Gibara, Kuba, an der Küste mit Blick auf Meer und Fischerboote.
Kuba

Gibara, Kubas bestgehütetes Geheimnis?

Aktua­li­siert am

Wenn ein Hur­ri­kan auf die Küs­te im Süd­os­ten Kubas trifft, flie­gen in Giba­ra die Dächer weg. Gut 30 km von der Pro­vinz­haupt­stadt Hol­guín ent­fernt liegt das Städt­chen, etwas abseits des übli­chen Tou­ris­ten­trails. Sonst eher ver­träumt, erwacht es ein­mal im Jahr, wenn im April ein inter­na­tio­na­les Film­fes­ti­val statt­fin­det. 

The Guar­di­an nennt Giba­ra „Cuba´s best kept secret“ und ein Sam­mel­ta­xi zu die­sem best­ge­hü­te­ten Geheim­nis ist in Hol­guín schnell gefun­den. Vor einer Tank­stel­le an der Stra­ße nach Giba­ra war­tet es bereits und ich bekom­me den Platz vor­ne neben dem Fah­rer. Die bei­den Män­ner, die dort schon sit­zen, wer­den statt­des­sen nach hin­ten beor­dert. Dass die­se bevor­zug­te Behand­lung in Ver­bin­dung zum Fahr­preis steht, soll­te mir jedoch erst spä­ter klar wer­den, zunächst ein­mal besteht kein Grund, irgend­et­was zu hin­ter­fra­gen. Ganz im Gegen­teil, ich bin doch gespannt auf Giba­ra. Und los geht die Fahrt an die Küs­te!

Gibara, Wrack vor der Küste
Bahía de Giba­ra: Wrack vor der Küs­te

Von Holguín nach Gibara

Durch das offe­ne Sei­ten­fens­ter des Old­ti­mers bläst mir der Fahrt­wind ins Gesicht und die drau­ßen vor­bei­zie­hen­de Land­schaft beschrie­be ein Rei­se­füh­rer sicher als “male­risch”. Gera­de­zu film­reif wirkt die Sze­ne­rie auf der Stre­cke zwi­schen Hol­guín und Giba­ra. Und ich habe den bes­ten Platz, sit­ze in der ers­ten Rei­he. Auch das Meer ist eini­ge Kilo­me­ter vor Giba­ra in der Fer­ne bereits zu sehen.

In den Straßen von Gibara
In den Stra­ßen von Giba­ra

“Vil­la Blan­ca de los Can­gre­jos” nen­nen sie Giba­ra. Und Can­gre­jos, also Krab­ben, ste­hen im Restau­rant auch auf der Spei­se­kar­te, wie sich spä­ter zei­gen soll­te. Aber war­um um alles in der Welt “wei­ßes Städt­chen”? Davon kann nun wirk­lich kei­ne Rede sein, stel­le ich gleich nach der Ankunft fest. Man­che Häu­ser sind bunt gestri­chen und von etli­chen der kolo­nia­len Fas­sa­den blät­tert längst die Far­be ab. Dort, wo es tat­säch­lich ein­mal weiß gewe­sen sein mag, domi­niert nun Grau oder Beige. Die See­luft im wil­den Osten Kubas wird sicher ihren Teil dazu bei­tra­gen. Nur schwer vor­stell­bar, dass Giba­ra ein­mal so strah­lend weiß gewe­sen ist, wie etwa die anda­lu­si­schen Pue­blos Blan­cos, Arcos de la Fron­te­ra oder Vejer de la Fron­te­ra.

Unterwegs in den Straßen von Gibara
Unter­wegs in den Stra­ßen von Giba­ra

Wenn in Gibara
die Dächer fliegen

Die Lage an der Küs­te macht den Ort anfäl­lig für die Gewal­ten der Natur. Manch­mal wird es stür­misch, 2008 etwa ist Hur­ri­kan Ike mit fast 200 Stun­den­ki­lo­me­tern auf die Küs­te zuge­rast und über Giba­ra hin­ge­fegt. Mit bis zu sie­ben Meter hohen Wel­len war das Meer­was­ser weit in den Ort ein­ge­drun­gen. Dage­gen ist auch Cami­lo Cien­fue­gos macht­los. Schwer bewaff­net steht der Coman­dan­te mit dem Rücken zum Meer. Direkt am Was­ser haben sie zu Ehren des bär­ti­gen Revo­lu­ti­ons­hel­den, 1959 ist er bei einem Flug­zeug­ab­sturz ums Leben gekom­men, ein Monu­ment auf­ge­stellt.

Denkmal zu Ehren von Camilo Cienfuegos an der Küste von Gibara
Denk­mal zu Ehren von Cami­lo Cien­fue­gos an der Küs­te von Giba­ra

Apri­cot­far­ben leuch­tet die Fas­sa­de des Hotels Ordoño Encan­to. Ich war neu­gie­rig auf das restau­rier­te Gebäu­de, das The Guar­di­an als “colo­ni­al gem” bezeich­net. Dort ein paar Tage zu ver­brin­gen statt wie üblich in einer Casa Par­ti­cu­lar, das war die ursprüng­li­che Idee. Als ich die Zim­mer­prei­se erfah­re, erle­digt sich der Traum vom kolo­nia­len Juwel jedoch abrupt. Dass es güns­ti­ger ist, vor­ab über Inter­net zu buchen, ler­ne ich noch und suche mir dann doch eine net­te Pri­vat­un­ter­kunft.

Francisco spricht Deutsch

Spä­ter tref­fe ich Fran­cis­co auf der Stra­ße. Es ist nir­gend­wo in Kuba ein Pro­blem, mit Leu­ten ins Gespräch zu kom­men. Die Men­schen sind sehr auf­ge­schlos­sen, was eher noch eine Unter­trei­bung ist. Und Fran­cis­co spricht sogar Deutsch, erstaun­lich gut sogar. Sein Leh­rer war sei­ner­zeit in der DDR, erfah­re ich, und von ihm hat er die Spra­che gelernt. Fran­cis­co ist 36 und nicht ver­hei­ra­tet. Er lie­be sei­ne Frei­heit, gesteht er.

Gibara Kuba, Blick von El Cuartelón
Blick über Giba­ra von El Cuar­telón, einer ehe­ma­li­gen spa­ni­schen Fes­tung

Fran­cis­co erzählt, die meis­ten Tou­ris­ten, die nach Giba­ra kom­men, mach­ten einen Aus­flug von Guard­ala­va­ca aus. Man erken­ne sie an ihren Arm­bän­dern, den untrüg­li­chen Erken­nungs­zei­chen von All-inclu­si­ve-Urlau­bern. Der typi­sche Ablauf einer sol­chen Visi­te: Besuch von Aus­sichts­punkt und Zigar­ren­fa­brik, anschlie­ßend irgend­wo etwas essen und das wars. Ratz­fatz sei­en die Besu­cher dann wie­der weg. Man­che von ihnen ver­teil­ten zuvor noch Süßig­kei­ten an Kin­der.

Gibara Kuba, Iglesia de San Fulgencio
Igle­sia de San Ful­gen­cio im Par­que Calix­to Gar­cía

Wie auf Bestel­lung erscheint eine klei­ne Grup­pe Tou­ris­ten. Einer von ihnen mar­schiert gera­de­wegs auf eine Frau mit ihrer klei­nen Toch­ter zu. Die bei­den sit­zen auf einer der Bän­ke im Par­que Calix­to Gar­cía, wo sogleich eine Tüte mit Süßig­kei­ten den Besit­zer wech­selt. Schnell wird noch, wie zum Beweis, ein Foto geschos­sen, und schon sind die Leu­te wie­der ver­schwun­den. Genau so, wie Fran­cis­co es zuvor beschrie­ben hat­te.

Jahreswechsel in Gibara

Der Jah­res­wech­sel steht an und mei­ne Gast­ge­ber haben mich zum Abend­essen ein­ge­la­den. Zu Sil­ves­ter gibt es Schwei­ne­bra­ten, Cer­do Asa­do ist das tra­di­tio­nel­le Gericht. Und bereits am frü­hen Mor­gen hat­ten sich unter das Krä­hen der Häh­ne ande­re Geräu­sche gemischt: das Quie­ken der Schwei­ne näm­lich, die das neue Jahr nicht erle­ben wür­den.

Gibara Kuba, Silvestervorbereitung
Sil­ves­ter­vor­be­rei­tung in Giba­ra: vie­le Schwei­ne erle­ben den Jah­res­wech­sel nicht

Beim Essen erfah­re ich eini­ges über die fami­liä­ren Ver­hält­nis­se. Von drei Söh­nen ist einer der Spröss­ling von Iri­na, mei­ner Gast­ge­be­rin, jedoch zusam­men mit einem ande­ren Mann. Der zwei­te ist der Fili­us ihres Gat­ten, wie­der­um mit einer ande­ren Frau. Nur der jüngs­te ist der gemein­sa­me Sohn. “Kom­pli­ziert?”, fra­gen sie. Ich lache, nein, kom­pli­ziert wir­ken sie nun gera­de nicht, eher ganz nor­mal, wie eine typisch kuba­ni­sche Fami­lie eben.

Gibara Kuba, Impressionen vom Malecón
Auch in Giba­ra gibt es einen Malecón

Als wir fer­tig sind mit essen, löst sich die Run­de schnell auf und jeder geht sei­nes Weges. Eini­ge Nach­barn kom­men dafür hin­zu und neh­men die Plät­ze ein, vom Cer­do Asa­do ist schließ­lich auch noch reich­lich da. Noch vor Mit­ter­nacht bin ich wie­der zurück in mei­ner Her­ber­ge. Im Ort ist auch zu Sil­ves­ter nicht viel mehr los als sonst, es ist fast wie ein ganz nor­ma­ler Abend. Bis auf den Schwei­ne­bra­ten im Kreis der Fami­lie.

Vor einem historischen Gebäude im kubanischen Gibara
Vor einem his­to­ri­schen Gebäu­de in Giba­ra

Gastronomie in Gibara

Eini­ge Pala­da­r­es, pri­vat geführ­te Restau­rants, gibt es natür­lich auch in Giba­ra. La Per­la del Nor­te ist mein Favo­rit, oft stei­ge ich dort zur Dach­ter­ras­se hin­auf. Um etwas zu essen, um einen lecke­ren Cock­tail zu trin­ken und um mit Reinie­ro zu plau­dern. Der arbei­tet hier und ver­rät, dass die Besit­zer des Hos­tal Los Her­ma­nos das Restau­rant erst vor sie­ben Mona­ten eröff­net haben. Deren Casa Par­ti­cu­lar befin­det sich eben­falls in der Cal­le Cespe­des, nur ein paar Häu­ser wei­ter, und genießt einen aus­ge­zeich­ne­ten Ruf.

Gibara, auf der Straße
Auf der Stra­ße in Giba­ra

Reinie­ro ist 44 und bereits zum vier­ten Mal ver­hei­ra­tet. Dass er schüch­tern sei, ver­rät er mir schmun­zelnd. Wenn ihn eine Frau inter­es­sie­re, schrei­be er Gedich­te für sie, fügt er ver­schmitzt lächelnd hin­zu. Und ich sol­le am Abend die Bate­ría Fer­nan­do VII auf­su­chen, dort wür­de ich schnell Kon­takt fin­den. Er selbst kön­ne lei­der nicht mit­kom­men, da er arbei­ten müs­se.

High Heels in Gibara

Die Gar­ni­son Fer­nan­do VII wur­de 1817 gebaut und nach der Revo­lu­ti­on restau­riert. In der klei­nen Fes­tung direkt am Meer befin­det sich inzwi­schen ein Ver­an­stal­tungs­zen­trum. Ich beher­zi­ge Reinie­ros Tipp und suche die Bate­ría noch am sel­ben Abend auf. Es gibt ein Show­pro­gramm und im Anschluss dar­an Musik aus der Kon­ser­ve. Der Open-Air-Bereich füllt sich zuse­hends und bald wird es wohl mit Tanz los­ge­hen, ver­mu­te ich. Aber weit gefehlt, vie­le der jun­gen Frau­en tra­gen High Heels und bewe­gen sich damit so unbe­hol­fen, dass an tan­zen über­haupt nicht zu den­ken ist. Nir­gend­wo sonst in Kuba habe ich so ein Ges­to­kel gese­hen. Wie die­ser Trend wohl aus­ge­rech­net ins eher abge­le­ge­ne Giba­ra gekom­men ist?

Gibara Kuba, koloniale Architektur am Parque Calixto Garcia
Kolo­nia­le Archi­tek­tur am Par­que Calix­to Gar­cía, der ursprüng­li­chen Pla­za de Armas

Von Gibara zur Playa Caletones

Meh­re­re Strän­de befin­den sich in der Nähe von Giba­ra. 17 km sind es bis zur Playa Cale­to­nes, ein Trip per Fahr­rad bie­tet sich also an. Mei­ne Gast­ge­be­rin Iri­na besorgt das Rad, es hat sogar eine Brem­se, was wahr­lich kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit ist in Kuba.

Gibara Kuba, Küstenimpressionen auf dem Weg zur Playa Caletones
Das Meer auf dem Weg zur Playa Cale­to­nes

Ich kom­me gut vor­an, obwohl der Weg mit Schlag­lö­chern über­sät ist. Die Küs­te ist fel­sig. Schroff und wild. Es gehört eini­ges an Phan­ta­sie dazu, sich vor­zu­stel­len, dass ein paar Kilo­me­ter wei­ter ein fei­ner Sand­strand auf mich war­tet. Nach etwa 10 km tre­te ich auf ein­mal ins Lee­re. Was ist pas­siert? Ket­te geris­sen? Nein, zum Glück nur abge­sprun­gen, stel­le ich erleich­tert fest. Schnell ist sie wie­der auf­ge­zo­gen und wei­ter gehts. Aber das Ding springt nun immer wie­der ab, alle paar Meter. So macht das kei­nen Sinn und ich beschlie­ße, den Rest des Weges zu schie­ben.

Küstenimpressionen vor Gibara, Kuba
An der Küs­te vor Giba­ra

Kubanische Pferde: zuverlässiger als Fahrräder

Kur­ze Zeit spä­ter über­ho­len zwei Män­ner mit einem Pfer­de­ge­spann. Sie wol­len mich mit­neh­men, haben aber eigent­lich gar kei­nen Platz. Aber wie heißt es nicht umsonst, “ever­ything is pos­si­ble in Cuba”. Ver­mut­lich hät­ten sie sogar noch wei­te­re Leu­te inklu­si­ve Fahr­rä­dern irgend­wie unter­ge­bracht. Brav trot­tet das Pferd sodann vor­an und bringt uns ganz gemäch­lich dem Ziel ent­ge­gen. Der Strand, die Playa Cale­to­nes, erweist sich anschlie­ßend als Sand­strei­fen mit einer Län­ge von etwa 50–60 Metern. Und nur eine Hand­voll Leu­te ver­liert sich hier. Ver­schmiert und ver­schwitzt, wie ich nach dem Schla­mas­sel mit dem Fahr­rad bin, genie­ße ich erst ein­mal ein erfri­schen­des Bad im Meer.

Gibara Kuba, Bus 728 fährt zwischen Gibara und Caletones
Bus 728 fährt zwi­schen Giba­ra und Cale­to­nes

Sogar etwas zu essen gibt es in Strand­nä­he. Als Restau­rant fun­giert eine ein­fa­che Holz­hüt­te und Fisch vom Grill und kal­tes Bier erwei­sen sich hier sogleich als gute Wahl. Zu klä­ren wäre nur noch, wie ich denn zurück nach Giba­ra kom­me. Das Fahr­rad zu schie­ben wäre doch eher die Ulti­ma Ratio, sofern es gar nicht ande­res geht.

Erst Bier, dann Bus

Der hilfs­be­rei­te Wirt beginnt, mein Rad mit einem Ham­mer zu bear­bei­ten. Hier ver­sagt jedoch das sprich­wört­li­che kuba­ni­sche Impro­vi­sa­ti­ons­ta­lent. Erwar­tungs­ge­mäß führt die Häm­me­rei zu nichts. Ver­such macht klug, wird sich der Mann womög­lich den­ken und dass in 2 Stun­den ein Bus fährt, fällt ihm schließ­lich noch ein. Das ist die Ret­tung für mich und die ver­blei­ben­de Zeit nut­ze ich für die wei­te­re Ver­kos­tung kuba­ni­schen Gers­ten­safts: Maya­be ist eine der Bier­sor­ten, die in der nahen Pro­vinz­haupt­stadt Hol­guín gebraut wer­den. Die Fahrt zurück nach Giba­ra wird spä­ter dann von mäch­ti­gem Geschep­per beglei­tet. Das klei­ne kas­ten­för­mi­ge Gefährt mit der Num­mer 728 hat offen­bar das drin­gen­de Bedürf­nis, kei­nes der vie­len Schlag­lö­cher aus­las­sen zu wol­len.

Gibara Kuba, Impressionen
Impres­sio­nen aus Giba­ra

Nach einer Woche geht es wie­der zurück nach Hol­guín. Erneut sit­ze ich vorn im Sam­mel­ta­xi, nur ist es dies­mal enger dort und nie­mand wird nach hin­ten beor­dert, um Platz für mich zu machen. Den tei­le ich mir statt­des­sen mit einer Frau und der Fahr­preis beträgt dafür nur 1 CUC. Auf der Hin­fahrt war es noch das vier­fa­che gewe­sen, einen ordent­li­chen “Tou­ris­ten­auf­schlag” hat­te ich also gezahlt, um zu “Kubas best­ge­hü­te­tem Geheim­nis” zu gelan­gen.

Gibara, Kuba: Impressionen von der Küste
Wer könn­te dem mari­ti­men Charme von Giba­ra wider­ste­hen?

Rückkehr nach einem Jahr

Ein Jahr spä­ter bin ich zurück in Giba­ra. Nur für ein paar Stun­den zwar, aber der Ort hat nichts von sei­nem Charme ver­lo­ren, das etwas raue mari­ti­me Flair fängt mich sogleich wie­der ein. Klar, dass auch ein Besuch mei­nes Lieb­lings­re­stau­rants La Per­la del Nor­te wie­der auf dem Pro­gramm steht, fri­scher Fisch und Mee­res­früch­te locken. Mehr Tou­ris­ten sind dies­mal unter­wegs, viel­leicht aber nur eine Moment­auf­nah­me. Denn ein Tran­stur-Bus sowie zwei far­ben­fro­he Old­ti­mer-Taxis haben die Leu­te gera­de abge­setzt. Für eini­ge Momen­te “authen­ti­sches Kuba” jen­seits des All-inclu­si­ve-Gesche­hens von Guard­ala­va­ca.

Gibara, Kuba. Eine alte Frau schaut neben der Zigarrenfabrik aus dem Fenster
Wer könn­te die­sem Foto­mo­tiv wider­ste­hen?

Neben der Zigar­ren­fa­brik schaut eine alte Frau inter­es­siert aus dem Fens­ter und muss sogleich als Foto­mo­tiv her­hal­ten, was sie gedul­dig lächelnd erträgt. Eini­ge der Hob­by­fo­to­gra­fen betrach­ten zufrie­den das Ergeb­nis ihres mit gewal­ti­gen Objek­ti­ven fest­ge­hal­te­nen Werks. Um anschlie­ßend wie­der in die war­ten­den Fahr­zeu­ge ein­zu­stei­gen, bereit für neue Ein­drü­cke, mög­li­cher­wei­se in Hol­guín. Dort­hin, also nach Hol­guín, geht es auch für mich zurück, aber vor­her erfah­re ich noch den tat­säch­li­chen Fahr­preis: es sind näm­lich nicht 4 CUC und auch nicht 1 CUC. 20 Kuba­ni­sche Pesos (CUP) kos­tet die ein­fa­che Fahrt per Máqui­na von Hol­guín nach Giba­ra – oder zurück.

Gibara – auf einen Blick

Von Holguín nach Gibara

Sam­mel­ta­xis, Máqui­nas (nicht zu ver­wech­seln mit Colec­tiv­os, den teu­re­ren Sam­mel­ta­xis für Tou­ris­ten), fah­ren vom zen­tra­len Hal­te­punkt auf der lin­ken Sei­te der Ave­ni­da Caji­gal. Fahr­preis: 20 Kuba­ni­sche Pesos (= 0,80 CUC). Es emp­fiehlt sich, ein Bici Taxi dort­hin zu neh­men, Preis vom Zen­trum Hol­guíns pro Per­son: 1 CUC.

Restauranttipp für Gibara

La Per­la del Nor­te (Face­book), Cal­le Cespe­des 18

Autor, Reisereporter und Reiseblogger. Nachdem man ihn dazu gebracht hat, seine vorherige berufliche Karriere zu beenden (um das böse Wort Mobbing zu vermeiden), treibt ihn die Neugier hinaus in die Welt und er erzählt Geschichten von unterwegs.

8 Kommentare zu “Gibara, Kubas bestgehütetes Geheimnis?

  1. Reinhart Goertz

    Hal­lo Wolf­gang, schö­ne Fotos und guter Bericht. Ich hat­te kürz­lich den Ort bei Goog­le Maps ent­deckt und bin sehr begeis­tert und neu­gie­rig, und hof­fe dass die Fotos nicht trü­gen. Bei Maps gibt es sogar ein 360 Grad – Foto, wirk­lich sehr hübsch! Gruß Rein­hart

    • Dan­ke für Dei­nen Kom­men­tar, Rein­hart! Ja, Giba­ra ist ein net­ter Ort. Jeden­falls dann, wenn man es etwas ruhi­ger und dafür authen­ti­scher mag. Du soll­test Giba­ra ein­mal “in echt” besu­chen! 😉
      Vie­le Grü­ße, Wolf­gang

  2. Wirk­lich toll geschrie­ben!

  3. Uwe Schmitz

    Wenigs­tens hast Du ein­mal gemerkt, wie Du über’n Tisch gezo­gen wur­dest! – immer­hin.
    Dabei liegt der Betrug bei einer 24fachen Über­teue­rung! Fast immer wenn Du CUC gezahlt hast, liegt der übli­che Preis bei pesos natio­nal! Egal ob mit colec­tiv­os, im Restau­rant, oder im Bus – ahnungs­lo­se Tou­ris­ten wer­den betro­gen und fin­den alles ganz toll!

    • Wolfgang

      Zum Wäh­rungs­the­ma “CUC vs. Mone­da Nacio­nal”: Das hat grund­sätz­lich erst ein­mal nichts mit “Tou­ris­ten­be­trug” zu tun. Denn mit Mone­da Nacio­nal, also dem Kuba­ni­schem Peso, wer­den ja vor allem staat­lich sub­ven­tio­nier­te Waren und Dienst­leis­tun­gen bezahlt, mit CUC alles ande­re. Es han­delt sich also um ein ori­gi­när kuba­ni­sches Pro­blem, was mei­ner Mei­nung nach schnell gelöst wer­den soll­te – vor­ran­gig im Sin­ne der Kuba­ner! Die Erwar­tungs­hal­tung, dass man als Tou­rist eigent­lich alles zum Mone­da Nacio­nal Kurs bekom­men müss­te, ist schlicht­weg falsch.

      Und naja, toll fin­de ich es sicher nicht, über den Tisch gezo­gen zu wer­den. 😀 Das ver­su­che ich schon zu ver­mei­den, über­all, wo ich bin. Aber es funk­tio­niert halt nicht immer. Gera­de dann, wenn man die “nor­ma­len” Prei­se nicht kennt.

      Vie­le Grü­ße,
      Wolf­gang

  4. Selina

    Hal­lo Wolf­gang,

    ich habe dei­nen Blog über Insta­gram gefun­den und bin gera­de dabei alle dei­ne wun­der­ba­ren Bei­trä­ge zu lesen. Ich bin wirk­lich begeis­tert wie du immer wie­der die pas­sen­den Wor­te fin­dest dei­ne Erleb­nis­se zu schil­dern. Es fühlt sich an, als wür­de ich selbst mit auf Rei­sen gehen. Groß­ar­ti­ge Arbeit!

    Auch wenn die­ser Bei­trag schon 3 Jah­re alt ist, möch­te ich dich doch auf etwas hin­wei­sen. Die Máqui­nas, die du immer mal wie­der als Alter­na­ti­ve zu den Collec­tiv­os erwähnst, dür­fen eigent­lich kei­ne Tou­ris­ten trans­por­ti­ern (mei­ne Schwie­ger­mut­ter ist Kuba­ne­rin und arbei­tet in der Behör­de, die u.a. die Taxi-Lizen­zen aus­stellt). Die wenigs­ten Taxi­fah­rer wer­den Nein sagen, es gibt schließ­lich extra Geld zu ver­die­nen und vie­le Tou­ris­ten sehen das als gute Metho­de um Geld zu spa­ren. Wirst du aber erwischt kann das vor allem für den Fah­rer schwer­wie­gen­de Kon­se­quen­zen haben (Ver­lust der Taxi-Lizenz ist nur das gerings­te Übel). Daher wür­de ich, vor allem auch um die Kuba­ner nicht in Schwie­rig­kei­ten zu brin­gen, nicht dazu raten sol­che nicht ganz lega­len Metho­den zu nut­zen. Jedes Land hat sei­ne Geset­ze, ob sie uns nun pas­sen oder nicht (gera­de in Kuba ein schwie­ri­ges The­ma, ich weiß). Aber wenn man dort zu Gast ist soll­te man sich dar­an hal­ten. Am bes­ten man bleibt auf offi­zi­el­len Pfa­den, damit bringt man nie­man­den (aus Ver­se­hen) in Schwie­rig­kei­ten.

    Trotz­dem vie­len Dank für dei­ne wirk­lich tol­len, authen­ti­schen und mit wun­der­ba­ren Bil­dern gespick­te Arti­kel. Ich wer­de ab jetzt immer mal wie­der vor­bei­kom­men

    • Wolfgang

      Hal­lo Seli­na,
      vie­len Dank für das tol­le Feed­back! Dar­über freue ich mich sehr … zusätz­lich auch des­we­gen, weil es Dich von Insta­gram auf mei­ne Web­site ver­schla­gen hat. Mit die­ser Platt­form ste­he ich seit eini­ger Zeit auf Kriegs­fuß, was schon zu län­ge­ren Pau­sen dort geführt hat, aber das ist ein ande­res The­ma … 😉

      Zu Dei­nem Hin­weis wegen der Nut­zung von Máqui­nas: Mir lie­gen bis­lang kei­ner­lei offi­zi­el­le Infos dazu vor, dass die­se Ver­kehrs­mit­tel aus­schließ­lich Kuba­nern vor­be­hal­ten sind. Fän­de ich auch selt­sam vor dem Hin­ter­grund, dass ich Stre­cken ken­ne (v.a. im Ori­en­te), auf denen Máqui­nas das ein­zi­ge Mit­tel dar­stel­len um von “A” nach “B” zu kom­men. Davon abge­se­hen grund­sätz­lich zum The­ma Gesetz: Nie­mand hier soll­te von mir erwar­ten, dass ich mich als (tem­po­rä­rer) Gast des Lan­des in spe­zi­fi­schen gesetz­li­chen Fra­gen aus­ken­ne. Außer­dem: Ich habe in mei­nem Leben gelernt, dass Ver­ant­wor­tung immer dort ange­sie­delt sein soll­te, wo sie ori­gi­när auch hin­ge­hört. D.h., wenn mich der Fah­rer einer Máqui­na mit­nimmt, obwohl er das nicht darf (mal ange­nom­men, das wäre in der Tat so), dann ist aus­schließ­lich er selbst ver­ant­wort­lich, nicht jedoch ich. Alles ande­re wäre, vor­sich­tig aus­ge­drückt, kuri­os.

      Wie der Zufall nun will, wer­de ich mor­gen von Mat­anz­as nach Havan­na fah­ren (via Máqui­na) und die­ses The­ma dabei ein­mal mehr auf den Prüf­stand stel­len kön­nen. Mal schau´n, was dabei her­aus­kommt! 😉 Eins fällt mir dazu noch ein: Schon oft ist das jewei­li­ge Gefährt, in dem ich saß, in Poli­zei­kon­trol­len gera­ten und natür­lich wur­de ich dabei auch als Tou­rist erkannt (lässt sich ja kaum ver­mei­den). Und nie gab es des­we­gen Pro­ble­me! Dass ich manch­mal beob­ach­ten konn­te, dass Schmier­geld­be­trä­ge wäh­rend der Kon­trol­le den Besit­zer gewech­selt haben, hat mit mei­ner Per­son ganz sicher nix zu tun, das dürf­te eher dazu die­nen, den Kon­troll­vor­gang als sol­chen “effi­zi­en­ter” zu gestal­ten bzw. den Poli­zis­ten am “Kuchen” teil­ha­ben zu las­sen (das The­ma Kor­rup­ti­on in Kuba dürf­te Dir bekannt sein). 😊

      Lie­be Grü­ße,
      Wolf­gang

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