetarier, können aber sehr aggressiv werden. Dazu wimmelt es im Luangwa River von Krokodilen. Braucht es mehr Gründe für das Schwimmtabu? Verhaltensregeln für mögliche Begegnungen mit Tieren auf dem Gelände der Lodge gibt es auch noch für mich. Vor allem Ruhe ist zu bewahren, etwa wenn ein Elefant auf einmal vor mir steht. Die Tiere könnten jederzeit über das Grundstück laufen, heißt es.

Haupteingang zum South Luangwa National Park

Der erste Game Drive

Am nächsten Morgen geht es das erste Mal durch den Park. Frühes Aufstehen ist angesagt, der Geländewagen startet um 6 Uhr. Afrikanische Wildhunde sind vom Aussterben bedroht, trotzdem begegnen wir als erstes einem Rudel dieser selten gewordenen Tiere. Sie sind sehr sozial, erläutert Guide David. Wie zum Beweis humpelt einer der Hunde, ist offenbar am Bein verletzt. Die anderen lassen ihn jedoch nicht im Stich. Immer wieder warten sie, bis er aufholt, dann läuft das Rudel gemeinsam weiter.

Zebras, Verwandte des Pferdes

Viele weitere Tiere sehe ich bereits bei der ersten Exkursion durch den Nationalpark. Allen Unkenrufen zum Trotz. Zebras und Elefanten. Dazu viele Kudus und Impalas, die hauptsächlich vorkommenden Antilopenarten. Antilopen sind Fast Food hier, sagt David und lacht. Also wie eine Filiale von McDonald’s im Tierreich von Südluangwa, wo fast jede Kreatur Teil der Nahrungskette ist. Fressen oder gefressen werden, darum geht es.

Antilopen, „Fast Food“ im Nationalpark

Auch wunderschöne, farbenfrohe Vögel sind immer wieder zu sehen. Die kommen im South Luangwa National Park beinahe ein wenig zu kurz, wenn man hauptsächlich nach Löwen, Leoparden oder Elefanten Ausschau hält.

Tolle Vögel gibt es zu sehen, so wie diese Gabelracke

Safari muss nicht teuer sein

Die Bezeichnung „Game Drive“ ist neu für mich. So bezeichnen sie hier Safaris mit dem Jeep. Um an Safaris teilzunehmen, kann man sich ja eigentlich dumm und dämlich zahlen. Tausende von Dollar oder Euro kann man locker dafür hinblättern. Gerade so, als ob man dafür andere Tiere sehen würde! Dass es auch anders geht, zeigt die Marula Lodge in Mfuwe. Dort bietet man Pakete an, in den Preisen sind neben Übernachtung zwei tägliche Game Drives enthalten. Um 6 Uhr morgens und um 15:30 Uhr nachmittags geht es für jeweils 4 Stunden durch den Nationalpark. Dazu gibt es drei Mahlzeiten und Getränke.

Nimmersatt aus der Familie der Störche

In konkreten Zahlen: Bei insgesamt 4 Übernachtungen habe ich $ 85 pro Tag bezahlt. Das ist ein mehr als fairer Preis für großartige Erlebnisse im South Luangwa National Park. Nicht enthalten sind die Gebühren für den Park. Die sind zusätzlich zu entrichten. Entsprechende Infos folgen am Ende dieses Berichts. „Backpackers welcome“ heißt es schon am Eingang zum Gelände der Lodge. Das gefällt, auch wenn ich mich selbst dieser Klientel nicht zurechne.

Immer wieder sind Elefanten zu sehen

Begegnung mit Leoparden

David liebt seinen Job. Mit Leidenschaft ist der Guide bei der Sache und weiß die Zeichen zu deuten, die auf die Spuren der Tiere führen. Und so finden wir auch den ersten Leoparden. Vögel kreisen über der Stelle, wo sich der Prädator aufhält. Durch ihre aufgeregten Alarmrufe werden die anderen Tiere gewarnt. Und dann erscheint die Katze, völlig unbeeindruckt kommt der Leopard aus dem Unterholz geschlichen. Das elegante Tier ignoriert uns, tut so, als wären wir überhaupt nicht vorhanden. Wem mag der konzentrierte Blick wohl gelten?

Wenige Meter entfernt schleicht der Leopard vorbei

Nächtlicher Besucher

Gegen Mitternacht höre ich ein Geräusch vor meiner Tür. Ein Flusspferd steht direkt vor mir, als ich die Tür öffne. Schaut mich kurz an und läuft dann ein paar Meter weiter. Um dort die Nahrungsaufnahme fortzusetzen. Ich hatte wohl beim nächtlichen Grasen gestört. Nachts steigen die schweren Tiere aus dem Fluss, während sie sich tagsüber kaum vom Wasser trennen können. Eine gemeinsame Vorliebe unter Verwandten? Zu denen werden nämlich die Wale gerechnet. Wer würde darauf kommen?

Tagsüber kaum aus dem Wasser zu kriegen, nachts direkt vor meiner Tür

Wo sind die Löwen im South Luangwa National Park?

Der letzte Tag ist angebrochen. Viele Tiere habe ich inzwischen schon gesehen. Und jedes Mal war es anders, nie langweilig. Auch das Wetter hatte seinen Teil dazu beigetragen, den Touren durch den South Luangwa Nationalpark immer neue Facetten verliehen. Mal war es sonnig, mal wolkig. Auch geregnet hatte es zweimal. Kurze heftige Schauer zum Ende der Regenzeit.

Löwenfamilie

Nur der König der Tiere hatte sich bisher rar gemacht. Drei Löwinnen am Abend zuvor, in der Ferne beim Pirschen durch das Gras. Das wars. Würde ich am letzten Tag noch Glück haben und die Tiere auch aus der Nähe sehen können?

Löwen am letzten Tag

David weiß wieder einmal, wo wir suchen müssen. Die großen Raubkatzen haben alle Viere von sich getreckt, liegen faul im Gebüsch. Vollkommen sorglos, vor wem sollten sich die Tiere auch fürchten? Viel zu sehen ist nicht, wir fahren zunächst weiter. David hat den richtigen Riecher. Als wir später wiederkommen, haben die beiden gerade ihren Nachmittagsschlaf beendet. Sitzen nun einträchtig nebeneinander. Einer der Burschen gähnt. Was für ein Gebiss!

Impalas, immer auf der Hut vor Löwen

Wie oft werden sich die gewaltigen Zähne schon in die Kehle von Antilopen, Zebras und anderen Tieren gebohrt haben? Der zweite Löwe reibt unterdessen den großen Kopf zärtlich am Haupt seines furchterregenden Kameraden. Gemächlich trotten die beiden anschließend von dannen. Auf zu neuen Abenteuern.

Abendstimmung im Nationalpark

Neue Abenteuer warten auch auf mich. Am nächsten Morgen sitze ich im Kleinbus nach Chipata, von dort wird es weiter nach Katete gehen. Gleich wird die Sonne am Horizont erscheinen. Und ein neuer Tag bricht an im South Luangwa Nationalpark. Es war die richtige Entscheidung, die weite Reise in den Osten Sambias anzutreten. In das Reich der wilden Tiere, denen ich hier so nah gewesen bin.

South Luangwa National Park: Infos & Tipps

Anreise von Lusaka nach Mfuwe: Der Bus von Jonda Bus Tours fährt offiziell um 4:30 Uhr, tatsächlich um 5:00 Uhr morgens ab Inter-City Bus Terminus. Dauer: Etwa 12 Stunden. Preis: 190 Kwatcha.

Unterkunft: Die Marula Lodge liegt fast unmittelbar am Haupteingang zum Nationalpark. Sie bietet Unterkünfte und Safaris, genannt Game Drives, zu erschwinglichen Preisen. Es gibt auch Dorms und Zelte. Weitere Unterkünfte finden sich auf der Website des Nationalparks.

Nationalpark: Eintrittsgebühr: $ 25 pro Tag. Für Selbstfahrer, Einheimische und Personen, die in Sambia arbeiten, gelten andere Beträge. Auf der Website von Zambia Tourism gibt es außerdem Infos zu saisonalen Besonderheiten. Weitere Informationen gibt es hier.

Alle Angaben: Stand April 2016

Autor, Reisereporter und Reiseblogger. Nachdem man ihn dazu gebracht hat, seine vorherige berufliche Karriere zu beenden (um das böse Wort Mobbing zu vermeiden), zieht es ihn hinaus in die Welt und er erzählt Geschichten von unterwegs.

11 Kommentare zu “South Luangwa National Park: Im Reich der wilden Tiere

  1. Die Fotos von den Nilpferden sind einfach grandios! Ich will auch welche sehen!!
    Wenn´s nach meiner Tochter geht, würde der nächste Urlaub nach Afrika gehen. Ok, wenn wir im Lotto gewinnen ist das die erste Reise, die ich buche! Bis dahin schaue ich mir gerne deine Fotos an!
    LG
    Martina

    • Ja, ich mag die Hippos auch. Die sind witzig. Aber halt auch nicht ungefährlich.
      Afrika muss übrigens nicht unbedingt teuer sein, Martina!
      Was Dich aber nicht vom Anschauen meiner Fotos abhalten soll … 😀

  2. Sehr informativ, danke! Ist die Anreise mit dem Bus die einzige Möglichkeit zur Lodge zu kommen? Für ältere Leute ja ein wenig beschwerlich ?

    • Gern, Heidi! 😉

      Nein, es gibt sicher weitere Möglichkeiten. Wobei es natürlich darauf ankommt, von wo … mit dem Taxi geht ja immer, von Chipata zum Beispiel. Und per Flugzeug geht grundsätzlich auch. Mfuwe verfügt über einen Flugplatz. Ich würde im Zweifelsfall bei Jenny und Mike, das sind die Betreiber der Marula Lodge, nachfragen!

      LG, Wolfgang

  3. Ich bin verliebt! Geniale Momente und tolle Fotos. Irgendwann werde ich auch mal Afrika bereisen. Allerdings befürchte ich, dass es mir dann wie mit Südamerika geht. Da bin ich nämlich die letzten 10 Jahre hängen geblieben 🙂
    Danke für das Teilen deiner Eindrücke!
    Bis bald,
    Sonja

    • Dankeschön, Sonja! 😉 Schön, dass ich Dich ein wenig inspirieren konnte … und Südamerika ist doch aber auch nett zum Hängenbleiben! 😀

  4. Hallo Wolfgang, wir reisen in zwei Wochen auch nach Sambia und statten der Marula Lodge einen Besuch ab. Dein Bericht steigert die Vorfreude noch ein kleines bisschen mehr!
    Tolle Bilder und ich muss mir überlegen, ob ich nachts bei Geräuschen vor die Türe gehe 🙂

    Mir ist aufgefallen, dass du den Bus Preis in Kwacha und die Safari in $ angibst. Zahlt man dann tatsächlich in den beiden verschiedenen Währungen und bekommt man dann auch beides am Automaten?
    LG Lisa

    • Oh, das ist ja toll, Lisa! Angst wollte ich mit meinen nächtlichen Erlebnissen aber niemandem machen. Im Gegenteil, für mich war es auch ein tolles Erlebnis, die dicken Tiere beim nächtlichen Grasen zu sehen. Wenn man sich ruhig verhält, passiert ja nichts. Die wollen doch nur in Ruhe futtern! 😉

      Zu den Währungen: Das Busticket zahlt man in Kwacha. Und den Preis für die Safaris etc. habe ich deswegen in $ angegeben, weil Marula den auch so kommuniziert. Man kann aber dort auch in Kwacha bezahlen. Kwacha bekommt man auch ausschließlich am Automaten, wobei ich nicht weiß, ob es in Mfuwe einen Geldautomaten gibt. Ich habe mir ohnehin angewöhnt, neben Kreditkarte auch immer eine ausreichende Bargeldreserve mitzuführen. Das heißt, neben der Landeswährung auch noch Euro und USD. Sicher ist sicher … 😉

      Auch mit etwas Abstand und inzwischen weiteren Erlebnissen in Botswana und Namibia sind die Erlebnisse im South Luangwa Nationalpark immer noch ein Highlight meiner aktuellen Afrikareise. Wünsche Euch ganz viel Spaß dort! 😀

      LG & Grüße auch an Jenny & Mike
      (und an Rohda, die Managerin, und an David, den Guide ebenfalls!),
      Wolfgang

      • Ganz lieben Dank für deine Antwort, das bringt ein bischen Licht ins Dunkel.

        Die Grüße werde ich ausrichten!

  5. Lieber Wolfgang,
    es war wunderschön im South Luangwa National Park und ganz besonders in der Marula Lodge.
    Alle haben sich über deine Grüße gefreut!
    Wir wurden auch tatsächlich von Hippos und Elefanten besucht.
    War ein einmaliges Erlebnis.
    LG Lisa

    • Das freut mich sehr zu hören, Lisa. 😉 Ich denke auch gerne an meinen Aufenthalt dort zurück. Wie lange wart Ihr denn in der Marula Lodge?
      Liebe Grüße (aktuell aus dem heimischen Hannover)
      Wolfgang

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