Ökotourismus in Thailand. Sonnenuntergang auf Koh Phra Thong.
Thailand

Thailand | Naturparadies Koh Phra Thong: Reise zu den Seenomaden

Aktua­li­siert am

Eine Rei­se nach Koh Phra Thong, die Insel in der Anda­ma­nen­see im Süden Thai­lands. Zu den Moken, wo ich im Homes­tay Tung Dap die Lebens­wei­se des ehe­ma­li­gen See­noma­den­vol­kes ken­nen­ler­nen konn­te. Ein­zig­ar­ti­ge Natur­er­leb­nis­se sowie beein­dru­cken­de Ein­bli­cke in die Kul­tur der Moken sind das Ergeb­nis mei­ner Erfah­rung mit sanf­tem Tou­ris­mus in Thai­land.

Robin­son-Fee­ling am men­schen­lee­ren Strand, Ent­de­ckungs­tou­ren in der tro­pisch-tro­cke­nen Savan­nen­land­schaft oder ein Blick in uner­gründ­li­che Man­gro­ven­wäl­der: die unter­schied­li­chen Vege­ta­ti­ons­zo­nen auf Koh Phra Thong ber­gen man­ches Geheim­nis. Dem stau­nen­den Besu­cher offen­ba­ren sie eine fas­zi­nie­ren­de Tier- und Pflan­zen­welt.

Echse auf Koh Phra Thong in Südthailand.
Auf­merk­sa­mer Blick: Ech­se auf Koh Phra Thong

Koh Phra Thong, das Natur­pa­ra­dies vor der Küs­te der süd­thai­län­di­schen Pro­vinz Phang-nga, ist knapp 90 Qua­drat­ki­lo­me­ter groß und Teil des Natio­nal­parks Mu Koh Ra – Koh Phra Thong. Die weit­ge­hend uner­schlos­se­ne Insel bil­det für die Moken ein Refu­gi­um, in dem sie noch vie­le Facet­ten ihres tra­di­tio­nel­len Lebens­stils pfle­gen. Drei ihrer Dör­fer gibt es dort und Tung Dap, das Ziel mei­ner Rei­se, ist eines davon.

Koh Phra Thong. Schlammspringer im Mangrovenwald.
Schlamm­sprin­ger im Man­gro­ven­wald, ein Fisch, der am liebs­ten an Land lebt

Vor meh­re­ren tau­send Jah­ren waren die Moken aus Chi­na in die Regi­on um den Süden des heu­ti­gen Myan­mar und die thai­län­di­schen Inseln gekom­men und zunächst noch lan­ge als Halb­no­ma­den unter­wegs. Vom Fisch­fang lebend, zogen sie von Insel zu Insel, inzwi­schen jedoch sind die meis­ten der ehe­ma­li­gen See­noma­den sess­haft. Für eini­ge von ihnen ist Koh Phra Thong zur Hei­mat gewor­den und seit eini­ger Zeit geben sie an Kul­tur inter­es­sier­ten Gäs­ten die Mög­lich­keit, auf authen­ti­sche Wei­se in ihre Sit­ten und Gebräu­che hin­ein zu schnup­pern. Öko­tou­ris­mus in sei­ner reins­ten Form also, was in mei­nen Ohren jedoch ein wenig abge­lutscht klingt, sanf­ter Tou­ris­mus gefällt mir da schon bes­ser.

Koh Phra Thong. Vorbereitung für die Überfahrt mit dem Boot.
Vor­be­rei­tung für die Über­fahrt nach Koh Phra Thong

Bootsfahrt zu den Seenomaden

Sanong besetzt den Platz ganz vorn. Mal sitzt er, dann wie­der liegt er bäuch­lings auf der Bug­sei­te des Boo­tes, das mei­ne Beglei­te­rin und mich hin­über auf die Insel bringt. Lind­sey arbei­tet für Anda­man Dis­co­ve­ries, die Agen­tur, die für Tou­ris­ten das Bin­de­glied zu den Moken dar­stellt. Die US-Ame­ri­ka­ne­rin hilft mir bei der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den ehe­ma­li­gen Noma­den, sie wird für die Über­set­zung sor­gen. Noch aber sind wir unter­wegs, auch wenn der Trip vom Fest­land hin­über nach Koh Phra Thong nur weni­ge Minu­ten dau­ert. Und Sanong? Der See­noma­de blickt unent­wegt, offen­bar voll kon­zen­triert, von sei­nem “Aus­guck”, schaut abwech­selnd nach vorn übers Was­ser oder gera­de­wegs nach unten.

Koh Phra Thong. Mit dem Boot auf die Insel.
Koh Phra Thong in Sicht – kurz vor dem Anle­gen

Wem wohl die Auf­merk­sam­keit gel­ten mag? Im Was­ser befind­li­chen Hin­der­nis­sen etwa? Oder eher Mee­res­be­woh­nern, die unse­ren Weg kreu­zen könn­ten? See­unge­heu­ern, die in den Flu­ten der Anda­ma­nen­see mög­li­cher­wei­se lau­ern – auch wenn sie viel­leicht nur einer mys­ti­schen Sagen­welt ent­sprin­gen?

Ankunft auf Koh Phra Thong

Lee­re Kabel­trom­meln lie­gen in der Nähe der Anle­ge­stel­le. Und die Strom­mas­ten am Ran­de des Weges, der ins Inse­lin­ne­re führt, wur­den zwei­fel­los gera­de erst frisch errich­tet. Das sind die ers­ten Ein­drü­cke nach der Ankunft auf der Insel, auch für Lind­sey sind sie eine Über­ra­schung: Koh Phra Thong erhält Anschluss an das Strom­netz des nahen Fest­lan­des. Strom aus der Steck­do­se, das, was für mich, den Besu­cher aus der west­li­chen Zivi­li­sa­ti­on, selbst­ver­ständ­lich ist, wird nun also auch für die Insel­be­woh­ner Wirk­lich­keit. Für die Moken, die noch vor abseh­ba­rer Zeit hei­mat­los über die Mee­re schip­per­ten, dürf­te es eine Art Quan­ten­sprung bedeu­ten.

Koh Phra Thong
Koh Phra Thong: wil­de, unbe­rühr­te Insel­schön­heit

Ich fra­ge Sanong, was er über die­sen Fort­schritt denkt. Ob er sich freut, künf­tig immer dann ein gut gekühl­tes Bier trin­ken zu kön­nen, wenn ihm danach ist. Klar sei das schön, aber vor allem befürch­te er, dass die­ser Wan­del nega­ti­ve Fol­gen mit sich bringt. Dass die Sache mit dem Strom nur der Anfang ist und die para­die­si­sche Schön­heit der Insel all­mäh­lich zer­stört wer­de. Welch klu­ge und vor­aus­schau­en­de Gedan­ken des Man­nes, der eben noch so wach­sam über das Was­ser gespäht hat­te. Und womög­lich war es ja genau das, was ihn beschäf­tigt hat. Die besorg­te Vor­ah­nung einer ver­meint­lich unge­wis­sen Zukunft, anstatt nach ima­gi­nä­ren Mee­resun­ge­heu­ern zu schau­en, wobei die­se Mög­lich­keit ja ohne­hin nur Pro­dukt mei­ner eige­nen Fan­ta­sie war.

Koh Phra Thong. Krabbe oder Krebs?
Vor­sicht, schar­fe Sche­ren! Über­all gibt es etwas span­nen­des zu ent­de­cken

Moken trotzen Tsunami

“Tsu­na­mi Hazard Zone”, auf Deutsch Tsu­na­mi-Gefah­ren­zo­ne, die Bot­schaft des blau-wei­ßen Warn­schil­des, immer noch in der Nähe der Anle­ge­stel­le, ist ein­deu­tig. Und glei­ches gilt auch für die dazu­ge­hö­ri­ge Illus­tra­ti­on: ein klei­nes Männ­chen rennt vor einer rie­si­gen Wel­le davon. Sofort habe ich wie­der die Bil­der vor Augen, die damals, Ende Dezem­ber 2004, um die Welt gin­gen. Was­ser­mas­sen unvor­stell­ba­ren Aus­ma­ßes waren in Bewe­gung gera­ten und ris­sen mehr als 230.000 Men­schen in den Tod. Ein gewal­ti­ges Beben am Mee­res­bo­den hat­te die ver­hee­ren­de Kata­stro­phe aus­ge­löst.

Koh Phra Thong
Far­ben der Natur auf Koh Phra Thong

Sei­ner­zeit weit weg von der Unglücks­re­gi­on, im fer­nen Deutsch­land, höre ich nun hier vor Ort die Geschich­te vom Tsu­na­mi und den Moken. Erfah­re spä­ter im Dorf Tung Dap, dass sie die Zei­chen der Natur zu deu­ten wuss­ten, etwa das sich auf merk­wür­di­ge Wei­se zurück­zie­hen­de Was­ser. So konn­ten sie sich recht­zei­tig in Sicher­heit brin­gen, anstatt wie anders­wo in thai­län­di­schen Fischer­dör­fern von den Gewal­ten des Tsu­na­mi über­rascht zu wer­den. Kein ein­zi­ges Todes­op­fer hat­ten die ehe­ma­li­gen See­noma­den daher zu bekla­gen. Dank ihrer Natur­ver­bun­den­heit und dank des Wis­sens, das bei ihnen münd­lich von Genera­ti­on zu Genera­ti­on wei­ter­ge­ge­ben wird, schrift­li­che Auf­zeich­nun­gen ken­nen sie bis­her nicht. Dass ihre Dör­fer und Boo­te zer­stört wur­den, konn­ten auch die Geschich­ten ihrer Vor­fah­ren nicht ver­hin­dern, das Leben der Moken jedoch haben sie geret­tet.

Einsiedlerkrebs in spiralförmigen Behausung auf Koh Phra Thong
Strand­be­woh­ner: Ein­sied­ler­krebs in sei­ner spi­ral­för­mi­gen Behau­sung

Vom Tsunami zum Tourismus

Um die noch jun­ge Geschich­te des nach­hal­ti­gen Tou­ris­mus auf Koh Phra Thong zu ver­ste­hen, ist es wich­tig, sich die Fol­gen des Tsu­na­mi vor Augen zu füh­ren. In der von den Aus­wir­kun­gen der Kata­stro­phe schwer getrof­fe­nen Regi­on war Sofort­hil­fe zunächst von­nö­ten, Wie­der­auf­bau der Dör­fer und Ver­sor­gung der Fischer mit neu­en Boo­ten waren die ele­men­ta­ren Maß­nah­men zur Exis­tenz­si­che­rung. Bodhi Gar­rett, einem uner­müd­li­chen Trei­ber diver­ser Hilfs­pro­jek­te, wur­de dabei jedoch schnell klar, dass auch lang­fris­tig ange­leg­te Ent­wick­lungs­pro­gram­me her­muss­ten, um den Bewoh­nern dau­er­haft neue Arbeits­mög­lich­kei­ten und Ein­nah­me­quel­len zu erschlie­ßen.

Koh Phra Thong. Spielende Moken-Kinder in Tung Dap.
Spiel­ka­me­ra­den im Moken-Dorf Tung Dap

Gedacht, getan, Bodhi, der in Nepal auf­ge­wach­se­ne US-Ame­ri­ka­ner, grün­de­te die Agen­tur Anda­man Dis­co­ve­ries, außer­dem wur­de aus dem ursprüng­li­chen Hilfs­pro­gramm North Anda­man Tsu­na­mi Reli­ef die North Anda­man Com­mu­ni­ty Tou­rism. Unab­ding­bar bei der Umset­zung eines nach­hal­ti­gen, sozi­al ver­ant­wort­li­chen Tou­ris­mus waren von Anfang an der Erhalt tra­di­tio­nel­ler Lebens­wei­sen und ein sen­si­bler Umgang mit der Natur. Ein ganz wesent­li­ches Kri­te­ri­um ist zudem die wirt­schaft­li­che Unab­hän­gig­keit der Ein­hei­mi­schen auf Basis öko­lo­gi­scher Nach­hal­tig­keit. An der erfolg­rei­chen Umset­zung besteht kein Zwei­fel, die Aus­zeich­nung von Anda­man Dis­co­ve­ries mit dem ToDo! 2010 und des Dor­fes Tung Dap als eine der bes­ten nach­hal­ti­gen Desti­na­tio­nen 2018 die­nen als Beleg.

Koh Phra Thong, Homestay Tung Dap.
Die Her­ber­ge, das Homes­tay Tung Dap

Homestay Tung Dap

Ins­ge­samt leben 50 Moken in Tung Dap, erfah­re ich nach der Ankunft im Dorf. Und das Homes­tay, mein Zuhau­se für die nächs­ten Tage, erweist sich als ein gro­ßer Pfahl­bau, aus­ge­stat­tet mit einer natür­li­chen Kli­ma­ti­sie­rung. Rit­zen in Boden und Wän­den sor­gen für eine per­ma­nen­te Luft­zir­ku­la­ti­on. Nur das Dach ist undurch­läs­sig, was wich­tig ist, denn bis­wei­len kommt es zu kräf­ti­gen Schau­ern – gera­de jetzt, zu Beginn der Regen­zeit, und vor allem nachts. Das “Wohn­zim­mer” befin­det sich ein paar Meter wei­ter, drau­ßen unter schat­ten­spen­den­den Tama­rin­den­bäu­men. Ein aus Holz gebau­tes Pla­teau,  je nach Bedarf dient es als Ruhe­stät­te, Ver­samm­lungs­ort oder Arbeits­platz.

Bei den Moken im Homestay Tung Dap.
Noi, mei­ne Gast­ge­be­rin und gute See­le vom Homes­tay Tung Dap

Was eigent­lich recht sim­pel aus­sieht, ist tat­säch­lich ein fili­gra­nes Hand­werk: die Her­stel­lung von Fal­len zum Fan­gen von Tin­ten­fi­schen ist eine der ers­ten Fer­tig­kei­ten, die ich bei den ehe­ma­li­gen See­noma­den ken­nen­ler­ne. Die mit einem weit­ma­schi­gen Netz umspann­ten Vor­rich­tun­gen wer­den auf etwa 50 Meter Mee­res­tie­fe hin­un­ter­ge­las­sen und mit ihrer Hil­fe gelingt es, dort bis zu 3 Kilo­gramm schwe­re Exem­pla­re zu erbeu­ten. Für die Moken ist der Tin­ten­fisch­fang eine wich­ti­ge Ein­nah­me­quel­le, auf dem Fest­land erlö­sen sie 200 Baht, also unge­fähr 5 Euro, je Kilo.

Moken. Herstellung von Tintenfischfallen bei den ehemaligen Seenomaden.
Akri­bi­sche Hand­ar­beit: Her­stel­lung von Tin­ten­fisch­fal­len

Mit dem Traktor unterwegs

Alte Trak­to­ren sind das wich­tigs­te Trans­port­mit­tel der Moken, mit halb­wegs pas­sen­den oder pas­send gemach­ten Ersatz­tei­len meist schon unzäh­li­ge Male repa­riert. Und mit dem Trak­tor geht es auch gleich am ers­ten Nach­mit­tag auf einen Aus­flug Rich­tung Küs­te. An den Strand, ein ein­sa­mes Para­dies an der blau­grü­nen Anda­ma­nen­see. Wäh­rend ich mir ein erfri­schen­des Bad in den Flu­ten des Mee­res gön­ne, offen­ba­ren die Moken-Jungs ihr Geschick, indem sie mit blo­ßen Hän­den ein Netz aus­le­gen und prompt wenig spä­ter eini­ge Fische prä­sen­tie­ren, die Teil des Abend­essens wer­den soll­ten.

Koh Phra Thong: Moken beim Fischfang.
Moken-Jungs beim Fisch­fang

Aber die Idyl­le hat auch eine ande­re Sei­te, noch ein­mal geht es um das The­ma Tin­ten­fisch. Kürz­lich habe es eine län­ge­re Flau­te beim Fang gege­ben, über meh­re­re Wochen, erzäh­len sie mir. Schuld dar­an sei­en die gro­ßen Traw­ler, die mit rie­si­gen Net­zen sowie maschi­nel­ler Unter­stüt­zung das Meer leer fisch­ten. Außer­dem käme noch das fort­schrei­ten­de Koral­lenster­ben hin­zu, neben der Über­fi­schung ist der Kli­ma­wan­del eine der Ursa­chen hier­für. Öko­lo­gi­sche Pro­ble­me, die auch am Natur­pa­ra­dies Koh Phra Thong nicht spur­los vor­über­ge­hen. Und natür­lich neh­men die Moken, die so eng mit der Natur ver­bun­den sind, die Aus­wir­kun­gen haut­nah als ers­te wahr.

Koh Phra Thong. Abendstimmung am Strand von Koh Phra Thong.
An der Küs­te: Abend­stim­mung über men­schen­lee­rem Strand

Kulinarische Genüsse im Homestay

Auch das leib­li­che Wohl kommt neben all den span­nen­den Erleb­nis­sen nicht zu kurz. Noi, mei­ne herz­li­che Gast­ge­be­rin, ver­wöhnt mit authen­ti­scher Thai-Moken-Küche und bedient sich vor allem loka­ler Pro­duk­te. Auf den Tisch kommt das, was Flo­ra und Fau­na der Insel her­ge­ben. Dass Fisch und Mee­res­früch­te dabei nicht feh­len dür­fen, ver­steht sich. Zur­zeit ist außer­dem Pilz­sai­son, der Beginn der Regen­zeit sorgt dafür, dass schmack­haf­te Schwam­merl auf den Tel­ler kom­men. Zudem lie­fern die Hüh­ner, die sich im Umkreis des Homes­tay sicht­lich wohl füh­len, fri­sche Eier und ab und zu lan­det natür­lich auch mal einer der Vögel im Koch­topf. Der Gastro­kri­ti­ker in mir hält fest: das Essen ist viel­sei­tig, es gibt reich­lich zu fut­tern und die Mahl­zei­ten sind vor allem eines: äußerst lecker!

Essenszubereitung im Homestay Tung Dap.
Essens­zu­be­rei­tung in Tung Dap, hier sind Pil­ze in der Pfan­ne

Tierische Geschichten aus Tung Dap

Vom “glück­li­chen Geflü­gel” war bereits die Rede, so man­cher Gockel in der west­li­chen Welt, der selbst nie das Tages­licht sieht, wür­de vor Neid erblas­sen ange­sichts eines sol­chen Hüh­ner­le­bens. Pünkt­lich zur Abend­däm­me­rung ist übri­gens die gro­ße Flat­ter ange­sagt: für die Hüh­ner geht die Rei­se dann auf einen der Bäu­me, um sich dort der Nacht­ru­he hin­zu­ge­ben. Auch Hun­de gibt es reich­lich in Tung Dap, einer der Vier­bei­ner heißt Janat, was Ana­nas bedeu­tet, und hat in der Ver­gan­gen­heit auch schon mal zwei ver­wais­te Kat­zen­ba­bies adop­tiert.

Hund im Homestay Tung Dap.
“Kat­zen­mut­ti”: ein Hund namens Ana­nas

Apro­pos adop­tie­ren, das gibts auf der Insel nicht nur im Tier­reich, auch Jaa, die Schwes­ter mei­ner Gast­ge­be­rin, hat da ein Wört­chen mit­zu­re­den. Nicht nur, dass neben “Ana­nas” wei­te­re sie­ben Fell­na­sen zur Fami­lie gehö­ren, auch ein wil­des Schwei­ne­ba­by hat sie groß­ge­zo­gen. Das ist mitt­ler­wei­le zwei Jah­re her, der ehe­ma­li­ge Frisch­ling bringt inzwi­schen sat­te 100 Kilo auf die Waa­ge und ist der bes­te Freund der Kat­zen, die eben­falls bei der sym­pa­thi­schen Frau leben. Jeden­falls dann, wenn Oot, so der Schwei­ne­na­me, mal wie­der zu Hau­se ist. Oot hat näm­lich die Ange­wohn­heit, regel­mä­ßig für eini­ge Mona­te in die Wild­nis zu ver­schwin­den, kommt jedoch jedes Mal wie­der zurück. Und dann ist es so, als ob das Schwein nie weg gewe­sen wäre.

Lindsey Reding, Andaman Discoveries, bei der Vogelbeobachtung auf Koh Phra Thong.
Lind­sey, mei­ne Beglei­te­rin von Anda­man Dis­co­ve­ries, bei der Vogel­be­ob­ach­tung

Zum Zeit­punkt mei­nes Besuchs ist Oot lei­der gera­de auf Tour – scha­de, ich hät­te den Vaga­bun­den gern ken­nen­ge­lernt! Aber dafür ste­hen ja noch wei­te­re Exkur­sio­nen an, die für ande­re tie­ri­sche Begeg­nun­gen auf Koh Phra Thong sor­gen soll­ten.

Die Savanne lebt

Der Boden knirscht unter mei­nen Füßen, kno­chen­tro­cken ist der Unter­grund in der Savan­ne. Bestimmt wird die größ­ten­teils kar­ge Vege­ta­ti­on, neben robus­ten Grä­sern, vom knor­ri­gen Paper­back Tree, wört­lich über­setzt Papier­rin­den­baum. Der heißt eigent­lich Melaleu­ca quin­que­ner­via oder wird als Myr­ten­hei­de bezeich­net, wie spä­te­re Recher­chen erge­ben, und sei­ne Rin­de ist weiß und was­ser­fest. Ein­mal im Jahr jedoch ändert sich die Far­be in ein düs­te­res Schwarz, dann näm­lich, wenn Feu­er natür­li­chen Ursprungs in dem tro­cke­nen Are­al aus­bre­chen und sich gie­ri­ge Flam­men über die aus­ge­dörr­ten Gewäch­se her­ma­chen.

Koh Phra Thong. Savanne mit Paper Bark Trees (Myrtenheide).
Paper Bark Trees (Myr­ten­hei­de) in der Savan­ne von Koh Phra Thong

Wie­der sind wir mit dem Trak­tor unter­wegs und bevor es in die Savan­ne hin­ein ging, hat­ten uns die Moken-Jungs noch ins Revier der Vögel gelotst, die Natur­bur­schen wis­sen schließ­lich genau, wo die bes­ten Stel­len für die Sich­tung zu fin­den sind, tat­säch­lich konn­ten wir dort auch etli­che Exem­pla­re des Feder­viehs erspä­hen. Nun aber geht es dar­um, die Savan­nen­land­schaft wei­ter zu erkun­den. Auf­fäl­lig an man­chen der Papier­rin­den­bäu­me sind gel­be Früch­te, sie erin­nern an Man­gos. Die Dischidia major ist eine tro­pi­sche Pflan­zen­art und bei ihren “Mangofrüch­ten” han­delt es sich tat­säch­lich um wun­der­lich geform­te Blät­ter, die innen hohl sind.

Dischidia major auf Koh Phra Thong.
Kei­ne Man­gos, es sind Blät­ter der tro­pi­schen Dischidia major

Wäh­rend mei­ne Beglei­ter inzwi­schen eine Rast im Schat­ten vor­zie­hen, ist die Neu­gier bei mir noch unge­bro­chen. Ich ent­de­cke einen klei­nen Tüm­pel, dort scheint sich nächt­li­ches Regen­was­ser gesam­melt zu haben. Spä­ter, im Juni und Juli, zum Höhe­punkt der Regen­zeit, wer­de sich das gesam­te Gelän­de in ein Feucht­bio­top ver­wan­deln, hat­te ich zuvor gelernt, mit dem Trak­tor gebe es dann kein Durch­kom­men mehr.

Libelle in der Savanne von Koh Phra Thong.
Ent­de­ckung in der Savan­ne von Koh Phra Thong: bun­te Libel­len

Gespannt, ob sich wohl irgend­ei­ne Art von Leben in dem Gewäs­ser fin­den wird, pir­sche ich mich lang­sam her­an, und sie­he da, klei­ne bun­te “Hub­schrau­ber” krei­sen über dem feuch­ten Ele­ment. Die Libel­len, man­che blau, ande­re rot oder gelb und eini­ge nahe­zu durch­sich­tig, schwir­ren flink hin und her, machen aber immer wie­der kur­ze Pau­sen, um sich an Grä­sern zu laben, für mich die Gele­gen­heit, sie auch mit der Kame­ra ein­zu­fan­gen.

Koh Phra Thong. Libelle in der Savanne.
Die Savan­ne lebt: klei­ne “Hub­schrau­ber” sind unter­wegs

Wäh­rend die Luft in der Hit­ze flim­mert und die Kon­zen­tra­ti­on auf die Auf­nah­men zusätz­lich schweiß­trei­bend wirkt, beob­ach­tet neben­an eine Ech­se das Gesche­hen, offen­bar schon eine gan­ze Wei­le. Ob das auf­merk­sa­me Rep­til wohl eben­falls scharf auf die flin­ken Libel­len ist, wenn­gleich aus einem ganz ande­ren Grund?

Echse auf Koh Phra Thong.
Neu­gie­rig beob­ach­tet die Ech­se das Gesche­hen

Abschied von Koh Phra Thong

Nach drei Tagen und zwei Näch­ten im Homes­tay Tung Dap geht es zurück aufs Fest­land, nach Kura­b­u­ri, wo mei­ne Rei­se zu den Moken begann. Abschied neh­men heißt es, von mei­ner Gast­ge­be­rin Noi und von den ande­ren ehe­ma­li­gen Noma­den. Bemer­kens­wer­te Ein­bli­cke in ihre Lebens­wei­se gab es für mich und vor allem habe ich ein Gefühl dafür bekom­men, was es bedeu­tet, so eng im Ein­klang mit der Natur zu leben.

Moken-Homestay Tung Dap.
Abschied von den Moken und ihren vier­bei­ni­gen Freun­den

Noch ein­mal muss ich an Sanong den­ken, der auf der Hin­fahrt so nach­denk­lich schien und mir anschlie­ßend sei­ne Befürch­tun­gen offen­bar­te, Ängs­te vor den nega­ti­ven Fol­gen zuneh­men­den Fort­schritts. Inzwi­schen ver­ste­he ich sei­ne Gedan­ken, kann die Skep­sis nach­voll­zie­hen. Schließ­lich ber­gen Ver­än­de­run­gen, neben Chan­cen, auch immer Risi­ken. Für die Moken ist es wich­tig, sich bewähr­te Tra­di­tio­nen zu bewah­ren. Der Schutz ihrer Kul­tur und der Umwelt sind dabei von beson­de­rer Bedeu­tung. Auch der Tou­ris­mus spielt eine wich­ti­ge Rol­le, aber nur eine sanf­te Vari­an­te hilft den Insel­be­woh­nern nach­hal­tig. Sich sen­si­bel ver­hal­ten­de Gäs­te unter­stüt­zen den Ver­än­de­rungs­pro­zess. Fei­ern­de Par­ty­peop­le und Mas­sen­tou­ris­mus hin­ge­gen wären der Tod des Natur­pa­ra­die­ses.

Koh Phra Thong, Homestay Tung Dap | Infos

  • Anda­man Dis­co­ve­ries (Web­site / Face­book) in Kura­b­u­ri fun­giert als Bin­de­glied zu den Moken. Im Ange­bot: ver­schie­de­ne Tou­ren und Vol­un­teer-Pro­jek­te, bei mei­nem Auf­ent­halt auf Koh Phra Thong han­delt es sich um die Moken Immer­si­on.
  • Kura­b­u­ri ist eine Klein­stadt, knapp 200 Kilo­me­ter nörd­lich von Phu­ket Town und etwa 130 Kilo­me­ter süd­lich von Ranong. Jeweils ein cha­rak­te­ris­ti­scher Mor­gen- und Abend­markt sowie eini­ge klei­ne Restau­rants bie­ten eine ange­neh­me Infra­struk­tur. Drei Tem­pel gibt es, Aus­flü­ge in die umlie­gen­de Natur sind mög­lich und Thai-Mas­sa­ge wird eben­falls ange­bo­ten. Kura­b­u­ri, also nicht nur “das Tor zu den Moken”, es bie­tet sich auch an, den einen oder ande­ren Tag dort abseits des übli­chen Tou­ris­ten­trails zu ver­brin­gen.
  • Lese­emp­feh­lung: wei­te­re Rei­se­tipps für unbe­kann­te Zie­le in Thai­land


Hin­weis: mein Auf­ent­halt im Homes­tay Tung Dap auf Koh Phra Thong erfolg­te auf Ein­la­dung der Tou­rism Aut­ho­ri­ty of Thai­land

Autor, Reisereporter und Reiseblogger. Nachdem man ihn dazu gebracht hat, seine vorherige berufliche Karriere zu beenden (um das böse Wort Mobbing zu vermeiden), treibt ihn die Neugier hinaus in die Welt und er erzählt Geschichten von unterwegs.

2 Kommentare zu “Thailand | Naturparadies Koh Phra Thong: Reise zu den Seenomaden

  1. Hal­lo. Sehr interessant.wollte fra­gen wie und wo du das Homes­tay gebucht hast?

    Dan­ke

    • Wolfgang

      Hal­lo Julia, es freut mich, dass Dir der Bericht gefällt. Hin­wei­se zur mög­li­chen Buchung inklu­si­ve ent­spre­chen­der Links fin­dest Du am Ende des Tex­tes im Info-Teil.

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