Spanien

Arcos de la Frontera: weißes Dorf in spektakulärer Lage

Arcos de la Frontera ist eines der Pueblos Blancos, der weißen Dörfer Andalusiens. 1962 wurde die historische Altstadt von Arcos zum „Monumento histórico-artístico“ erklärt, als nationales kunsthistorisches Erbe unter Denkmalschutz gestellt. Zweimal habe ich Arcos de la Frontera besucht und in dem geschichtsträchtigen Ort nicht nur leckere kulinarische Köstlichkeiten probiert. 

An Orte, die ich bereits kenne, kehre ich normalerweise nicht zurück. Die Welt ist groß, zu viel neues gibt es zu entdecken. Manchmal aber gibt es Ausnahmen. Und eine davon ist Arcos de la Frontera, wo ich mich schon ein Jahr zuvor richtig wohl gefühlt hatte. Ähnlich wie es möglicherweise dem spanischen Dichter Jesús de las Cuevas gegangen ist, der sich überaus poetisch über Arcos geäußert hat:

„Wie eine Wolke, die ganz plötzlich am Rande des Felsens gefallen ist, weißes Delirium am Himmel.“

Blick auf Arcos de la Frontera

Zurück in Arcos de la Frontera

Ein Abstecher zurück ins Delirium, um beim Bild des Dichters zu bleiben, ist nicht schwer. Wieder war ich in Jerez de la Frontera gelandet, von wo es nur 30 km bis Arcos sind. Zwar sind Málaga und Sevilla die beliebteren Flughäfen Andalusiens, das Passagieraufkommen dort ist um ein vielfaches größer, die günstigsten Flüge in die südlichste Comunidad Autonoma Spaniens gehen jedoch nach Jerez. Es lohnt sich daher, nach entsprechenden Schnäppchen zu schauen.

In der Altstadt von Arcos

Gut eine halbe Stunde dauert die Fahrt. Es ist ein vertrautes Gefühl, fast ein wenig wie nach hause kommen, als der Bus nach Arcos de la Frontera hineinfährt. Der anschließende Weg vom Busbahnhof führt hinauf in die Altstadt, die hoch oben auf einem Felsplateau thront. Verwinkelte Gassen, erst steil ansteigend, dann wieder abfallend, führen durch den Casco Antiguo von Arcos.

Wiedersehen in Arcos

Eine Frau kommt mir auf der Straße entgegen und grüßt freundlich. Später, als ich wieder in der Taberna Jóvenes Flamenco sitze, erkenne ich sie, es war die Wirtin. Zuvor hatte ich das Hostal El Patio angesteuert. Es war ganz wie beim ersten Mal, Antonio, der freundliche Wirt, reicht als erstes wieder eine Flasche Wasser zur Begrüßung. Antonio spricht kein Englisch, bis auf wenige Brocken. Und ich spreche immer noch kein Spanisch, ebenfalls bis auf wenige Brocken. Es hat sich also nichts verändert. Nur heißer war es in Arcos de la Frontera im Jahr davor. Antonio hat wieder ein Zimmer für mich, allerdings nur für zwei Nächte, dann muss ich wechseln und mir eine andere Herberge suchen.

Abajo und Salmorejo cordobés in der Taberna Jóvenes Flamencos

In der Taberna Jovenes Flamenco gehört der Salmorejo cordobés zu meinen Favoriten. Eine kalte Tomatensuppe, ähnlich wie Gazpacho, jedoch dickflüssiger, mit Brot, Ei und Schinken. Knoblauch und kaltes Olivenöl runden das Geschmackserlebnis ab. Interessant ist auch Abajo, eine traditionelle Speise der Feldarbeiter. Aus Brot, Eiern und Spargel besteht dieses typische regionale Gericht, geschmacklich eine kräftige Angelegenheit mit einer kuchenähnlichen Konsistenz.

Eingang zur Iglesia San Pedro

Mehre hundert Jahre islamischer Herrschaft

Vor langer Zeit haben Phönizier, Griechen, Karthager, Römer und andere der Gegend ihren Stempel aufgedrückt. Die iberische Halbinsel war damals schon ein begehrtes Ziel. Seinerzeit hatten sich Invasionstruppen über die Meerenge vor Gibraltar aufgemacht, um den islamischen Herrschaftsbereich nach Europa auszudehnen. Afrika liegt ja quasi vor der Tür. Weiter südlich, vor Tarifa, sind sich Europa und der schwarze Kontinent am nächsten und die Straße von Gibraltar hat dort nur eine Breite von 14 km. Im Juli 711 kam es vor Arcos de la Frontera zum Showdown. Im heißesten Monat des Jahres besiegten 12.000 maurische Krieger am Río Guadalete die Truppen des westgotischen Anführers Roderich, worauf Arcos Teil des muslimischen Al-Andalus wurde.

Arcos de la Frontera von außen

Über 500 Jahre war Arcos danach fest in maurischer Hand, bevor es von den Christen zurückerobert wurde und anschließend direkt an der Grenze („de la Frontera“) zwischen christlichem und muslimischem Herrschaftsbereich lag. Die weißen Häuser, eine Mischung aus maurischer und europäisch-mittelalterlicher Architektur, sind noch heute Zeugen dieser Zeit.

Basílica Menor de Santa María de la Asunción

Sehenswerte Altstadt

Von der Altstadt aus kann man auf den Fluß, den Río Guadalete, hinunterblicken, an der Plaza del Cabildo, befindet sich ein beliebter Aussichtspunkt. Der Balcón de Arcos, die Aussichtsplattform, hängt direkt über der steilen Felswand, für Besucher mit Höhenangst ist das also eher nicht geeignet. Auch das Rathaus und die Basílica Menor de Santa María de la Asunción sowie das Hotel Parador Arcos de la Frontera sind hier zu finden. Ein Parkplatz bildet den Mittelpunkt des Platzes.

Am Río Guadalete

Es ist überhaupt ein Wunder, dass Autos in den schmalen Gassen der Altstadt fahren können. Das Quietschen der Reifen beim Abbiegen in die scharfen Kurven ist aber auch das einzig störende Geräusch in dem sonst eher verschlafenen Ort. Mein zweites Lieblingsrestaurant dort ist die Bar la Carcel. Champiñones gratinados und in Olivenöl gedünsteter Thunfisch sind hier meine Lieblingsspeisen.

Thunfisch in der Bar la Carcel

Exkursionen in die Umgebung

Mehrmals streife ich auch durch die Umgebung von Arcos, von wo sich eine ganz besondere Perspektive auf den Ort bietet. Außerdem gibt es Einblicke in die Flora und Fauna, Teile des Gemeindeareals liegen nämlich in den Naturschutzgebieten Paraje Natural de la Cola del Embalse de Arcos und Parque Natural de los Alcornocales. Auf andere Touristen treffe ich unterwegs nicht. Die meisten werden vermutlich gar nicht wissen, dass man Arcos de la Frontera problemlos umrunden kann, ebenerdig, am Fuße des steilen Plateaus. Etliche Besucher sind ohnehin Tagesgäste, denen daher sicher manches verborgen bleibt.

Blick in einen Innenhof

Als ich von einem dieser Fußmärsche zurückkehre, gerate ich in eine Prozession. Es ist Sonntag und mit solchen traditionellen Ereignissen muss man in Orten wie Arcos immer rechnen. Die Herberge hatte ich inzwischen gewechselt, war jetzt im Hostal San Marcos gelandet, ebenfalls eine gute Wahl und nur wenige Meter vom Hostal El Patio entfernt, wo nun alle Zimmer reserviert waren. Beides sind preisgünstige, empfehlenswerte Unterkünfte, betrieben von gastfreundlichen Einheimischen.

Sonntägliche Prozession in Arcos de la Frontera

Auf dem Weg in die Altstadt fällt ein Gebäude ins Auge. Arabische Schriftzeichen prangen am Eingangsbereich vom Babel, das ist der Name des Restaurants. Ein Erbe aus der Zeit der maurischen Herrschaft? Wohl kaum, das ist zu lange her. Drinnen ist es angenehm klimatisiert und das Bier gut gekühlt. Genau das richtige nach einer schweißtreibenden Exkursion in der Gegend rund um Arcos.

Kulinarische Alternative

Selbst Oscar stöhnt über die Temperaturen, während mir der spanische Wirt die Speisekarte zeigt, wo Tajines und Couscous, marokkanische Gerichte, dominieren. Jetzt will ich es genau wissen, was sind die Hintergründe? Die Lösung ist einfach, Oscars Frau stammt aus Marokko, wo die Liebe eben hinfällt. Und marokkanische Küche als Abwechslung zu spanischen Tapas ist das Ergebnis. Für mich ist es aber noch zu früh zum Essen. Und auch zu heiß, es sind jetzt, abends um halb neun, immer noch 34 Grad. Die Einheimischen essen deswegen erst ab 22 Uhr, das hatte ich längst gelernt.

Impressionen außerhalb von Arcos de la Frontera

Abschied von Arcos mit Tapas

Ich bleibe daher zunächst beim erfrischenden Bier. Und greife später dann doch noch einmal zu Tapas. Es ist der letzte Abend für mich in Arcos de la Frontera. Da passen Tapas besser als marokkanische Speisen. Auch wenn Marokko nicht weit ist. Und auch im Babel das Essen bestimmt lecker, davon bin ich überzeugt. Und eines ist sowieso klar, eine Liebesheirat zwischen einer Marokkanerin und einem Spanier ist ganz sicher die weitaus sympathischere Variante des Kontakts, verglichen mit den blutigen Schlachten, die sich hier vor hunderten von Jahren zugetragen haben.

Von Jerez de la Frontera nach Arcos

  • Vom Busbahnhof in Jerez (direkt neben dem Bahnhof) fahren täglich vier Busse nach Arcos, Fahrzeit: 30 Minuten (Fahrplan).

Tipps für Unterkünfte in Arcos de la Frontera

  • Hostal El Patio, Las Monjas, 4 (Homepage).
  • Hostal San Marcos, Calle Marqués de Torresoto, 6 (Homepage).

Restauranttipps für Arcos de la Frontera

Autor, Reisereporter und Reiseblogger. Nachdem man ihn dazu gebracht hat, seine vorherige berufliche Karriere zu beenden (um das böse Wort Mobbing zu vermeiden), treibt ihn die Neugier hinaus in die Welt und er erzählt Geschichten von unterwegs.

4 Kommentare zu “Arcos de la Frontera: weißes Dorf in spektakulärer Lage

  1. Wow, das ist wirklich ein wunderschöner Ort! Ich bin schwer begeistert : ) Dort möchte ich auf jeden Fall auch hin, wenn ich es mal nach Andalusien schaffe..
    Liebe Grüße,
    Ela

    • Hi Ela,
      ja, Arcos ist schön, keine Frage! 😉 Und es gibt in Andalusien noch soooo viel mehr … habe gerade jede Menge Tipps bekommen. Die Orte kannte ich größtenteils nicht einmal vom Namen her. Ich muss da auch unbedingt noch (mindestens!!!) einmal hin! 😀
      Liebe Grüße,
      Wolfgang

  2. Oh schön! Da will ich auch hin!

    • Nanu! Du warst da noch nicht? Dann aber nix wie hin … Du kannst da ja zu Fuß hinlaufen! Naja, fast jedenfalls … 😉

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