Costa Rica

Cahuita: Zwischen Giftschlangen und Brüllaffen

Nach Über­que­rung der Gren­ze von Pana­ma nach Cos­ta Rica hat­te ich zunächst Halt in Puer­to Vie­jo gemacht. Cahui­ta war anschlie­ßend mei­ne zwei­te Sta­ti­on. Vor allem der Besuch des dor­ti­gen Natio­nal­parks hat mich gereizt. Dort fin­det sich eine gro­ße Anzahl von Tie­ren und Pflan­zen in ihrem natür­li­chen Lebens­raum.

Puer­to Vie­jo de Sala­man­ca, alle sagen nur Puer­to Vie­jo, hat­te mich ein wenig ent­täuscht. Das war aber zu erwar­ten. Denn aus dem ehe­ma­li­gen Fischer­dorf ist längst ein belieb­tes Rei­se­ziel gewor­den. Back­pa­cker tref­fen auf Pau­schal­tou­ris­ten und man hat sich auf die Besu­cher ein­ge­stellt. Stras­sen­händ­ler, die aller­lei Schnick­schnack feil­bie­ten, Luxus­ho­tels, dazu vor­wie­gend inter­na­tio­na­le Küche. Vie­les von dem, was zu Las­ten der Ursprüng­lich­keit geht.

Karibisches Flair in Cahuita

Den ursprüng­li­chen Reiz der rei­chen Küs­te woll­te ich nun in Cahui­ta fin­den. Ich hat­te das eine oder ande­re gehört und gele­sen. Über das kari­bi­sche Flair des Dor­fes zum Bei­spiel. Und auch über den Par­que Nacio­nal Cahui­ta.

Cahuita

Welch ein Unter­schied, obwohl ledig­lich 15 km von Puer­to Vie­jo ent­fernt. Bei den meis­ten Stras­sen von Cahui­ta han­delt es sich eher um fest­ge­walz­te Pis­ten. Kari­bi­scher Stil prägt die meis­ten der klei­nen Häu­ser. Vie­le der Ein­hei­mi­schen sind afro­ka­ri­bi­scher Her­kunft. Die dunk­le Haut­far­be ver­rät es. Die Leu­te strah­len Läs­sig­keit aus, Stress scheint man hier nicht zu ken­nen. An eini­gen Ecken abseits der Haupt­ver­kehrs­we­ge sieht es gera­de­zu mor­bi­de aus. Und die wil­de Küs­te mit der rau­en See trägt auch ihren Teil bei.

Musik und Haschisch liegen in der Luft

„Haschisch und kari­bi­sche Küche, das sind die Gerü­che, die in der Luft lie­gen. Bacha­ta, Meren­gue und Reg­ga­etón, das ist die pas­sen­de Musik dazu. Sehr ent­spannt geht’s hier zu.” So tex­te ich nach einem ers­ten Bum­mel in die Hei­mat. Mit Cabi­nas Pal­mer hat­te ich inzwi­schen auch die pas­sen­de Unter­kunft gefun­den. Der dun­kel­häu­ti­ge Boss ist ein sym­pa­thi­scher und hilfs­be­rei­ter Zeit­ge­nos­se. Und auf der Veran­da, direkt vor mei­nem Zim­mer, war­tet eine Hän­ge­mat­te auf mich. Scha­de, dass ich nur zwei Näch­te blei­ben kann.

Cahuita

Am nächs­ten Tag star­te ich in den Natio­nal­park. Der beginnt direkt am Rand des Dor­fes, nur weni­ge hun­dert Meter von mei­ner Her­ber­ge ent­fernt. Man trägt sich dort in eine Lis­te ein und auf frei­wil­li­ger Basis kann eine Spen­de ent­rich­tet wer­den. Das war´s und auf geht´s, hin­ein in den Dschun­gel.

Achtung vor der brodelnden Brühe

Zunächst geht es gera­de­wegs die Küs­te ent­lang. Kilo­me­ter­weit. Und zwi­schen­durch rein in´s Was­ser. Das ist nicht schwer, raus aus den Kla­mot­ten und hin­ein in die bro­deln­de Brü­he des kari­bi­schen Meers. Die Strö­mung ist bru­tal. Ein uner­bitt­li­cher Sog trach­tet sofort danach, mir die Bei­ne weg­zu­reis­sen. Mehr als ein paar Meter hin­ein ist nicht drin. Alles ande­re wäre lebens­ge­fähr­lich.

Cahuita

Kein Mensch ist weit und breit zu sehen oder zu hören, nach­dem mir auf der ers­ten Hälf­te noch ver­ein­zelt ande­re Leu­te begeg­net waren. Nicht ein­mal die Herr­schaf­ten mit den Mache­ten las­sen sich bli­cken. Die, die sich gele­gent­lich um Besu­cher küm­mern, die hier her­um­strol­chen. Davon hat­te ich vor­her gele­sen. Viel­leicht han­delt es sich aber auch nur um unnö­ti­ge Panik­ma­che von Leu­ten, die selbst noch nie vor Ort waren. Aber trotz­dem dar­über schrei­ben. Wie der Blin­de von der Far­be sozu­sa­gen. Aber man kann ja nie wis­sen. Wach­sa­me Bli­cke in alle Rich­tun­gen kön­nen nicht scha­den.

Cahuita

Mei­nen wach­sa­men Bli­cken wäre die Schlan­ge aber bei­na­he ent­gan­gen. Fast wäre ich vor­bei­ge­lau­fen. Sie wirkt nicht gefähr­lich und ist nicht ein­mal beson­ders gross. Ihre gel­be Far­be lässt sie eher inter­es­sant als bedroh­lich wir­ken. So kann man sich täu­schen. Das Rep­til ent­puppt sich spä­ter als Lan­zen­ot­ter, auch Eyelash Viper genannt. Die­se Art ist für 90 % aller durch Schlan­gen­bis­se ver­ur­sach­ten Todes­fäl­le in Cos­ta Rica ver­ant­wort­lich. Hät­te ich das in dem Augen­blick gewusst, ich wäre wohl mehr auf Distanz zu die­sem klei­nen Unge­heu­er gegan­gen.

Krawall im Parque Nacional Cahuita

Im letz­ten Drit­tel des Mar­sches durch den Dschun­gel, das Meer ist inzwi­schen ver­deckt von dich­tem Pflan­zen­be­wuchs, höre ich auf ein­mal Schreie. Immer lau­ter wer­den sie, je wei­ter ich lau­fe. Unheim­li­che Geräu­sche. Zu sehen ist zunächst nichts. Irgend­wann löst sich das Rät­sel, wer für den Radau ver­ant­wort­lich ist. Die Ver­ur­sa­cher sit­zen hoch oben in den Bäu­men. Brüll­af­fen. Mit einer unfass­ba­ren Laut­stär­ke kra­kee­len die Brü­der dort her­um.

Cahuita

Dann ist der Park zu Ende. Für den Rück­weg wäh­le ich dies­mal die Stra­ße. 6 km sind es so bis nach Cahui­ta. Nicht, dass ich doch noch im Dschun­gel auf die bösen Män­ner mit den Mache­ten tref­fe. Man kann ja nie wis­sen.

Gross­ar­ti­ge Ein­drü­cke waren das im wil­den Küs­ten­strei­fen des Par­que Nacio­nal Cahui­taCos­ta Rica y Cas­til­lo de Oro, so hat Chris­toph Kolum­bus sei­ner­zeit die Küs­te genannt. An vie­len Stel­len hier sieht es so aus, als habe sich seit­dem nichts ver­än­dert. Ob auch Kolum­bus, dem Ent­de­cker Ame­ri­kas, damals die Ohren geklun­gen haben? Vom unglaub­li­chen Gebrüll der Affen?

überWolfgang Käseler

Autor, Reisereporter und Reiseblogger. Nachdem man ihn dazu gebracht hat, seine vorherige berufliche Karriere zu beenden (um das böse Wort Mobbing zu vermeiden), treibt ihn die Neugier hinaus in die Welt und er erzählt Geschichten von unterwegs.

9 Kommentare zu “Cahuita: Zwischen Giftschlangen und Brüllaffen

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