Loy Krathong in Rawai, Phuket.
Thailand

Loy Krathong in Phuket: Lichterfest in Rawai

Bei Voll­mond wer­den an Loy Kra­thong, dem thai­län­di­schen Lich­ter­fest, klei­ne Schiff­chen zu Was­ser gelas­sen, geschmückt mit Blu­men und Ker­zen. Sün­den und alles Schlech­te wer­den damit weg­ge­spült. Ver­lieb­ten, die das Ritu­al gemein­sam aus­füh­ren, winkt außer­dem die ewi­ge Lie­be. In ganz Thai­land wird das stim­mungs­vol­le Fes­ti­val gefei­ert – auch in Rawai, im Süden Phukets. 

Loy Kra­thong bedeu­tet so viel wie “schwim­men­des Floß”. Wäh­rend des Lich­ter­fes­tes wer­den die­se Kra­thongs, deko­riert mit Blu­men und bren­nen­den Ker­zen, in ganz Thai­land zu Was­ser gelas­sen. In Flüs­sen, Kanä­len und in Tei­chen. Oder im Meer. Sün­den und alles Unheil wer­den mit ihnen weg­ge­schwemmt. Ver­lieb­te, die ihre Schiff­chen in trau­ter Zwei­sam­keit aus­set­zen, hof­fen zudem auf die ewi­ge Lie­be. Eine Viel­zahl von Lich­tern sorgt bei Voll­mond für magi­sche Stim­mung, Loy Kra­thong ist sicher eines der schöns­ten und stim­mungs­volls­ten Fes­te in Thai­land überhaupt.

Loy Krathong in Rawai: Gebet, bevor das Schiffchen zu Wasser gelassen wird.
Loy Kra­thong in Rawai: Gebet, bevor das Schiff­chen zu Was­ser gelas­sen wird

Sei­nen Ursprung hat das thai­län­di­sche Lich­ter­fest in der ehe­ma­li­gen Haupt­stadt Suk­hot­hai, zurück bis ins 14. Jahr­hun­dert reicht sei­ne Ent­ste­hungs­ge­schich­te. Die eigent­li­chen Wur­zeln sol­len jedoch bei hin­du­is­ti­schen Ritua­len in Indi­en liegen.

Umweltbewusst Loy Krathong feiern

“Say NO to foam” heißt es am Nai Harn Lake anläss­lich des Loy-Kra­thong-Fes­ti­vals und das aus gutem Grund. Plas­tik und Sty­ro­por erfreu­en sich in Thai­land gro­ßer Beliebt­heit. Ins­be­son­de­re wenn es um Spei­sen und Geträn­ke geht, schei­nen die­se Ver­pa­ckungs­ma­te­ria­li­en unver­zicht­bar. Ich habe zwar stets einen Stoff­beu­tel dabei, für Obst­käu­fe oder ande­re Besor­gun­gen unter­wegs, mache aber trotz­dem die Erfah­rung: Ganz ohne Plas­tik geht es oft­mals doch nicht!

"Say NO to foam", Umweltschutz als Motto am Nai Harn Lake anlässlich des Lichterfestes Loy Krathong.
“Say NO to foam”, Loy-Kra­thong-Mot­to am Nai Harn Lake

Zu Loy Kra­thong jedoch soll­te es gelin­gen, anstel­le syn­the­ti­scher Stof­fe auf pflanz­li­ches Mate­ri­al zu set­zen. Ein Blick “hin­ter die Kulis­sen” der Ver­kaufs­stän­de bestä­tigt: Umwelt­schäd­li­ches lässt sich bei den Kra­thongs am Nai Harn Lake tat­säch­lich nicht ent­de­cken. Auch Coro­na ist natür­lich The­ma in die­sem Jahr: Mas­ken­tra­gen und Abstand­hal­ten sind ange­sagt. Bei vie­len Men­schen sind die Beden­ken jedoch so groß, dass sie wegen COVID-19 auf die Teil­nah­me an den Fest­lich­kei­ten ganz ver­zich­ten, so das Ergeb­nis einer Umfra­ge.

Loy Krathong in Rawai, Phuket: Verkauf selbstgebastelter Krathongs als zusätzliche Einnahmequelle.
Ein­nah­me­quel­le beim Lich­ter­fest: Ver­kauf selbst­ge­bas­tel­ter Krathongs

Phukets attraktiver Süden: Dschungel, Wildlife und Aussichtspunkte

Manch­mal reckt sich ein Kopf aus dem Was­ser des Sees, der ein­ge­bet­tet ist in eine hüge­li­ge grü­ne Land­schaft – Loch Ness lässt grü­ßen. Mit dem Unter­schied, dass sich das “Unge­heu­er” vom Nai Harn Lake schnell als Waran iden­ti­fi­zie­ren lässt. Hoch oben am Him­mel krei­sen gro­ße Greif­vö­gel und im nahen Dschun­gel sind Schlan­gen und ande­re Tie­re zu Hau­se. Nur weni­ge Meter sind es zudem bis zum Strand glei­chen Namens, dem Nai Harn Beach. Ein Tem­pel befin­det sich noch zwi­schen See und Strand – der Wat Nai Harn ist das spi­ri­tu­el­le Zen­trum der Gegend.

Blick auf den Nai Harn Lake im Süden Phukets.
Blick auf den Nai Harn Lake im Süden Phukets

Bei Ein­hei­mi­schen und Expats glei­cher­ma­ßen beliebt für Sport- und Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten ist das Are­al rund um den See. Qua­si “um die Ecke” befin­den sich wei­te­re inter­es­san­te Orte, von den Aus­sichts­punk­ten Wind­mill View­point und Prom­thep Cape bie­ten sich span­nen­de Per­spek­ti­ven im attrak­ti­ven Süden Phukets.

Loy Krathong am Nai Harn Lake

Ein Fest in Thai­land ohne typi­sches Street Food? Undenk­bar! Auch auf der Insel im Nai Harn Lake reiht sich ein Stand an den nächs­ten. Hier, am Ort des Loy-Kra­thong-Gesche­hens, wer­den die übli­chen Spie­ße mit Huhn, Fleisch oder Mee­res­früch­ten feil­ge­bo­ten, es gibt Würs­te (“The ori­gi­nal Thai Style Sau­sa­ge”), Nudel­ge­rich­te und vie­les ande­re mehr. Auch gerös­te­te Insek­ten erspä­he ich – es lebe das thai­län­di­sche Kli­schee! Dazu Bier, prak­ti­scher­wei­se gleich liter­wei­se, im Zapf­turm für den beque­men Trink­ge­nuss am eige­nen Tisch, auch ein mobi­ler Cock­tail­ser­vice steht bereit. Für Speis und Trank ist also gesorgt, ein biss­chen herrscht Volks­fest­stim­mung zu Loy Kra­thong in Rawai.

Loy-Krathong-Impressionen in Rawai, am Nai Harn Lake.
Loy-Kra­thong-Impres­sio­nen vom Nai Harn Lake

Von einem Steg wer­den, nach stil­lem Gebet, die klei­nen Flö­ße ins Was­ser gesetzt. Ein Ort der Ruhe und Besinn­lich­keit also? Mit­nich­ten! Es ist unru­hig und laut, Rus­sisch ist am frü­hen Abend die vor­herr­schen­de Spra­che. Kin­der toben her­um, stö­ren immer wie­der die Leu­te beim andäch­ti­gen Ritu­al. Nicht allen Besu­chern scheint klar zu sein, dass es sich bei Loy Kra­thong nicht um ein Tou­ris­ten­spek­ta­kel han­delt, son­dern um eine spi­ri­tu­el­le Fei­er­lich­keit. Aber viel­leicht sieht es ja spä­ter anders aus. Noch ist es früh – anschlie­ßend soll­te ich näm­lich ler­nen, dass sich vie­le Thai­län­der erst spä­ter am Abend ans Was­ser begeben.

Rawai Pier, kurz vor dem großen Regen.
Rawai Pier kurz vor dem gro­ßen Regen

Loy Krathong am Rawai Pier

Orts­wech­sel. An ande­rer Stel­le hat­te ich mir inzwi­schen einen abend­li­chen Imbiss gegönnt. Und mit Loy Kra­thong eigent­lich schon abge­schlos­sen. Fol­ge nun aber dem Rat, mich noch zum Rawai Pier zu bege­ben, am öst­li­chen Ende des gleich­na­mi­gen Stran­des. Vom See also ans Meer, vom Wes­ten des süd­li­chen Phu­ket-Zip­fels auf die ande­re Sei­te, an einen wei­te­ren Loy-Kra­thong-Schau­platz. Cha­rak­te­ris­tisch für den Rawai Beach sind die Fischer­boo­te, die vor der Küs­te düm­peln. Und auch der Sea­food Mar­ket, unmit­tel­bar neben dem lan­gen Pier, der ein belieb­tes Tou­ris­ten­ziel ist.

Kleine Loy-Krathong-Besucher am Rawai Pier in Phuket.
Klei­ne Loy-Kra­thong-Besu­cher am Rawai Pier

Die Kin­der der Urak Lawoi sind wah­re Was­ser­rat­ten, bei nahe­zu jedem Wet­ter sprin­gen sie im und am Was­ser her­um. Auch das ehe­ma­li­ge See­noma­den­volk ist in der Nach­bar­schaft vom Rawai Pier zu Hau­se, die Leu­te leben in einer Sied­lung namens Moo­ba­an Chao­lay. Mit Loy Kra­thong haben die “Sea Gyp­sies” (eng­li­sche Bezeich­nung) kaum etwas am Hut, sie pfle­gen eige­ne kul­tu­rel­le Bräu­che – bei den Moken auf Koh Phra Thong konn­te ich ein wenig in die Gepflo­gen­hei­ten eines ande­ren Vol­kes hin­ein­schnup­pern. Jedoch ent­pup­pen sich die Kin­der als begeis­ter­te Loy-Kra­thong-Hel­fer, uner­müd­lich schwim­men sie mit den deko­rier­ten klei­nen Schiff­chen hinaus.

Seenomaden-Junge mit Krathong-Schiffchen im Wasser am Rawai Pier.
Rawai Pier: See­noma­den-Jun­ge schwimmt mit Kra­thong im Wasser

Wich­tig ist, dass die Ker­zen mög­lichst lan­ge bren­nen. Und je län­ger man den Kra­thongs hin­ter­schau­en kann, des­to grö­ßer die Chan­ce, dass beglei­ten­de Wün­sche auch in Erfül­lung gehen. Dabei unter­stüt­zen die See­noma­den­kin­der im Was­ser mit Feu­er­ei­fer, gleich­zei­tig han­delt es sich um die letz­ten Loy-Kra­thong-Ein­drü­cke für mich. 24 Stun­den spä­ter erin­nert der Mond noch ein­mal an das Lich­ter­fest. Hat­te der sich tags zuvor noch hin­ter einer dicken Wol­ken­de­cke ver­steckt, zeigt er sich nun hell leuch­tend in vol­ler Grö­ße. Das Signal ist unüber­seh­bar: Der Loy-Kra­thong-Ter­min rich­tet sich nach dem Mond­ka­len­der. In der Voll­mond­nacht des zwölf­ten Mond­mo­nats fin­det das Fest statt, also zwi­schen Ende Okto­ber und Ende November.

Abschließende Hinweise

Loy Krathong in Thailand

Wei­te­re Lese­tipps mit stim­mungs­vol­len Bildern:

In eigener Sache

Wäh­rend mei­nes “Coro­na-Exils” (Ende zur­zeit nicht abseh­bar) gibt es an die­ser Stel­le Berich­te und Repor­ta­gen “von unter­wegs” aus Thai­land, nor­ma­ler­wei­se aber auch von anders­wo. Wer auf dem Lau­fen blei­ben möch­te, ist herz­lich ein­ge­la­den, mir auf fol­gen­den Kanä­len zu folgen:

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Autor, Reisereporter und Reiseblogger. Nachdem man ihn dazu gebracht hat, seine vorherige berufliche Karriere zu beenden (um das böse Wort Mobbing zu vermeiden), treibt ihn die Neugier hinaus in die Welt und er erzählt Geschichten von unterwegs.

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