Santiago de Cuba. Radfahrer vor Wandmalerei.
Kuba

Übernachten in Casas Particulares: Kuba hautnah erleben?

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Hotel-Auf­ent­halt oder lie­ber in einer Casa Par­ti­cu­lar in Kuba über­nach­ten? Kei­ne Fra­ge, eine pri­va­te Unter­kunft sorgt für das authen­ti­sche­re Rei­se­er­leb­nis, doch wie fin­det man die Casas, wie bucht man sie und was kos­tet die Über­nach­tung? Neben Ant­wor­ten auf alle wesent­li­chen Fra­gen geht es um Erleb­nis­se auf der Grund­la­ge eige­ner, ganz unter­schied­li­cher Erfah­run­gen mit Casas Par­ti­cu­la­res und den Men­schen, die die­se pri­va­ten Pen­sio­nen in Kuba betrei­ben. 

Im Jahr 1997 erlaub­te die kuba­ni­sche Regie­rung Pri­vat­per­so­nen die Ver­mie­tung von Zim­mern und Appar­te­ments an Tou­ris­ten. Es war der Start­schuss für eine Art Bed ’n’ Bre­ak­fast à la Kuba, genannt Casa Par­ti­cu­lar oder ein­fach nur Casa. Etwa zur glei­chen Zeit ver­half das Musik­pro­jekt Buena Vis­ta Soci­al Club sei­nen Akteu­ren zu spä­tem Welt­ruhm, Künst­lern aus einer ande­ren Zeit, die bei­na­he schon in Ver­ges­sen­heit gera­ten waren. Und lie­fer­te gleich­zei­tig einen wesent­li­chen Bei­trag zum bis heu­te andau­ern­den Kuba-Hype.

Casa Particular, Kuba. Altes Auto. Junge Frau. Farben. Typisch Kuba?
Moment­auf­nah­me in den Stra­ßen von Havan­na

Casas Particulares, wichtig für Tourismus in Kuba

Im ver­gan­ge­nen Jahr, also 2016, wur­de der kari­bi­sche Insel­staat von 4 Mil­lio­nen Tou­ris­ten besucht. Und die Ten­denz ist wei­ter stei­gend, das Inter­es­se an Kuba-Rei­sen unge­bro­chen. Knapp 70.000 Hotel­zim­mer ste­hen der­zeit zur Ver­fü­gung, den pri­va­ten Her­ber­gen in Kuba kommt daher eine wesent­li­che Bedeu­tung zu, um den Ansturm, ins­be­son­de­re von Indi­vi­du­al­rei­sen­den, zu bewäl­ti­gen. Für Betrei­ber von Casas Par­ti­cu­la­res ein lukra­ti­ves Geschäft, vie­len beschert es statt­li­che Ein­künf­te.

Der Begriff – Casa Particular

In Kuba wird spa­nisch gespro­chen und Casa Par­ti­cu­lar ist ein femi­ni­nes Sub­stan­tiv, es heißt daher die Casa Par­ti­cu­lar sowie im Plu­ral die Casas Par­ti­cu­la­res (wenn meh­re­re gemeint sind). Bedeu­tung: Pri­vat­woh­nung, pri­va­tes Haus, Pri­vat­quar­tier, Pri­vat­zim­mer.

Auch der kuba­ni­sche Staat kas­siert natür­lich mit. Ich will es genau wis­sen und erfah­re in Bara­coa, dass ein Betrag zwi­schen 35 und 90 CUC, abhän­gig von der Anzahl der ver­mie­te­ten Zim­mer und ihrer Aus­las­tung, fix monat­lich zu zah­len ist. Zusätz­lich müs­sen 10 % von den tat­säch­li­chen Ein­nah­men abge­führt wer­den und am Jah­res­en­de wer­den noch ein­mal 16 % Steu­ern fäl­lig.

Casa Particular in Guardalavaca, Kuba, in der Nähe des Strands
Der kuba­ni­sche Traum? Moji­to am Strand mit Blick aufs Meer

“Blauer Anker” als Merkmal

Ein Schild mit einem anker­ähn­li­chen Sym­bol, blau auf wei­ßem Hin­ter­grund, ist das Kenn­zei­chen von Casas Par­ti­cu­la­res. Was es tat­säch­lich dar­stellt, bleibt ein Geheim­nis. Denn selbst kuba­ni­sche Casa-Besit­zer, die ich befra­ge, wis­sen nicht um die eigent­li­che Bedeu­tung. Dank der Beschil­de­rung ist es jeden­falls kein Pro­blem, die pri­va­ten Pen­sio­nen vor Ort aus­fin­dig zu machen, der unver­wech­sel­ba­re “blaue Anker”, er könn­te auch als Dach durch­ge­hen, weist den Weg. Es gilt jedoch, auf die Far­be zu ach­ten. Glei­che Schil­der mit rotem Sym­bol sind näm­lich eben­falls ein Hin­weis auf pri­va­te Her­ber­gen, die­se sind jedoch aus­schließ­lich Kuba­ne­rin­nen und Kuba­nern vor­be­hal­ten. Sie sind güns­ti­ger und haben eine ein­fa­che­re Aus­stat­tung. Und wer­den manch­mal auch stun­den­wei­se ver­mie­tet.

Casa Particular, Kuba. Schild für Cubanos und Extranjeros.
Eher eine Aus­nah­me: Casa Par­ti­cu­lar für Kuba­ner und für aus­län­di­sche Tou­ris­ten

Wie buche ich eine Casa Particular?

Casas Par­ti­cu­la­res kön­nen pro­blem­los direkt vor Ort gebucht wer­den, manch­mal weist sogar ein zusätz­li­ches Schild (“libre” oder “deso­cup­a­do”) auf freie Kapa­zi­tä­ten hin. Also klin­geln und die Räum­lich­kei­ten in Augen­schein neh­men. Und bei Gefal­len blei­ben oder aber wei­ter­schau­en. Wer es nicht gewohnt ist, indi­vi­du­ell zu rei­sen, wird mög­li­cher­wei­se den ver­meint­lich beque­me­ren Weg gehen. Eini­ge Casas sind näm­lich mitt­ler­wei­le auch auf ver­schie­de­nen Buchungs­platt­for­men im Inter­net zu fin­den, man­che etwa auch bei Airb­nb. Bei wei­tem jedoch nicht alle, denn Inter­net ist in Kuba immer noch Neu­land. Pro­vi­sio­nen locken jeden­falls, daher klin­ken sich Ver­mitt­ler gern in das lukra­ti­ve Geschäft mit den Casas Par­ti­cu­la­res ein, um sich ein Stück vom “Kuba-Kuchen” abzu­schnei­den. Man­che Casa-Besit­zer kön­nen übri­gens auch bei der Orga­ni­sa­ti­on der Rei­se hel­fen. Sie ver­fü­gen über ein ent­spre­chen­des Netz­werk und ver­mit­teln ihren Gäs­ten bei Bedarf direkt vor Ort eine Unter­kunft am nächs­ten Rei­se­ziel.

Was kostet die Übernachtung in einer Casa Particular?

Gewöhn­lich liegt der Preis für die Über­nach­tung in einer Casa Par­ti­cu­lar zwi­schen 20 und 25 CUC pro Unter­kunft. Ob es sich um ein Ein­zel-/Dop­pel- oder Mehr­bett­zim­mer han­delt, spielt dabei meist kei­ne Rol­le. Vor allem in von Tou­ris­ten weni­ger stark besuch­ten Orten kön­nen die Kos­ten auch nied­ri­ger lie­gen, etwa in Guan­tá­na­mo. Dort lässt sich eine Casa mög­li­cher­wei­se schon für 15 CUC fin­den, wäh­rend ins­be­son­de­re in Havan­na die Prei­se zum Teil höher als 25 CUC lie­gen.

Zimmer in Casa Particular in Holguín, Kuba.
Zim­mer in Casa Par­ti­cu­lar in Hol­guín

Jede Unter­kunft ver­fügt in der Regel über ein eige­nes Bad mit Warm­was­ser. Kli­ma­an­la­ge ist Stan­dard und zusätz­lich gibt es häu­fig auch noch einen Ven­ti­la­tor. Hand­tü­cher und Bett­wä­sche sind inklu­si­ve und oft ist ein Kühl­schrank ver­füg­bar. Ein Fern­seh­ge­rät ist in vie­len Fäl­len eben­falls vor­han­den. Davon abge­se­hen kön­nen die Zim­mer in der Casa Par­ti­cu­lar jedoch stark vari­ie­ren, man kann für glei­ches Geld sowohl einen ein­fa­chen Raum als auch ein kom­plet­tes Appar­te­ment, manch­mal mit Bal­kon oder Dach­ter­ras­se, bekom­men. Und ent­we­der gibt es einen sepa­ra­ten Ein­gang oder man spa­ziert mit­ten durch die Woh­nung der Ver­mie­ter, um sei­ne Räum­lich­kei­ten zu errei­chen. Das ist dann Kuba haut­nah.

Frühstück in Casa Particular in Kuba
Früh­stück in einer Casa Par­ti­cu­lar

Für die Ein­hei­mi­schen selbst ist es unty­pisch, Tou­ris­ten wird es in den Casas Par­ti­cu­la­res jedoch oft ange­bo­ten: ein reich­hal­ti­ges Früh­stück für 3–5 CUC. In man­chen Her­ber­gen sind zudem auch wei­te­re Mahl­zei­ten erhält­lich. Die meis­ten Casa-Betrei­ber kön­nen außer­dem Taxis orga­ni­sie­ren, etwa für die Abho­lung vom Flug­ha­fen oder die Fahrt dort­hin. Und natür­lich sind die Gast­ge­ber gera­de­zu prä­de­sti­niert dazu, Tipps und Aus­künf­te jeg­li­cher Art zu geben.

Casas Particulares zwischen Havanna und Baracoa

In ins­ge­samt neun Mona­ten habe ich 15 Orte in Kuba besucht, eini­ge davon mehr­fach. Dabei bin ich in 28 ver­schie­de­nen Casas abge­stie­gen und konn­te höchst unter­schied­li­che Erfah­run­gen sam­meln. Es folgt ein Aus­schnitt der Erleb­nis­se. Nicht reprä­sen­ta­tiv, denn hier geht es um High­lights, um Auf­fäl­lig­kei­ten im posi­ti­ven wie auch im nega­ti­ven Sinn. Und im abschlie­ßen­den Info­teil gibt es kon­kre­te Tipps und Tricks zum Umgang mit Casas Par­ti­cu­la­res in Kuba.

Casa Particular, Kuba. Oldtimer und Frau in Havanna.
Sze­ne auf kuba­ni­schen Stra­ßen

Erste Casa-Erfahrung in Matanzas

Die ver­schie­den­far­bi­gen Vor­hän­ge an der Wand ver­lei­hen mei­nem Zim­mer einen ganz indi­vi­du­el­len Charme. Der Kühl­schrank steht direkt neben dem beque­men Bett. Und sogar ein Föhn, auch wenn ich ihn nicht brau­che, ist im geräu­mi­gen Bad vor­han­den. Vor mei­nem Zim­mer blickt Che Gue­va­ra mit ent­schlos­se­nem Blick von einer Kom­mo­de. Das Por­trait des Rebells steht dort mit der glei­chen Selbst­ver­ständ­lich­keit wie der klei­ne grü­ne Baum aus Plas­tik ein paar Meter wei­ter. Weih­nach­ten steht bevor, wor­auf aller­dings in Kuba sonst nur wenig hin­deu­tet.

Casa Particular in Matanzas, Kuba. Abendstimmung über der Puente Calixto García
Abend­stim­mung über der Puen­te Calix­to Gar­cía in Mat­anz­as

Drau­ßen auf der Stra­ße knat­tern Autos vor­bei, die Abga­se alter sowje­ti­scher Ladas sowie US-ame­ri­ka­ni­scher Vehi­kel aus den 1950er-Jah­ren lie­gen in der Luft. Bien­ve­n­i­dos a Cuba! Mat­anz­as, knapp 40 km von der Tou­ris­ten­hoch­burg Vara­de­ro ent­fernt, ist für mich die ers­te Sta­ti­on, bevor es anschlie­ßend wei­ter Rich­tung Osten geht. Die Stadt wird auf Anhieb zu einem mei­ner Lieb­lings­or­te in Kuba und auch die hei­me­li­ge Her­ber­ge hat ihren Anteil an dem gelun­ge­nen Start. Dass ich spä­ter auch noch ande­re Erfah­run­gen mit Casas Par­ti­cu­la­res in Mat­anz­as machen soll­te, lässt sich zu die­sem Zeit­punkt nicht erah­nen.

Gibara: Silvester mit Familienanschluss

In Giba­ra hat­te ich zunächst mit einem Hotel­zim­mer gelieb­äu­gelt. Aus­nahms­wei­se. Eini­ge Quel­len über­schla­gen sich näm­lich mit Lob­prei­sun­gen für das Ordoño, das sich in einem präch­ti­gen kolo­nia­len Gebäu­de befin­det. Tat­säch­lich lan­de ich aber auch in dem ver­träum­ten Küs­ten­ort in einer Casa Par­ti­cu­lar. Dies­mal sogar mit eige­ner Dach­ter­ras­se. Der Jah­res­wech­sel steht kurz bevor und zu Sil­ves­ter laden mich mei­ne sym­pa­thi­schen Gast­ge­ber zum Essen ein. Schwei­ne­bra­ten gibt es. Natür­lich. Denn den lie­ben die Kuba­ner. Und bei der Gele­gen­heit erfah­re ich auch, dass ich der ers­te Gast der Casa über­haupt bin.

Casa Particular in Gibara, Kuba. Küstenimpressionen
Küs­ten­im­pres­sio­nen in Giba­ra mit ver­blas­sen­den Revo­lu­ti­ons­hel­den

Außer­dem bekom­me ich inter­es­san­te Ein­bli­cke in kuba­ni­sche Fami­li­en­ver­hält­nis­se. Etwa, dass die drei Jungs der Fami­lie jeweils unter­schied­li­che Eltern­paa­re haben, nur bei einem näm­lich han­delt es sich um den gemein­sa­men Sohn. Ein ande­rer Spröss­ling ist zwar das Kind mei­nes Gast­ge­bers, jedoch zusam­men mit einer ande­ren Frau. Und der drit­te im Bun­de schließ­lich ist der Fili­us der Wir­tin, aber wie­der­um mit einem ande­ren Mann. Auch das ist Kuba.

Wie zu Hause in Holguín

In die Pro­vinz­haupt­stadt Hol­guín keh­re ich oft zurück. Immer wie­der strei­fe ich den Ver­kehrs­kno­ten­punkt im kuba­ni­schen Osten und pla­ne auf der Durch­rei­se ein paar Tage Auf­ent­halt ein. So gut gefällt es mir dort, in der Stadt wie auch in mei­ner Unter­kunft. Das Ankom­men wird dabei schnell zum ver­trau­ten Ritu­al: das Abklat­schen der Jungs, die vor der Haus­tür Fuß­ball spie­len, zur Begrü­ßung der Wan­gen­kuss von mei­ner Gast­ge­be­rin Bea­triz. Und von mei­nem gemüt­li­chen Zim­mer aus schließ­lich der Blick aus dem Fens­ter. Über die Dächer von Hol­guín hin­weg bis hoch zur Loma de la Cruz, dem Aus­sichts­punkt über der Stadt. Jedes Mal ist es wie nach Hau­se kom­men. Ein gutes Gefühl. So gibt es nie einen Grund, nach einer ande­ren Casa Par­ti­cu­lar in Hol­guín zu schau­en.

Casa Particular in Holguín, Kuba.
Zim­mer in Hol­guín. Vom Bad geht es außer­dem auf den Bal­kon

Kubanische Kontraste in Moa

Der Nabel des kuba­ni­schen Tou­ris­mus ist das vom Nickel­berg­bau gepräg­te Moa sicher nicht. Jedoch liegt es auf der Stre­cke von Hol­guín nach Bara­coa, einem der belieb­tes­ten Rei­se­zie­le im Ori­en­te, daher machen auch hier immer wie­der Tou­ris­ten halt. Spe­zi­ell für Rei­sen­de, die mit dem Fahr­rad unter­wegs sind, ist die Indus­trie­stadt ein will­kom­me­nes Etap­pen­ziel. Von den drei vor­han­de­nen Pri­vat­pen­sio­nen, vor eini­gen Wochen ist noch eine vier­te Casa Par­ti­cu­lar in Moa hin­zu­ge­kom­men, ist die Casa Yesi­ca y Uldis mei­ne ers­te Anlauf­stel­le und es gibt nichts an den Räum­lich­kei­ten aus­zu­set­zen.

Casa Particular in Moa, Kuba. Emissionen des Nickelbergwerks Che Guevara.
Weit­hin sicht­bar: die Emis­sio­nen des Nickel­berg­werks Che Gue­va­ra in Moa

Auf­fäl­lig ist der Kon­trast zur unmit­tel­ba­ren Nach­bar­schaft, hier in Moa sticht er beson­ders ins Auge. Die neu­rei­chen Casa-Betrei­ber kön­nen sich schi­ckes Mobi­li­ar leis­ten, ein gro­ßes, moder­nes TV-Gerät, eine fet­te Musik­an­la­ge und eini­ges mehr. Zudem dre­hen sich die Gesprä­che vor­zugs­wei­se um eines: die nächs­ten Anschaf­fun­gen. Die Nach­barn hin­ge­gen leben teil­wei­se unter ein­fachs­ten Bedin­gun­gen, bereits flie­ßend Was­ser ist für vie­le ein nicht vor­han­de­nes Luxus­gut. Und auch die Fol­gen die­ses Klas­sen­un­ter­schieds sind deut­lich zu beob­ach­ten. Wäh­rend anders­wo die Tür für Freun­de und Bekann­te fast immer offen steht, bleibt das Tor zur Casa meist ver­schlos­sen. Peni­bel wacht Uldis dar­über, dass kein Besu­cher unge­be­ten ins Haus kommt und macht aus sei­ner Abnei­gung gegen­über Gäs­ten auch gar kei­nen Hehl.

Casa Particular in Moa, Kuba. Auf der Straße nach dem Regen.
Nach dem Regen in Moa

Ein­mal kommt ein Bekann­ter vor­bei. Ein Kana­di­er, der lan­ge in einem der Nickel­berg­wer­ke gear­bei­tet hat, und anschlie­ßend in Moa hän­gen­ge­blie­ben ist. Was er der 10-jäh­ri­gen Toch­ter mit­brin­gen kön­ne, fragt er. Als klei­ne Auf­merk­sam­keit, wenn er das nächs­te Mal zurück nach Kuba kom­me. Uldis muss nicht lan­ge über­le­gen, gern darf es das neu­es­te Smart­pho­ne-Modell sein. Lachend winkt der Kana­di­er ab und wech­selt das The­ma, ihm ist die­se Men­ta­li­tät nicht mehr fremd. Auch das ist Kuba. Eini­ge, die das Glück haben, am Wohl­stand zu schnup­pern, krie­gen den Hals nicht voll, wäh­rend ande­re wie­der­um täg­lich ums Über­le­ben kämp­fen. Ein Pro­zess, den der Tou­ris­mus noch unter­stützt, trägt er doch dazu bei, dass die Sche­re zwi­schen arm und reich immer wei­ter aus­ein­an­der­geht.

Casa Particular in Guantánamo. Ackerbau in der Nähe der Provinzhauptstadt Guantánamo.
Acker­bau in der Nähe von Guan­tá­na­mo

Misstrauen unter Nachbarn in Guantánamo

Nach Guan­tá­na­mo keh­re ich eben­falls mehr­fach zurück, nicht nur die Noche Guan­tan­ame­ra lockt mich immer wie­der in die sym­pa­thi­sche Stadt. Und auch hier fin­de ich auf Anhieb eine ange­neh­me Stamm­her­ber­ge. Nur ein­mal ist sie belegt, so heißt es aus­wei­chen und ich lan­de statt­des­sen in einer ande­ren Unter­kunft. Ein­fach zwar, aber ordent­lich, es gibt nur einen Haken: der Raum hat kein Fens­ter. Am Abend öff­ne ich daher die Tür, sie führt zum Innen­hof. Lan­ge dau­ert es jedoch nicht und mei­ne Gast­ge­be­rin sieht nach dem Rech­ten. Und macht mir klar, dass ich sie bes­ser schlie­ßen soll. Wegen der Nach­barn, die über den Zaun stei­gen könn­ten. Ich wun­de­re mich zwar, aber dann eben zu die Tür! Und spä­ter in der Nacht dann doch wie­der auf. Ich brau­che fri­sche Luft, die Nach­barn wer­den mich schon nicht mas­sa­krie­ren.

Casa Particular in Guantánamo, Kuba. Blick in das Zimmer.
Zim­mer in mei­ner Stam­mun­ter­kunft in Guan­tá­na­mo

Am nächs­ten Tag wasche ich eini­ge Klei­dungs­stü­cke, die ich zum Trock­nen anschlie­ßend im Hof auf­hän­ge. Als ich spä­ter nach Hau­se kom­me, ist die Wäsche ver­schwun­den. Nanu, waren das etwa die Nach­barn, die tat­säch­lich über den Zaun geklet­tert sind, um mei­ne Kla­mot­ten zu sti­bit­zen? Nein, mei­ne Gast­ge­be­rin hat die Sachen recht­zei­tig vor Ein­bruch der Dun­kel­heit in ihre Obhut genom­men. Auch das ist Kuba, tags­über ist man “ami­go” oder “mi amor” und nachts hat man Angst, von sei­nen “Freun­den” beklaut zu wer­den.

Eingesperrt in Puerto Padre

Gleich um die Ecke befin­det sich die Ufer­pro­me­na­de, der Malecón von Puer­to Pad­re. Und nach­dem auch die Begut­ach­tung von Zim­mer und dazu­ge­hö­ri­gem Bad einen makel­lo­sen Ein­druck ergibt, steht mei­ne Ent­schei­dung end­gül­tig fest: hier blei­be ich. Von Robin, mei­nem Gast­ge­ber, erhal­te ich zunächst einen Vor­trag über die ein­schlä­gi­gen Regu­la­ri­en. Näm­lich, dass mög­li­che Besu­cher bei ihm anzu­mel­den sind. Voll­kom­men egal, ob weib­lich oder männ­lich. Und auch egal, zu wel­cher Tages- oder Nacht­zeit. So weit, so gut, das weiß ich alles schon. Die Daten der Per­so­nen wer­den näm­lich unmit­tel­bar an die Behör­den wei­ter­ge­ge­ben, wobei bei Tages­be­su­chern die Ein­tra­gung in eine inof­fi­zi­el­le Klad­de aus­rei­chend ist. So sind die Vor­schrif­ten in Kuba, dem Über­wa­chungs­staat. Bei Nicht­be­fol­gen dro­hen dem Casa-Betrei­ber Lizenz­ent­zug und mög­li­cher­wei­se wei­te­re Stra­fen.

Casa Par­ti­cu­lar in Puer­to Pad­re: um die Ecke locken Meer und Malecón

Damit aber nicht genug. Zwar erhal­te ich einen Schlüs­sel für mein Zim­mer, nicht jedoch für die Haus­tür und muss daher klin­geln, wenn ich die Casa betre­ten will. Okay, nicht jeder Casa-Besit­zer hän­digt sei­nen Gäs­ten den Schlüs­sel aus, gänz­lich unge­wöhn­lich ist das so also nicht. Kuri­os ist jedoch, dass ich mich glei­cher­ma­ßen bemerk­bar machen muss, wenn ich das Haus ver­las­sen will. Eine wei­te­re Klin­gel befin­det sich zu die­sem Zweck näm­lich auch im Inne­ren. Wenn ich die­se betä­ti­ge, kommt Robin aus sei­nen pri­va­ten Räum­lich­kei­ten, die sind natür­lich eben­falls ver­schlos­sen, und lässt mich hin­aus. Das sei so alles zu mei­ner und zu sei­ner Sicher­heit, sagt er.

Wel­che Erfah­run­gen der Mann wohl gemacht hat, dass er zu sol­chen Maß­nah­men greift? Nur zwei Über­nach­tun­gen habe ich in der Casa Par­ti­cu­lar geplant. Hät­te ich die Absicht, län­ger in Puer­to Pad­re zu blei­ben, ich wür­de die Unter­kunft wech­seln. Denn wie soll man sich in einem sol­chen Gefäng­nis zu Hau­se füh­len?

Casa Particular in Guardalavaca. Impressionen vom Karibikstrand.
“See­hund” vor kari­bi­scher Kulis­se an der Playa Guard­ala­va­ca

In Guardalavaca platzt der karibische Traum

Vor allem als Ziel für All-inclu­si­ve-Tou­ris­ten ist Guard­ala­va­ca bekannt. Als Sehn­suchts­ort für ent­spann­ten Bade­ur­laub mit erfri­schen­den Moji­tos und ande­ren Annehm­lich­kei­ten. Erfreu­lich ist daher zunächst die Erkennt­nis, dass es neben Hotels auch eine ordent­li­che Aus­wahl an Casas Par­ti­cu­la­res für Indi­vi­du­al­rei­sen­de gibt. Lei­der jedoch ist der Traum von Sorg­lo­sig­keit und süßem Nichts­tun im kari­bi­schen Para­dies für mich schnell vor­bei, er platzt wie eine Sei­fen­bla­se.

Casa Particular in Guardalavaca, Kuba. Karibischer Strand mit Blick aufs Meer.
Die Far­ben des Mee­res in Guard­ala­va­ca vari­ie­ren zwi­schen Azur und Tür­kis

Gleich zwei­mal wird mei­ne kuba­ni­sche Freun­din von der ört­li­chen Poli­zei auf­ge­grif­fen. Ver­hei­ra­tet müss­ten wir sein, um kei­ne Pro­ble­me zu bekom­men, heißt es. Oder unse­re Zeit in einem der vor­wie­gend staat­li­chen All-inclu­si­ve-Hotels ver­brin­gen, das gin­ge auch. Nicht jedoch der gemein­sa­me Auf­ent­halt in der Casa Par­ti­cu­lar, deren Wir­tin wir ent­setzt zurück­las­sen. Aus­ge­rech­net in Guard­ala­va­ca zeigt Kuba ein ande­res Gesicht. Das auto­ri­tä­re Sys­tem offen­bart eine häss­li­che Frat­ze. “Sor­ry for my coun­try” heißt es sei­tens mei­nes Gast­ge­bers in Hol­guín spä­ter. Zu den Vor­fäl­len in Guard­ala­va­ca, vor allem aber zu dem, was in Bara­coa fol­gen soll­te. Denn die Geschich­te ist längst noch nicht zu Ende.

Casa Lucy in Baracoa: Betrüger als Betreiber

Eno­el Meren­cio Navar­ro ist ein gebil­de­ter Mann. Der Rechts­an­walt spricht meh­re­re Spra­chen und betreibt gemein­sam mit sei­ner Mut­ter die Casa Lucy in Bara­coa, ein gro­ßes kolo­nia­les Haus. Vom Rei­se­füh­rer Lone­ly Pla­net wird die Casa Par­ti­cu­lar emp­foh­len und bei Tri­pAd­vi­sor heimst sie posi­ti­ves Feed­back ein. Nach kuba­ni­schen Maß­stä­ben ist Eno­el ein rei­cher Mann, wie er selbst ein­ge­steht. Wer käme auf den Gedan­ken, dass sich hin­ter die­ser seriö­sen Fas­sa­de ein skru­pel­lo­ser Lüg­ner und Betrü­ger ver­birgt?

Casa Particular in Baracoa. Mirador Majayara: schönster Aussichtspunkt in Kuba.
Mira­dor Maja­ya­ra bei Bara­coa: einer der schöns­ten Aus­sichts­punk­te in Kuba

Eno­el Meren­cio Navar­ro wird mir als juris­ti­scher Bei­stand emp­foh­len und kas­siert viel Geld für ver­ein­bar­te Leis­tun­gen. Nach und nach stellt sich jedoch her­aus, dass alles, was er zu tun ver­sprach, erfun­den und erlo­gen ist, das ist die ernüch­tern­de Erkennt­nis. Dass er die meis­ten Details sogar in Emails doku­men­tiert, zeigt vor allem eines: der Mann ist sich sicher, dass er mit sei­nen Betrü­ge­rei­en durch­kommt. Zu guter Letzt bestiehlt er mich sogar, lässt Hygie­ne­ar­ti­kel und ande­re Sachen, die ich für mei­ne kuba­ni­sche Freun­din in Mexi­ko besorgt und ihm anver­traut hat­te, ver­schwin­den. Und macht sich nicht ein­mal die Mühe, eine halb­wegs plau­si­bel klin­gen­de Erklä­rung zu lie­fern.

Casa Particular in Baracoa. Impressionen von der Calle Antonio Maceo.
Bun­tes Bara­coa, hier in der Cal­le Anto­nio Maceo

Polizeiwillkür und Umgang mit Menschenrechten

Um mei­ne Freun­din geht es näm­lich, sie wird in Bara­coa zunächst sechs Tage bei der Poli­zei fest­ge­hal­ten. Wie eine Schwer­ver­bre­che­rin. Tat­säch­lich wird ihr wohl Pro­sti­tu­ti­on unter­stellt und die ist in Kuba ver­bo­ten. Wenigs­tens darf ich ihr Nah­rung und ande­re Din­ge des per­sön­li­chen Bedarfs brin­gen, bevor sie anschlie­ßend ins dor­ti­ge Gefäng­nis gesteckt wird. Die Gescheh­nis­se zuvor in Guard­ala­va­ca waren als War­nung zu ver­ste­hen, das wird erst jetzt klar. Und nun folgt die Bestra­fung. Zwei Jah­re Knast wegen “Beläs­ti­gung von Aus­län­dern”. In drei Fäl­len. Dass der “Beläs­tig­te” jedes Mal der der­sel­be ist, inter­es­siert dabei nicht, mit mir spricht die Poli­zei ja nicht ein­mal. In Hol­guín sagen sie spä­ter, dass dort so etwas nicht pas­siert wäre, in Bara­coa wür­den “ande­re Regeln” herr­schen. Poli­zei­li­che Will­kür in einem Land, in dem Men­schen­rech­te nicht viel gel­ten. Auch das ist Kuba wie ich fas­sungs­los erken­nen muss. Mehr als ein­mal ver­flu­che ich die­ses Land mit sei­nem ver­lo­ge­nen Sys­tem.

Wolfgang Käseler, Reiseblogger vom Reiseblog Groovy Planet, mit kubanischer Freundin in Baracoa, Kuba.
In der Casa de la Tro­va von Bara­coa, 2 Tage spä­ter wird mei­ne Freun­din ver­haf­tet

“Traue kei­nem Kuba­ner”, die Men­schen, die mir die­sen Rat geben, sind selbst Kuba­ner. “Und traue erst recht kei­nem Poli­zis­ten oder Rechts­an­walt” heißt es wei­ter. In die­sem Fall zu spät. Eno­el Meren­cio Navar­ro hat die cha­rak­ter­lo­se Hab­gier eines Men­schen offen­bart, der aus der Not­si­tua­ti­on eige­ner Lands­leu­te nie­der­träch­tig Kapi­tal schlägt. Dass der Rechts­an­walt zudem als Dol­met­scher für die ört­li­che Poli­zei arbei­tet und mir gera­ten wird, bes­ser nichts gegen ihn zu unter­neh­men, unter­streicht die Ver­stri­ckun­gen. Und als ich die Rück­ga­be mei­nes Eigen­tums for­de­re, bedroht mich Eno­el, der Betrei­ber der Casa Lucy, sogar. Das abge­le­ge­ne, von der Haupt­stadt Havan­na weit ent­fern­te Bara­coa im Osten Kubas erweist sich immer mehr als Sumpf aus Lügen und Betrü­ge­rei­en. Auch das ist Kuba. Jedoch eine Sei­te des Lan­des, die man als Tou­rist so nor­ma­ler­wei­se kaum ken­nen­lernt.

Casa Particular in Matanzas, Kuba. Pferdekutsche und Kabelgewirr in den Straßen.
In den Stra­ßen von Mat­anz­as

Zurück in Matanzas

Am Ende mei­ner ers­ten Kuba-Rei­se war ich noch ein­mal nach Mat­anz­as zurück­ge­kehrt. Ein Zwi­schen­stopp in der lieb­ge­won­ne­nen Stadt auf dem Weg nach Havan­na, dem letz­ten Ziel. Dies­mal lan­de ich in der Vil­la Soña­da, wo es zu einer Pre­miè­re kommt, denn erst­mals hat mein Zim­mer kein inte­grier­tes Bad. Das befin­det sich aber direkt gegen­über und Arman­do, mein Gast­ge­ber, ver­spricht “only for you”. Das Zim­mer selbst scheint sonst eher als Vor­rats­raum und Arbeits­zim­mer zu die­nen. Der Kühl­schrank ist näm­lich rand­voll gefüllt mit Eiern sowie tief­ge­fro­re­nem Fleisch. Und auf dem Tisch steht ein Com­pu­ter, an dem Arman­do noch eine Wei­le tätig ist, bevor er mir die Kam­mer end­gül­tig über­lässt.

Casa Particular in Matanzas, Kuba. Steinernes Mosaik mit Che Guevara als Motiv.
Mat­anz­as: Mosa­ik mit Abbil­dung des all­ge­gen­wär­ti­gen Che Gue­va­ra

In der Nacht muss ich die Tür öff­nen, zu sti­ckig ist es im Zim­mer, die Bude ver­fügt über kei­ne Frisch­luft­zu­fuhr. Anhand der Geräu­sche höre ich so zunächst, dass “mein” Bad auch von ande­ren genutzt wird, offen­bar von Arman­dos Fami­lie. “Only for you” war also eine “men­ti­ra”, etwas, das im kuba­ni­schen All­tag eine gro­ße Rol­le spielt. Lügen gehört qua­si zur kuba­ni­schen Kul­tur dazu, das habe ich oft erlebt. Arman­do selbst geht auch gele­gent­lich an mei­nem Zim­mer vor­bei und wirft einen Blick in den dämm­ri­gen Raum. Ange­sichts der Geräusch­ku­lis­se und der muf­fi­gen Luft ist an Schlaf kaum zu den­ken und irgend­wann mer­ke ich, dass jemand ins Zim­mer geschli­chen kommt. Ich las­se Arman­do, es han­delt sich um mei­nen Gast­ge­ber, zunächst eini­ge Schrit­te gewäh­ren, bevor ich ihn anspre­che. Wor­auf er etwas unde­fi­nier­ba­res mur­melt und den Rück­zug antritt.

Casa Particular in Matanzas, Kuba. Begebung mit freundlichen Menschen auf der Straße.
Begeg­nung in den Stra­ßen von Mat­anz­as

Die Nacht ist früh für mich vor­bei, kein Wun­der. Und da es kei­nen Grund gibt, län­ger zu ver­wei­len, mache ich mich sogleich auf, den ungast­li­chen Ort wie­der zu ver­las­sen. Stel­le Arman­do aber zunächst zur Rede, was er denn nachts in mei­nem Zim­mer woll­te. Nach­schau­en, ob ich da bin, lau­tet die bemer­kens­wer­te Erklä­rung des Man­nes, der mich zuvor noch höchst­per­sön­lich ins Haus gelas­sen hat­te. Und spä­ter ja auch mehr­fach an der offe­nen Tür “vor­bei­pa­troul­liert” war.

Natür­lich muss ich mich auch an die eige­ne Nase fas­sen, schließ­lich hat­te ich die sti­cki­ge Kam­mer all­zu leicht­fer­tig akzep­tiert. Hat­te die Freu­de dar­über, zurück in Mat­anz­as zu sein, etwa den Blick getrübt und mich über offen­sicht­li­che Nach­tei­le der Unter­kunft hin­weg­se­hen las­sen? Kaum glau­ben kann ich, was ich spä­ter bei Tri­pAd­vi­sor ent­de­cke. Die Vil­la Soña­da mit­samt ihrem son­der­ba­ren Betrei­ber Arman­do, dort lie­be­voll “Man­dy” genannt, wird veri­ta­bel abge­fei­ert, von begeis­ter­ten Gäs­ten in den höchs­ten Tönen gelobt. Für mich bedeu­tet die Nacht in der Vil­la Soña­da jeden­falls eines der skur­rils­ten Erleb­nis­se im Zusam­men­hang mit Casas Par­ti­cu­la­res in Kuba.

Casa Particular in Havanna, Kuba. Impressionen aus Centro Habana.
Impres­sio­nen aus Cen­tro Haba­na

Bettwanzen als “Souvenir”

Die Stra­ßen sind noch feucht bei mei­ner Ankunft in Havan­na. Es hat gera­de auf­ge­hört zu reg­nen und jeden Augen­blick kann es wie­der anfan­gen. Zudem wird die Dun­kel­heit gleich her­ein­bre­chen. Nicht die bes­ten Bedin­gun­gen, um in der noch frem­den Stadt nach einer Blei­be zu suchen. Ich klin­ge­le hier und dort, mal ist die Casa belegt, ein ande­res Mal der Preis zu hoch. Und man belehrt mich, dass es ohne­hin nicht mög­lich sei, ein Zim­mer um 25 CUC zu bekom­men. Nicht in die­ser Gegend und nicht um die­se Jah­res­zeit, heißt es.

Casa Particular in Havanna, Kuba. Meeresbrandung am Malecón.
Am Malecón von Havan­na

Trotz­dem blei­be ich in La Haba­na Vie­ja hän­gen und fin­de dort schließ­lich doch noch einen Raum für 25 CUC. Nur weni­ge Meter von der Cal­le Obis­po ent­fernt. Dass aus­ge­rech­net dort der größ­te Tou­ris­ten­zir­kus statt­fin­det, konn­te ich noch nicht wis­sen. Fünf Tage blei­ben mir, um von hier aus die Haupt­stadt zu erkun­den. Die Fol­gen der von mir gewähl­ten Unter­kunft soll­te ich aller­dings erst anschlie­ßend in Mexi­ko spü­ren: nächt­li­cher Juck­reiz, der mich fast in den Wahn­sinn treibt. Aus der düs­te­ren Hin­ter­stu­be in Havan­nas Alt­stadt expor­tie­re ich Bett­wan­zen, die mich noch ins­ge­samt vier Wochen ner­ven soll­ten und die ich erst nach der Heim­kehr in Deutsch­land los­wer­de.

Casa Particular in Havanna., Kuba. Impressionen vom Mercado San Rafael, Centro Habana.
Auf dem Mer­ca­do San Rafa­el in Cen­tro Haba­na

Noch einmal Havanna mit Glücksgriff

Ein­ein­halb Jah­re spä­ter bin ich wie­der in Havan­na. Inzwi­schen ken­ne ich die Stadt ein wenig, war zwi­schen­zeit­lich noch zwei wei­te­re Male vor Ort. Dies­mal zieht es mich auf direk­tem Weg nach Haba­na Cen­tro. Dem am dich­tes­ten besie­del­ten Teil der Haupt­stadt, dem Her­zen von Havan­na in Reich­wei­te vom Malecón, der Ufer­pro­me­na­de. Gelernt hat­te ich bereits, dass es nur weni­ge Zim­mer mit Fens­ter oder Bal­kon zur Stra­ße gibt. Genau danach steht mir aber der Sinn. Ich will eine Casa Par­ti­cu­lar, aus der ich hin­un­ter­schau­en kann auf die Stra­ße. Das Leben spü­ren und den Geruch der Stadt atmen. So strei­fe ich zunächst etwas her­um, bis der Zufall mich in die Arme von Ulys­ses treibt. Der ver­mie­tet zwar selbst Zim­mer, kann mei­ne Wün­sche jedoch nicht erfül­len. Aber er ver­spricht zu hel­fen. Ein Glücks­fall, denn der Mann kennt sich aus. Kein Wun­der, wir sind schließ­lich in sei­nem Revier.

Casa Particular in Centro Habana. Morgens vor dem Haus auf der Straße.
Cen­tro Haba­na: Mor­gend­li­che Ein­drü­cke beim Ver­las­sen des Hau­ses

Wenig spä­ter bin ich am Ziel mei­nes Begeh­rens. Die Casa in der Cal­le Nep­tu­no scheint nur auf mich zu war­ten. Ein rie­si­ges Apart­ment mit gro­ßem Schlaf­raum und sogar noch einem zusätz­li­chen Wohn­zim­mer. Und einem Bal­kon, von dem ich hin­un­ter auf die tags­über beleb­te Stra­ße bli­cke. Ich bin mit­ten­drin im Leben, genau so, wie ich es mir gewünscht hat­te. Die­se Casa Par­ti­cu­lar in Havan­na erweist sich zum Abschluss als wah­rer Glücks­griff.

Die Über­nach­tung kos­tet übri­gens genau so viel wie die in mei­ner ers­ten Her­ber­ge in der kuba­ni­schen Haupt­stadt. Die mit den Bett­wan­zen ein­ein­halb Jah­re zuvor. Ich erhal­te alle Schlüs­sel, kann kom­men und gehen wie es mir beliebt. Und ob ich Besu­cher mit­brin­ge, inter­es­siert hier auf ein­mal nie­man­den mehr. Auch das ist Kuba, aber auf ein­mal ganz anders. Ulys­ses fragt, ob mir sei­ne Hil­fe ein Getränk wert ist. Was für eine Fra­ge, in der nächs­ten Knei­pe spen­die­re ich zwei Run­den kuba­ni­sches Bier, gut gekühl­tes Buca­ne­ro.

Casa Particular in Havanna, Kuba. Blick vom Edificio Focsa.
Abend­stim­mung über Havan­na. Blick vom Edi­fi­cio Foc­sa

Fazit – Blick zurück

Wie lau­tet ein Fazit nach neun Mona­ten in kuba­ni­schen Pri­vat­quar­tie­ren? Über­wie­gen die nega­ti­ven Erleb­nis­se? Nein, das Gegen­teil ist der Fall. Zu 99 % waren die Men­schen freund­lich und hilfs­be­reit und ich habe mich in ihren Her­ber­gen wohl­ge­fühlt. Was ist dage­gen eine Nacht in der Vil­la Soña­da von Mat­anz­as mit ihrem eigen­ar­ti­gen Betrei­ber? Oder zwei wei­te­re in Puer­to Pad­re? Bei dem Mann, der sich eher wie ein Gefäng­nis­di­rek­tor auf­ge­führt hat. Kei­ne Fra­ge, auf die Bett­wan­zen in Havan­na hät­te ich gern ver­zich­tet. Ob es Zufall ist, dass es die dor­ti­ge Casa inzwi­schen nicht mehr gibt? Das Schild mit dem “blau­en Anker” ist jeden­falls ver­schwun­den. So, als wäre es nie da gewe­sen.

Einer jedoch fällt deut­lich aus der Rei­he: der Betrü­ger Eno­el aus Bara­coa. Mit sei­ner Casa Lucy als Hort kri­mi­nel­ler Machen­schaf­ten. Denn mit sei­ner Dreis­tig­keit wirft die­ser Gano­ve zu Unrecht ein schlech­tes Licht auch auf ande­re Gast­ge­ber von Casas Par­ti­cu­la­res. Und scha­det damit dem Tou­ris­mus in Kuba ins­ge­samt. Aller­dings ist es nur schwer vor­stell­bar, dass man den Mann sei­ne Unta­ten auch wei­ter­hin unge­straft ver­üben lässt. Obwohl es sich um Kuba han­delt, ein Land, in dem vie­les anders ist. Und man­ches nicht zu ver­ste­hen.

Casa Particular in Havanna. Impressionen aus den Straßen von Centro Habana.
In den Stra­ßen von Cen­tro Haba­na

Wohnen wie die Einheimischen?

Wie authen­tisch ist sie nun tat­säch­lich, die Über­nach­tung in Casas Par­ti­cu­la­res? Nimmt man so am ech­ten Leben teil, ist man qua­si ein Kuba­ner auf Zeit? Nein, sicher nicht. Die Pri­vat­zim­mer sind nach west­li­chem Stan­dard aus­ge­stat­tet, auf die Bedürf­nis­se der Tou­ris­ten aus­ge­rich­tet. Mit einem Kom­fort, der für vie­le Kuba­ner selbst uner­reich­bar ist, wäh­rend man als Tou­rist in einer Art Par­al­lel­welt lebt.

Will man das Land “rich­tig” ken­nen­ler­nen, muss man aus­bre­chen aus die­ser Bla­se. Wer das “ech­te” Kuba sucht, soll­te rei­sen wie die Ein­hei­mi­schen, mit Camión und Máqui­na, also mit LKW und Sam­mel­ta­xi, statt mit Via­zul-Bus. Und auch das Zug­fah­ren in Kuba ist ein ech­tes Aben­teu­er. Essen in Pala­da­r­es und Cafe­te­rías, wo die Ein­hei­mi­schen zu fin­den sind, und wo mit CUP (Mone­da Nacio­nal) bezahlt wird, gehört eben­falls dazu. Das Pri­vat­quar­tier ist jeden­falls eine gute Basis für sol­che Akti­vi­tä­ten. Und natür­lich alle­mal authen­ti­scher als die Unter­brin­gung in einem anony­men Hotel­zim­mer.

Casas Particulares – auf einen Blick

Buchung von Casas Par­ti­cu­la­res. Nur ein­mal habe ich selbst eine Unter­kunft vor­ab gebucht, es war die ers­te. Denn wer hat schon Lust, sich nach lan­gem Flug auf die Suche zu bege­ben, mög­li­cher­wei­se bei Ankunft in der Dun­kel­heit an einem noch unbe­kann­ten Ort? Sämt­li­che wei­te­ren Her­ber­gen habe ich direkt vor Ort aus­ge­wählt und damit die bes­ten Erfah­run­gen gemacht. Rei­sen­den, die das Land wirk­lich indi­vi­du­ell ken­nen­ler­nen möch­ten, emp­feh­le ich, es genau so zu machen.

Aus­wahl von Casas Par­ti­cu­la­res. In der Face­book-Grup­pe Ami­gos de Cuba wer­den Kon­takt­da­ten von Casas zusam­men­ge­tra­gen, die von den Mit­glie­dern emp­foh­len wer­den. Airb­nb bie­tet zudem eine ordent­li­che Aus­wahl zu ver­nünf­ti­gen Prei­sen. Auf­grund eige­ner Erfah­rung kann ich selbst außer­dem fol­gen­de Quar­tie­re emp­feh­len:

  • Hol­guín: Bea­tríz Suá­rez Esco­bar, Cal­le Miró #158, Mail: juan@hlg.onbc.cu
  • Guard­ala­va­ca: Vil­la Kar­la, Yuris­ma­rith Tama­yo Hernán­dez, Mail: yurismarith@nauta.cu, Tel. +53 52836614
  • Guan­tá­na­mo: Hos­tal Casa Nos­tra, Niyuris Pons Bos­que, Cal­le Pedro A Perez #1084, Mail: niyuris@nauta.cu, Tel. +53 53104646
  • Mat­anz­as: Hos­tal Rey, Cal­le Con­tre­ras #29014, Mail: amarilisromero@nauta.cu, Tel. +53 45294284
  • Havan­na: Home Sans, Cal­le Virtu­des #453, Mail: omorera@infomed.sld.cu, Tel. +53 53835245

Kos­ten für Über­nach­tung in Casas Par­ti­cu­la­res. Mit Blick auf die dor­ti­gen Ein­kom­mens- und Wirt­schafts­ver­hält­nis­se sowie im Ver­gleich zu ande­ren, bei Indi­vi­du­al­rei­sen­den belieb­ten Län­dern ist Kuba ein teu­res Rei­se­ziel. Was nicht ver­wun­dert, der Tou­ris­mus ist ein wich­ti­ger Wirt­schafts­fak­tor und das Land benö­tigt die Devi­sen, die durch die Besu­cher auf die Kari­bik­in­sel gespült wer­den. Ein Schnäpp­chen ist der Preis für die Über­nach­tung in Casas Par­ti­cu­la­res daher nicht. Mein Spar­tipp: wer län­ger als ein, zwei Über­nach­tun­gen plant und ins­be­son­de­re, wer allein reist, soll­te nach einem Preis­nach­lass fra­gen. Erfah­rungs­ge­mäß ist so eine Redu­zie­rung von zum Bei­spiel 25 CUC auf 20 CUC fast immer mög­lich (Hin­weis: 1 CUC = 1 US-Dol­lar). Lese­emp­feh­lung: wei­te­re Tipps zum The­ma Geld spa­ren und Kuba authen­tisch erle­ben sind bei A World Kalei­do­scope zu fin­den.

Essen in der Casa Par­ti­cu­lar. Früh­stück und wei­te­re Mahl­zei­ten wer­den in vie­len Casas ange­bo­ten. Mei­ne Emp­feh­lung: raus aus der Casa Par­ti­cu­lar und dort­hin gehen, wo die Ein­hei­mi­schen essen und trin­ken. Ein Früh­stück etwa kann man sich so preis­güns­tig zusam­men­stel­len und man ist / isst mit­ten­drin im “rich­ti­gen Leben”, Preis­bei­spie­le: klei­ner Kaf­fee für 1 CUP, Jugo (Frucht­saft) für 2–3 CUP, Bati­do (Smoothie/Milchshake) für 3–5 CUP und Pan (beleg­tes Brötchen/Weißbrot) für 5 CUP (Hin­weis: 1 CUC = 2425 CUP).

Lage: Ins­be­son­de­re bei grö­ße­ren Städ­ten ist es sinn­voll, sich vor­ab Gedan­ken über die gewünsch­te Lage zu machen. Bei­spie­le: in Havan­na bevor­zu­ge ich Cen­tro Haba­na, wäh­rend ich in San­tia­go de Cuba den Bar­rio El Tívo­li über der Trep­pe zur Cal­le Pad­re Pico für den inter­es­san­tes­ten Stand­ort hal­te. In Cien­fue­gos hat man die Wahl zwi­schen dem Stadt­kern und der attrak­ti­ven Lage auf der Pun­ta Gor­da etwas außer­halb.

Tar­je­ta: in der Regel wird sie bei der Ankunft aus­ge­hän­digt, falls nicht: nach­fra­gen! Nach einer Tar­je­ta, einer Visi­ten­kar­te der Casa Par­ti­cu­lar. Es kann mit­un­ter nütz­lich sein, die Adress- und Kon­takt­da­ten der Unter­kunft parat zu haben.

Autor, Reisereporter und Reiseblogger. Nachdem man ihn dazu gebracht hat, seine vorherige berufliche Karriere zu beenden (um das böse Wort Mobbing zu vermeiden), treibt ihn die Neugier hinaus in die Welt und er erzählt Geschichten von unterwegs.

16 Kommentare zu “Übernachten in Casas Particulares: Kuba hautnah erleben?

  1. Die kuba­ni­schen Behör­den “beschüt­zen” Tou­ris­ten vor Jineteras/Jineteros (ähn­lich Pro­sti­tu­ier­te), des­halb hat­te es dei­ne kuba­ni­sche Freun­din schwer, auch die Tat­sa­che, dass sie deut­lich jün­ger ist als Du, trägt zu die­sem Ver­dachts­mo­ment bei (was das Ver­hal­ten der Poli­zei natür­lich nicht ent­schul­digt).

    Ich war in der mehr­fach in der Casa Lucy, habe Noël ken­nen­ge­lernt und fand es super. Ein Freund ist dort fast jedes Jahr, seit über 15 Jah­ren.

    • Wolfgang

      Dan­ke für Dein Feed­back!

      Zur Casa Lucy: ich ver­ste­he bis heu­te, auch mit zeit­li­chem Abstand, nicht, was Eno­el, der eigent­lich einen intel­li­gen­ten Ein­druck macht, zu sei­nen betrü­ge­ri­schen Machen­schaf­ten ver­an­lasst – ins­be­son­de­re mit Blick auf die gut lau­fen­de und lan­ge eta­blier­te Casa Par­ti­cu­lar! Allein die Erwäh­nung der Casa Lucy bei Lone­ly Pla­net ist doch Gold wert und bringt regel­mä­ßig Besu­cher ins Haus.
      Auch wenn Eno­el ver­mut­lich glaubt, dass er dank sei­ner Ver­net­zung mit den Behör­den in Bara­coa dort nichts befürch­ten muss, setzt er ja zumin­dest den Ruf der Casa Lucy aufs Spiel! Die Geld­gier die­ses Man­nes, gepaart mit kri­mi­nel­ler Ener­gie, muss enorm sein …

  2. Ein sehr gut geschrie­be­ner und sehr infor­ma­ti­ver Arti­kel. Hab ich sehr ger­ne gele­sen!

    Lie­be Grü­ße,
    Peter aus Wien

  3. Ein wirk­lich infor­ma­ti­ver Arti­kel. Ich berei­se Kuba selbst seit 6 Jah­ren und bes­ser kann man die Casas nicht beschrei­ben. Hier fin­den alle, die Kuba auf eige­ne Faust berei­sen wol­len, wert­vol­le und zutref­fen­de Tips. Gross­ar­tig geschrie­ben!

  4. Ich hat­te 2015 in Bara­coa ein ähn­li­ches Erleb­nis. Mor­gens 7.00 Uhr klopf­te es hef­tig an die Tür und mei­ne Cuba­ne­rin durf­te auf die Wache und wur­de erst ein­mal belehrt, dass Pro­sti­tu­ti­on in Cuba ver­bo­ten ist und sie mög­li­cher­wei­se mit Haft zu rech­nen hät­te. Sie hat dar­auf­hin nach­ge­fragt ob das auch iner­halb der Ehe gilt, denn wir hat­ten beim ein­che­cken bereits ange­ge­ben: ver­hei­ra­tet. Sie leg­te dann unse­re Hei­rats­ur­kun­de auf den Tisch und durf­te gehen. Es ist rat­sam, die­ses Papier stän­dig mit­zu­füh­ren auch am Pun­to Con­trol zwi­schen San­tia­go und Sibo­ney wird fleis­sig schi­ka­niert, das­sel­be gilt beim Betre­ten des Stran­des von Sibo­ney .
    Trotz aller Unan­nehm­lich­kei­ten sei­tens der Behör­den las­se ich mir mei­nen Auf­ent­halt in Cuba nicht ver­mie­sen. Ich kom­me jedes Jahr gern wie­der her .
    Salu­do René

    • Wolfgang

      Hal­lo René,
      vie­len Dank für Dei­nen inter­es­san­ten Erfah­rungs­be­richt!
      Ja, Kuba ist schon ein span­nen­des Land, aber halt auch mit Vor­sicht zu genie­ßen …

      Dass so getan wird, als sei Pro­sti­tu­ti­on ver­bo­ten, ist natür­lich ein guter Witz, denn Pro­sti­tu­ti­on ist dort ja (fast) über­all und oft­mals auch mit Bil­li­gung der Poli­zei bzw. die Herr­schaf­ten ste­cken da sogar selbst mit drin. Ich habe genug gese­hen und gehört, um (jeden­falls ein biss­chen) zu wis­sen, wie es in Kuba läuft mit Kor­rup­ti­on etc. …

      Bit­ter ist jedoch, dass man selbst mit so etwas in Ver­bin­dung gebracht wird, obwohl man damit über­haupt nix zu tun hat, son­dern nur als Paar unge­stört sei­nen Auf­ent­halt genie­ßen möch­te. Und das habe ich dadurch eben auch gelernt (und Du bestä­tigst es ja): das ein­zi­ge wirk­sa­me Mit­tel gegen unlieb­sa­me Über­ra­schun­gen: man muss ver­hei­ra­tet sein.

      Grü­ße,
      Wolf­gang

      • Ich ken­ne Kuba seit fast 20 Jah­ren. Bara­coa ist bezüg­lich “Pro­sti­tu­ti­ons­ver­dacht” ziem­lich streng, aber eins gibt zu den­ken, wenn dei­ne Freun­din zu 2 Jah­ren Bes­se­rungs­an­stalt ver­ur­teilt wur­de, dann hat­te sie schon eine Vor­ge­schich­te. Wegen einem Kon­takt mit einem Aus­län­der gibt es in der Regel kei­ne Pro­ble­me. Erst bei wie­der­hol­ten Kon­tak­ten in kur­zen zeit­li­chen Abstän­den mit ver­schie­de­nen Extran­je­ros gibt es zunächst eine Adver­ten­cia (Ver­war­nung). erst bei der drit­ten Adver­ten­cia kann Inhaf­tie­rung erfol­gen. Aus nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den wird sie dir dies nicht auf die Nase bin­den und als Aus­län­der hast du auch kaum die Chan­ce auf Ein­blick in die Poli­zei­ak­ten.
        Gruß GuKo

        • Wolfgang

          Moin,
          ja, dass Bara­coa in der Hin­sicht streng ist, habe ich (lei­der zu spät) gemerkt. Dan­ke für die Anmer­kun­gen … genau drei­mal war es bei uns im Übri­gen doch der Fall, dass mei­ne Freun­din fest­ge­nom­men wur­de (zwei­mal ver­warnt und beim drit­ten Mal ver­ur­teilt). Das ers­te Mal in Guard­al­va­ca gab es ledig­lich ein Ver­hör und sie wur­de wie­der frei­ge­las­sen, das zwei­te Mal war erneut in Guard­ala­va­ca, dies­mal wur­de sie (angeb­lich aus Zeit­grün­den … das Ver­hör konn­te dies­mal erst am nächs­ten Mor­gen statt­fin­den) über Nacht fest­ge­hal­ten und dann frei­ge­las­sen. Und das drit­te Mal war dann in Bara­coa. Nach mei­nem Ver­ständ­nis war es für die Poli­zei dabei dann egal, dass es jedes­mal der­sel­be Extran­je­ro (= ich) war, mit dem zusam­men sie auf­ge­grif­fen wur­de. Nach mei­nem Emp­fin­den hat man jeden der drei Vor­gän­ge als ande­res / neu­es “Ver­ge­hen” gewer­tet. Aber Du hast natür­lich Recht, 100%ig kann ich das alles nicht durch­bli­cken, ich hat­te ja nicht ein­mal die Mög­lich­keit, mit der Poli­zei zu spre­chen …

          Grü­ße,
          Wolf­gang

  5. Vie­len Dank für dei­nen tol­len Bericht, jetzt bin ich schon viel bes­ser ein­ge­stellt auf unse­ren ers­ten Kuba-Besuch!
    Hast du noch Hin­wei­se zum Rei­sen mit einem Vor­schul­kind, gibt es da etwas zu beach­ten? …und was wur­de denn aus dei­ner Freun­din, muss sie tat­säch­lich zwei Jah­re im Gefäng­nis absit­zen?? Wie unvor­stell­bar aus unse­rer Sicht!
    Lie­ben Gruß – Nina

    • Wolfgang

      Hal­lo Nina,
      es freut mich, dass Dir mei­ne Aus­füh­run­gen gefal­len und hilf­reich sind! 😉 Zum The­ma Vor­schul­kind kann ich man­gels eige­ner Erfah­rung lei­der nichts sagen, außer, dass die Kubaner*innen grds. sehr kin­der­freund­lich sind.

      Zu der Ange­le­gen­heit mit mei­ner Freun­din: nein, kom­plet­te 2 Jah­re sind nicht abzu­sit­zen. Zum einen hat ein Gefäng­nis­jahr in Kuba, wie ich gelernt habe, nur 10 Mona­te, zum ande­ren gibt es – bei ent­spre­chen­der Füh­rung – Bewäh­rung. Davon abge­se­hen ist das gan­ze aber natür­lich unge­heu­er­lich und unvor­stell­bar, insb. wenn man Maß­stä­be eines Rechts­staa­tes wie bei uns anlegt.
      Lie­be Grü­ße,
      Wolf­gang

  6. Ylli Nikqi

    Hal­lo, ich möch­te nei­ne Freun­din in Kuba wie­der besu­chen, nun hast du uns Angst gemacht dass wir nicht ohne zu hei­ra­ten irgend­wo über­nach­ten dür­fen. Weißt du viel­leicht in wel­che Gegen­den es sicher ist ohne ver­hei­ra­tet zu sein ? Ich möch­te nicht dass sie ver­haf­tet wird und naja hei­ra­ten möch­te ich im Augen­blick auch nicht … könn­test du mir eini­ge Gegen­den oder Unter­künf­te bit­te nen­nen ? Dsrf man das in allen Hotels bzw. Hos­tels ?

    • Wolfgang

      Hey, Angst will ich mit mei­nen Erfah­run­gen nicht machen, letzt­lich haben die­se Erleb­nis­se jedoch gezeigt, dass wir sehr unvor­sich­tig waren. So, wie ich es ver­stan­den habe, soll­te es jeden­falls pro­blem­los mög­lich, sich zusam­men in All-inclu­si­ve-Hotels auf­zu­hal­ten. Und ansons­ten war es bei uns ja nicht der gemein­sa­me Auf­ent­halt in den Casas Par­ti­cu­la­res, der das Pro­blem war, son­dern das gemein­sa­me Bewe­gen in der Öffent­lich­keit, wobei das in Guard­ala­va­ca und in Bara­coa halt beson­ders ris­kant zu sein scheint. Einen all­ge­mein­gül­ti­gen Rat kann ich, vor allem auch ange­sichts der Will­kür, mit der die kuba­ni­sche Poli­zei han­delt, nicht geben. Viel Glück! 😉

      • du bewirkst echt viel … dan­ke für sol­che Infor­ma­tio­nen, denn das wis­sen vie­le in kuba auch nicht … ich wer­de einen Weg fin­den um mich ohne Risi­ko mit auf­hal­ten zu kön­nen … in Hotels in Havan­na ist es auch schön … ich dan­ke dir sehr

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