Elefant im Bush Camp Elephant Sands, Botswana.
Botswana

Elephant Sands: Unter Elefanten in Botswana

Ele­fan­ten in Bots­wa­na sehen, das war das Ziel der ers­ten Sta­ti­on im Nach­bar­land von Sam­bia. In Ele­phant Sands, einem Bush­camp, rund 250 km von der Gren­ze ent­fernt. Mit­ten in der unbe­rühr­ten Land­schaft zwi­schen Mak­ga­dik­ga­di-Salz­pfan­nen, Oka­van­go-Del­ta und Cho­be-Natio­nal­park. Geschich­ten über Ele­phant Sands und die Dick­häu­ter, die so gern mit­ten durch das Camp spa­zie­ren, hat­ten mich neu­gie­rig gemacht. 

Von Living­stone und den dor­ti­gen Vic­to­ria­fäl­len geht es per Sam­mel­ta­xi nach Kazun­gu­la im Süd­wes­ten Sam­bi­as. Dort ist die Fäh­re über den Sam­be­si die ein­zi­ge direk­te Ver­bin­dung nach Bots­wa­na. Nach kur­zer Über­fahrt sind die Ein­rei­se­for­ma­li­tä­ten schnell erle­digt. Jeden­falls bis zur abschlie­ßen­den Gepäck­kon­trol­le, die zwei Fla­schen Rot­wein zuta­ge för­dert. Wozu die flüs­si­gen Vor­rä­te in mei­nem Ruck­sack? In der Umge­bung von Ele­phant Sands wür­de es kei­ne Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten geben. Nata, der nächs­te Ort, ist mehr als 50 km entfernt.

Giraffen in Botswana
Giraf­fen im Wild­schutz­ge­biet nahe Ele­phant Sands

Für den süd­afri­ka­ni­schen Reben­saft ist eine geson­der­te Dekla­ra­ti­on erfor­der­lich. Und erst als das von mir sorg­fäl­tig aus­ge­füll­te For­mu­lar auf Nim­mer­wie­der­se­hen in einem Papier­sta­pel ver­schwin­det, ist der Weg nach Bots­wa­na end­gül­tig frei.

Südlicher Gelbschnabeltoko
Süd­li­cher Gelb­schna­bel­to­ko auf dem Gelän­de von Ele­phant Sands

Zügig geht es mit dem Bus wei­ter über die A33, die von Kasa­ne nach Nata führt. Kei­ne Sied­lung weit und breit. Es gibt kei­nen Grund für einen Stopp, das Land hier gehört vor allem den wil­den Tie­ren. Bots­wa­na, etwa so groß wie Frank­reich, ist mit gera­de ein­mal 2 Mil­lio­nen Ein­woh­nern einer der am dünns­ten besie­del­ten Staa­ten der Erde.

Endstation Ngwasha Gate

Dann aber doch ein Halt und es heißt aus­stei­gen. Ngwa­sha Gate ist ein Vete­ri­när-Kon­troll­punkt. Fahr­zeug sowie Schu­he der Insas­sen wer­den des­in­fi­ziert, für mich ist außer­dem End­sta­ti­on. Ein Anruf im Camp und man holt mich von dort ab. Es geht zunächst ein Stück wei­ter über die Stra­ße Rich­tung Nata, dann führt der letz­te Teil der Stre­cke über eine san­di­ge Pis­te direkt nach Ele­phant Sands.

Elefanten in Botswana
Immer wie­der kom­men Ele­fan­ten in das Camp

Die ers­te Info nach der Ankunft: Ele­fan­ten kämen tags­über zur­zeit nicht in das Bush­camp. Jetzt, unmit­tel­bar nach Ende der Regen­zeit fän­den sie auch anders­wo genü­gend Was­ser. Wie gut, dass die Dick­häu­ter das nicht gehört haben. Kei­ne Stun­de spä­ter trot­tet bereits das ers­te Tier gemäch­lich Rich­tung Was­ser­stel­le, die den Mit­tel­punkt von Ele­phant Sands bil­det. Um das Was­ser­loch her­um befin­den sich die Unter­künf­te, Zel­te und Hüt­ten, sowie der Restau­rant­be­reich. Zäu­ne gibt es nicht, wil­de Tie­re kön­nen sich jeder­zeit frei auf dem 16.000 Hekt­ar umfas­sen­den Gelän­de bewegen.

Elephant Sands
Mit Gui­de Frank unter­wegs am frü­hen Morgen

Morgendlicher Bush Walk

Noch vor Son­nen­auf­gang star­tet der mor­gend­li­che Bush Walk. Frank, der sach­kun­di­ge Gui­de, weiß vie­le span­nen­de Din­ge zu berich­ten. Und weist immer wie­der auf Spu­ren von Tie­ren oder auf inter­es­san­te Pflan­zen hin. Wäh­rend die lang­sam am Hori­zont auf­ge­hen­de Son­ne der mor­gend­li­chen Exkur­si­on einen beson­de­ren Reiz ver­leiht. Nur Tie­re las­sen sich nicht bli­cken. Kei­ne Ele­fan­ten in Bots­wa­na am frü­hen Mor­gen. Und auch kei­ne ande­ren Vier­bei­ner. Ob die noch schlafen?

Morgensonne in Botswsana
Mor­gen­son­ne in Botswsana

Game Drive: Tieren auf der Spur

CT 3 heißt das Wild­schutz­ge­biet, nicht weit von Ele­phant Sands. Ein­fach nur CT 3, was wohl eher ver­wal­tungs­tech­ni­schen Zwe­cken dient, als dass es Auf­nah­me in Rei­se­füh­rer fin­det. Was war hier frü­her los? Der Name des Weges, der durch das Gelän­de führt, spricht Bän­de: Hunter´s Road. Inzwi­schen haben Wild­hü­ter ein wach­sa­mes Auge und gejagt wird nicht mehr.

Zebras beim Sonnenuntergang
Zebras bei Sonnenuntergang

CT 3 ist auch das Ziel der nach­mit­täg­li­chen Jeep-Safa­ris oder Game Dri­ves, wie sie es nen­nen. Die­se Bezeich­nung ken­ne ich bereits aus Sam­bia, vom South Luang­wa Natio­nal­park.

Vie­le unter­schied­li­che Tie­re sind zu sehen. Hier eine Grup­pe Giraf­fen, dort ein paar Zebras. Sprung­ge­wal­ti­ge Anti­lo­pen machen bis­wei­len einen mäch­ti­gen Satz über den Weg, direkt vor unse­rem Wagen. Aber wer beob­ach­tet hier eigent­lich wen? Die klar bes­se­ren Augen haben jeden­falls die Tie­re, so viel ist sicher. Und für die ist es lebens­wich­tig, mög­li­che Angrei­fer recht­zei­tig zu entdecken.

Antilopen
Anti­lo­pen: Im Weit­sprung nicht zu schlagen

Auch Ele­fan­ten las­sen sich immer wie­der bli­cken. Meis­tens sind die Dick­häu­ter mit Fres­sen und Trin­ken beschäf­tigt. Oder sie gön­nen sich eine Erfri­schung: Den Rüs­sel rein ins Was­ser, anschlie­ßend das küh­le Nass über die graue, run­ze­li­ge Haut ihres impo­san­ten Kör­pers gespritzt. Well­ness bei Ele­fan­ten in Botswana.

Elefanten in Botswana
Erfri­schung oder Schlamm­schlacht, das ist hier die Frage

Buschbaby mit besonderen Vorlieben

Timon ist genau das Gegen­stück zu den schwe­ren Dick­häu­tern. Timon ist ein klei­ner Zwerg mit gro­ßen Ohren und neu­gie­ri­gen Augen. Ein Busch­ba­by, das von sei­ner Mut­ter ver­sto­ßen wur­de und das sie im Camp auf­ge­zo­gen haben. Eine beson­de­re Vor­lie­be hat der klei­ne Kerl für Scho­ko­la­de, die er bei pas­sen­der Gele­gen­heit gern irgend­wo stibitzt.

Buschbaby
Timon, Busch­ba­by mit spe­zi­el­len Vorlieben

Busch­ba­bies sind nacht­ak­ti­ve Tie­re. Tags­über ist der klei­ne Timon daher nicht zu sehen. Nach Ein­bruch der Dun­kel­heit sieht das anders aus. Ein Sprung vom Dach oder von einem Baum und schon sitzt er plötz­lich auf der Schul­ter. Gern nimmt er auch am Abend­essen teil und hüpft von Tisch zu Tisch. Manch­mal lan­det das put­zi­ge Kerl­chen dann direkt auf einem Tel­ler. Für ein Foto braucht es meh­re­re Ver­su­che. Timon und ich zusam­men auf einem Bild, das funk­tio­niert nicht. Bei mir ver­schwin­det der klei­ne Feucht­na­sen­af­fe gleich unter dem Shirt. Die Lösung: Ein weib­li­cher Aus­schnitt. Offen­sicht­lich eine wei­te­re Vorliebe.

Elefanten in Botswana
Was­ser­nach­schub: Ele­fan­ten sind dank­ba­re Abnehmer

Nachts unter Elefanten in Botswana

Mei­ne nächt­li­che Begeg­nung mit den Rüs­sel­tie­ren wer­de ich sicher nie ver­ges­sen. Zwi­schen mei­ner Her­ber­ge und mir ste­hen min­des­tens 15 Ele­fan­ten. Zuvor hat­te ich längst allein an der Bar geses­sen und gar nicht mit­be­kom­men, wie die Tie­re in das Camp gekom­men waren. Zu sehr war ich in die Arbeit am Lap­top ver­tieft. Nun ist es Zeit, schla­fen zu gehen und ich mache Anstal­ten, mit­ten durch die Her­de zu mar­schie­ren. Was natür­lich eine Schnaps­idee ist, die Reak­ti­on der Tie­re folgt post­wen­dend. Das Auf­stel­len der Ohren und das Schnau­ben der grö­ße­ren Vier­bei­ner sind ein­deu­ti­ge Warn­si­gna­le. Lang­sam tre­te den Rück­zug an. Und beob­ach­te die Dick­häu­ter aus siche­rer Ent­fer­nung. So lan­ge, bis sie irgend­wann von dan­nen zie­hen. Und der Weg ins Bett für mich frei ist.

Abendstimmung über Botswana
Abend­stim­mung

Männer mit Lizenz zum Töten

Kei­ne Fotos von den Wild­hü­tern im Wild­schutz­ge­biet CT 3 , dar­auf hat­te Gui­de Frank immer wie­der hin­ge­wie­sen. Die haben sogar die Lizenz zum Töten. Von Wil­de­rern wohl­ge­merkt. Am letz­ten Abend fah­ren wir noch ein­mal an ihrem Stütz­punkt vor­bei. Rohes Fleisch hängt dort dies­mal zum Trock­nen, durch­aus eine gebräuch­li­che Art der Kon­ser­vie­rung in Afri­ka. Von einem Ele­fan­ten, erklärt Frank. Moment, ich den­ke, die Män­ner schüt­zen die Tie­re? Wir hal­ten und erfah­ren, dass es einen Unfall gege­ben hat, einen Zusam­men­stoss mit einem LKW auf der A33. Der Fah­rer war unver­sehrt geblie­ben, aber den Ele­fan­ten hat es erwischt.

Einer von mehr als 100.000 Elefanten in Botswana
Einer der vie­len Ele­fan­ten in Botswana

Mehr als 100.000 Ele­fan­ten soll es in Bots­wa­na ins­ge­samt geben. In das Bush­camp kom­men sie wäh­rend der Tro­cken­zeit täg­lich sogar zu hun­der­ten. Eini­ge von ihnen habe ich wäh­rend mei­nes Auf­ent­halts in Ele­phant Sands gese­hen. Und dabei gelernt, dass es kei­ne gute Idee ist, den gro­ßen Tie­ren zu nahe zu kom­men. Auch nicht nachts nach eini­gen Glä­sern Rotwein.

überWolfgang Käseler

Autor, Reisereporter und Reiseblogger. Nachdem man ihn dazu gebracht hat, seine vorherige berufliche Karriere zu beenden (um das böse Wort Mobbing zu vermeiden), treibt ihn die Neugier hinaus in die Welt und er erzählt Geschichten von unterwegs.

4 Kommentare zu “Elephant Sands: Unter Elefanten in Botswana

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