Auf dem Fischmarkt in Ranong, Thailand.
Thailand

Der Fischmarkt von Ranong: Wo die Kisten fliegen lernen

Aktua­li­siert am

Die Pro­vinz­haupt­stadt Ranong liegt an der Gren­ze zu Myan­mar. Vie­le Besu­cher nut­zen sie nur als Durch­gangs­sta­ti­on, set­zen mit dem Boot nach Koh Payam oder Koh Chang über. Auf den vor­ge­la­ger­ten Inseln im Süden Thai­lands war ich bis­lang nicht, den Hafen von Ranong habe ich jedoch besucht und dabei vor allem den mor­gend­li­chen Fisch­markt unter die Lupe genom­men.

Gum­mi­stie­fel tra­gen vie­le der Leu­te, die auf dem Fisch­markt von Ranong arbei­ten. War­um, wird schnell klar. Es ist nass und rut­schig, Was­ser und schmel­zen­des Kühleis bil­den auf dem Fuß­bo­den gro­ße glit­schi­ge Pfüt­zen, Gum­mi­stie­fel sind daher das Non­plus­ul­tra bei der Arbeits­klei­dung!

Fleißige Männer auf dem Fischmarkt in Ranong. Sinnvoller Teil der Arbeitskleidung: Gummistiefel.
Flei­ßi­ge Män­ner auf dem Fisch­markt von Ranong

Hafenbesuch mit Verzögerung

Zwei Tage zuvor hat­te ich den Hafen von Ranong noch ver­geb­lich gesucht. Eine Par­al­lel­stra­ße hat­te mir statt­des­sen ande­re Ein­drü­cke beschert. Ein paar typi­sche Thai-Karaōke-Puffs mit blin­ken­den Gir­lan­den. Eini­ge Jungs, die sich in der Abend­son­ne dem tra­di­tio­nel­len Ball­spiel Sepak Takraw wid­me­ten. Ihre akro­ba­ti­schen Ein­la­gen hat­ten mich den Hafen zunächst ver­ges­sen las­sen. Einen Tag spä­ter fin­de ich aber auch den und die Hin­wei­se auf den mor­gend­li­chen Fisch­markt sind dort nicht zu über­se­hen. Den Boden sprit­zen sie gera­de mit Was­ser­schläu­chen ab, offen­bar das täg­li­che Rei­ni­gungs­ri­tu­al am Ende des Arbeits­ta­ges, und mei­ne Fra­ge “Fish mar­ket?” wird prompt bejaht.

Abendstimmung an der Küste vor Ranong im Süden Thailands.
Abend­stim­mung an der Küs­te vor Ranong

Fliegende Kisten am Morgen

Am nächs­ten Mor­gen bin ich mit­ten­drin im geschäf­ti­gen Trei­ben, neu­gie­rig bege­be ich mich dort­hin, wo der größ­te Tru­bel herrscht. Ein paar Kis­ten flie­gen mir sogleich um die Ohren, haar­scharf am Kopf vor­bei. Hier wird geklotzt und nicht gekle­ckert, Rück­sicht­nah­me ist auf dem Fisch­markt von Ranong nicht zu erwar­ten. Jeder muss selbst auf sich auf­pas­sen in die­sem rau­en Milieu. Um acht Uhr sol­le ich kom­men, wur­de mir am Abend zuvor gesagt, ich hat­te nach einer loh­nen­den Zeit für den Besuch gefragt. Und mich dann vor­sichts­hal­ber doch schon um sie­ben auf den Weg gemacht. Hat­te auf der Cha­lo­em Phra­ki­at Road, die schnur­stracks Rich­tung Hafen führt, das nächst­bes­te Songthaew, eines der typi­schen Sam­mel­ta­xis, ange­hal­ten. Und war weni­ge Minu­ten spä­ter mit den ande­ren Pas­sa­gie­ren aus­ge­stie­gen, alle hat­ten das­sel­be Ziel.

Fischmarkt von Ranong. "Die guten ins Töpfchen die schlechten ins Kröpfchen"
“Die guten ins Töpf­chen, die schlech­ten ins Kröpf­chen”

Rie­si­ge Gar­ne­len, Tin­ten­fi­sche und ver­schie­de­ne ande­re klei­ne und gro­ße Fische wer­den von flin­ken Hän­den sor­tiert. Die klei­ne­ren wan­dern in Kör­be und Eimer und die grö­ße­ren wer­den direkt auf dem Boden dra­piert, wäh­rend an der Sei­te schon poten­ti­el­le Käu­fe­rin­nen und Käu­fer dar­auf war­ten, zuschla­gen zu kön­nen. Auch mir, dem Farang, wer­den hin und wie­der Fische oder Mee­res­früch­te ange­bo­ten. Für die Leu­te hier ist es ver­mut­lich schwer vor­stell­bar, dass jemand nur zum Gucken auf den Fisch­markt kommt. Lachend leh­ne ich jedes­mal das freund­li­che Ansin­nen ab, denn was soll ich mit den frisch gefan­ge­nen Was­ser­tie­ren?

Fischmarkt in Ranong. Verkaufsfertige Tintenfische.
Ver­kaufs­fer­ti­ge Tin­ten­fi­sche

Bunte Boote im Hafen

Irgend­wann habe ich genug gese­hen und beschlie­ße, auch das wei­te­re Gelän­de in Augen­schein zu neh­men. Zunächst sto­ße ich auf bun­te Boo­te, die im Hafen­be­cken vor sich hin­düm­peln. Noch immer kom­men wel­che hin­zu, Nach­züg­ler offen­sicht­lich, die mit ihrem nächt­li­chen Fang wie­der den Hei­mat­ha­fen ansteu­ern. Eini­ge hun­dert Meter wei­ter fin­de ich einen Werft­be­reich und auch hier wird emsig an den auf­ge­dock­ten Kut­tern gear­bei­tet, ganz sicher kein Zucker­schle­cken bei den tro­pi­schen Tem­pe­ra­tu­ren. Bereits in ande­rem Zusam­men­hang hat­te ich gelernt, dass der­ar­ti­ge Arbei­ten nicht von Thai­län­dern erle­digt wer­den. Auch hier in Ranong dürf­ten also Gast­ar­bei­ter aus Kam­bo­dscha und Laos, vor allem aber aus dem nahen Myan­mar, tätig sein.

Hafen von Ranong. Aufgedeckte Kutter auf dem Werftgelände.
Auf­ge­dock­te Kut­ter auf dem Werft­ge­län­de

Große Greifvögel am Himmel

Immer wie­der krei­sen gro­ße Greif­vö­gel über dem Hafen von Ranong, hoch oben, viel zu weit ent­fernt, um sie mit der Kame­ra zu erwi­schen. Aber hin und wie­der sto­ßen sie dann doch her­ab, die im Was­ser erspäh­te Beu­te offen­bar fest im Blick. Von mir lai­en­haft zunächst als See­ad­ler iden­ti­fi­ziert, han­delt es sich tat­säch­lich um Brah­mi­nen­wei­he, teilt ein kun­di­ger Leser mit. Noch lan­ge schaue ich den Vögeln mit den mäch­ti­gen Spann­wei­ten fas­zi­niert nach.

Seeadler kreisen über dem Hafen von Ranong.
Brah­mi­nen­wei­he krei­sen über dem Hafen von Ranong

“Whe­re you go?”, die Fra­ge ken­ne ich inzwi­schen. Über­all, wo ich in Thai­land bin, höre ich sie, es ist bei­na­he so, als hät­ten sich die Leu­te abge­spro­chen. Meist sind es Tuk-Tuk- oder Motor­rad-Taxi­fah­rer, die das Gespräch nicht ohne Hin­ter­ge­dan­ken auf­neh­men. Sie wit­tern ein Geschäft mit dem Frem­den, locken meist mit jun­gen Frau­en, die irgend­wo war­ten oder mit einer ver­meint­lich güns­ti­gen Sight­see­ing-Tour. Dies­mal jedoch scheint es anders zu sein. Kein Bor­dell­be­such, der offe­riert wird, kein Trip zu irgend­wel­chen Sehens­wür­dig­kei­ten. Soll­te es dies­mal tat­säch­lich ech­tes Inter­es­se an dem Farang sein, der sich hier drau­ßen in der Hafen­ge­gend her­um­treibt?

Begegnung in Ranong.
Begeg­nung in Ranong

Verruchter Charme im Hafenviertel

Vor einer klei­nen Knei­pe spielt sich die Sze­ne ab, meh­re­re die­ser Art fin­den sich hier, unmit­tel­bar neben­ein­an­der und vis-à-vis vom Hafen. Plas­tik­stüh­le, Bil­lard­ti­sche, dazu Bil­der von Frau­en an der Wand, man­che bereits ver­gilbt, sor­gen für eine eher der­be Gemüt­lich­keit. Jedoch ist jetzt, am Vor­mit­tag, noch nichts los, was wird sich wohl abends hier abspie­len? Leich­te Mäd­chen und raue Ker­le, die sich bei See­manns­lie­dern ver­gnü­gen? Eine Art thai­län­di­sche Ree­per­bahn in Ranong? Viel­leicht soll­te ich spä­ter noch ein­mal zurück­keh­ren, um mei­nen Ein­druck abzu­run­den und noch etwas mehr hin­ter die Kulis­sen des Hafen­vier­tels zu schau­en.

Hafen von Ranong. Ein Fischkutter kehrt zurück.
In den Hafen von Ranong zurück­keh­ren­der Fisch­kut­ter

Für den Augen­blick jedoch habe ich genug. Ranong, das von den meis­ten west­li­chen Tou­ris­ten links lie­gen gelas­sen wird, hat wei­te­re unge­schmink­te Ein­drü­cke preis­ge­ge­ben, jetzt aber ist Zeit für eine Dusche und eine Rast an einem küh­le­ren Ort. Denn die Son­ne steigt und mit ihr auch die Tem­pe­ra­tur. Gum­mi­stie­fel habe ich übri­gens nicht getra­gen, woher auch neh­men? Es geht also auch ohne, nur auf­pas­sen muss man auf dem Fisch­markt von Ranong. Und zwar nicht nur auf den glit­schi­gen Unter­grund, son­dern vor allem auf die Kis­ten, die dort am frü­hen Mor­gen flie­gen!

Hafen / Fischmarkt von Ranong kompakt

Wann fin­det der Fisch­markt statt? Der Beginn dürf­te deut­lich eher lie­gen, erfah­rungs­ge­mäß lohnt sich jedoch ein Besuch zwi­schen 7 Uhr und 8 Uhr mor­gens.

Wie kommt man zum Hafen? Auf der Cha­lo­em Phra­ki­at Road ein Songthaew, den soge­nann­ten Baht-Bus, stop­pen. Der Fahr­preis soll­te bei 25 Baht lie­gen.

Galerie – maritime Impressionen aus Ranong

Ein kleines Boot verlässt den Hafen von Ranong.
Ein klei­nes Boot ver­lässt den Hafen
Hafen von Ranong. Auslaufender Fischkutter.
Aus­lau­fen­der Fisch­kut­ter vor der Küs­te von Ranong
Fischmarkt von Ranong. Fisch und Meeresfrüchte in großen Mengen.
Gro­ße Men­gen Fisch und Mee­res­früch­te wer­den umge­setzt
Fische auf dem Fischmarkt von Ranong.
Fische unter­schied­li­cher Grö­ße wer­den auf dem Markt feil­ge­bo­ten
Kisten fliegen auf dem Fischmarkt von Ranong.
Kis­ten flie­gen auf dem Fisch­markt von Ranong
Fischmarkt von Ranong. Überall wird kräftig angepackt.
Über­all wird kräf­tig zuge­packt
Fischmarkt von Ranong. Abtransport von frischem Fisch.
Abtrans­port von fri­schem Fisch
Im Werftbereich des Hafens von Ranong.
Im Werft­be­reich des Hafens von Ranong
Hafen von Ranong. Werftarbeiten.
Arbei­ter auf dem Werft­ge­län­de
Bunte Boote im Hafen von Ranong.
Bun­te Boo­te im Hafen von Ranong

 

Autor, Reisereporter und Reiseblogger. Nachdem man ihn dazu gebracht hat, seine vorherige berufliche Karriere zu beenden (um das böse Wort Mobbing zu vermeiden), treibt ihn die Neugier hinaus in die Welt und er erzählt Geschichten von unterwegs.

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