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„My Traveling Piano“ | Joe Löhrmann: mit Klavier um die Welt

My Traveling Piano ist das Projekt von Joe Löhrmann. Joe ist Hannoveraner und hat zwei Leidenschaften, Reisen und Klavier spielen. Das spannende daran: er verbindet beides miteinander. Ich habe Joe bei einem seiner Konzerte getroffen und die Gelegenheit genutzt, ihm ein paar Fragen zu stellen. Joe erklärt, wie das Reisen mit Klavier funktioniert, berichtet von Lieblingsorten und erzählt von den Zukunftsplänen von My Traveling Piano.

Der Kröpcke ist ein zentraler Treffpunkt in Hannover. Und dort steht auch die Kröpcke-Uhr, benannt nach dem ehemaligen Oberkellner und späteren Betreiber des gleichnamigen Cafés wenige Schritte weiter. Die Uhr besitzt Kultstatus, gilt als ein Wahrzeichen der niedersächsischen Landeshauptstadt. Kann es eine passendere Stelle für ein Konzert des Hannoveraners und Weltenbummlers Joe Löhrmann geben? Als Joe, der eigentlich Johannes heißt, mit seinem Klavier am Kröpcke musiziert, komme ich selbst gerade zurück von einer Reise. Und nutze die Gelegenheit für ein spontanes Interview.

Der Hut ist ein Erkennungszeichen von Joe Löhrmann

Joe, wie hat das alles angefangen? Und wie ist es zu dem Namen My Traveling Piano gekommen?

Ich habe lange überlegt, was ich mit meinem Leben anstellen will. Ich wollte unbedingt ganz viel reisen und war immer ziemlich traurig, dass ich mein Instrument nicht mitnehmen kann, dass ich aufs Klavier spielen verzichten muss. Auch auf meiner Weltreise vor ein paar Jahren habe ich möglichst überall Klavier gespielt, aber halt nicht auf dem eigenen. Auch da dachte ich, wie schade, dass ich es nicht mitnehmen kann. Ich habe daher viel überlegt, wie ich das doch hinbekomme und wie ich meine Leidenschaften, das Klavierspielen und das Reisen, kombinieren kann. Und da war dann auch der Name ziemlich schnell klar.

Wo bist Du so unterwegs mit Deinem Klavier?

Meine Touren gehen zurzeit noch durch Deutschland und Europa. Kopenhagen war bisher die nördlichste Stadt und am südlichsten waren die Toskana und die Côte d’Azur, Avignon und Nizza.

My Traveling Piano in Hannover: Interaktion mit Fans

Interaktion ist wichtig

Wo ist es für Dich am schönsten?

Für mich ist es grundsätzlich dort am schönsten, wo die Rückmeldungen der Leute positiv sind, wo  Interaktion entsteht. Es gibt natürlich schöne Orte, wo die Kulisse toll ist, so wie in Nizza, an der Promenade am Meer. Aber das sind nicht automatisch auch die Orte, wo ich am meisten Feedback bekomme. Insofern ist es unterschiedlich. Ich spiele gern an besonderen Orten, aber auch gern irgendwo in einer Stadt, wo es vielleicht nicht ganz so schön ist, wo aber viele Menschen sind. Wenn die Leute sich etwas wünschen und die Musik genießen, wenn viel Interaktion entsteht, das ist auch für mich besonders schön!

Wo möchtest Du mit Deinem Piano noch hin?

Ich möchte gern noch einmal eine Weltreise machen. Aber diesmal mit meinem Klavier. Meine erste Reise hat 10 Monate gedauert und die nächste darf von mir aus gern ein paar Jahre dauern.

Wesen der Menschen in Laos fasziniert

Wo hat es Dir bei Deiner ersten Weltreise am besten gefallen?

Da gibt es viele Orte. Südostasien hatte ich bis dahin eigentlich gar nicht auf dem Schirm. Ich hatte mir jedoch ein Around-the-World-Ticket gekauft und damit ging es dann standardmäßig auch über Südostasien. Guckst Du Dir das halt mal an, dachte ich mir also. Und besonders Laos fand ich dann ganz toll, das hat mich ziemlich fasziniert. Besonders die Art der Menschen dort, dass die so freundlich sind, so zurückhaltend und so höflich.

Stimmst Du die Musik auf die Menschen vor Ort ab oder ist es eher Dein eigenes Programm?

Das ist schon eher mein Programm, wobei ich da ja relativ wenig Musik gemacht habe. Finde mal ein Klavier in Laos, das ist nicht so leicht! In den größeren Hotels gibt es vielleicht eins, aber da hast Du dann auch ein anderes Publikum. Aber vielleicht komme ich ja irgendwann wieder einmal zurück nach Laos, dann mit meinem eigenen Klavier. Da habe ich auf jeden Fall Lust zu, auf eine Weltreise mit Klavier!

My Traveling Piano: Ohne sein Instrument geht Joe Löhrmann nicht mehr auf Reisen
 Was sind die besonderen Herausforderungen beim Reisen mit Klavier?

Oh, da gibt es sehr viele! Das Klavier muss ja irgendwie transportiert werden, ich habe dazu einen umgebauten Bulli. Dann kommen die ganzen logistischen Herausforderungen. Das Ein- und Ausladen etwa, das Schieben des Klaviers zum Auftrittsort. Das Parken ist natürlich ebenfalls ein Problem. Leider sind die Regelungen für Straßenkunst in vielen Städten sehr streng, das kommt erschwerend hinzu. Und nicht zu vergessen natürlich auch das Wetter! Für mich ist es dennoch der schönste Beruf, sonst könnte ich all diese Herausforderungen ja auch dauerhaft gar nicht meistern, aber man muss dabei schon sehr viel im Blick haben.

Was kann da so alles passieren?

Ich habe zum Beispiel bei einem Festival in Avignon gespielt. Und musste dort das Klavier einen Berg hochschieben, auf Kopfsteinpflaster. Beim Runterfahren über das unebene Gelände lag eine Scherbe auf der Straße. Und da ich ja Luftreifen habe, hatte ich sofort einen Platten. Und versuch dann mal, ein 250 kg-Klavier mit einem Platten irgendwohin zu schieben. Dann zog auf einmal auch noch ein Gewitter auf. Das war ziemlich mies und ich hatte große Sorgen, dass jetzt alles richtig in die Hose geht. Zum Glück hat dann aber doch alles noch irgendwie geklappt!

My Traveling Piano: Autogramme für die Fans

My Traveling Piano bedeutet viel Arbeit

Wie machst Du das mit Deiner Vermarktung? CDs, Website, Social Media und was sonst alles neben der Musik dazu gehört?

Das ist unheimlich viel Arbeit. Alles, was Du angesprochen hast und noch mehr. Das Projekt ist ja quasi ein kleines Unternehmen mit allem, was dazu gehört. Auch das Klavier wird weiterentwickelt, umgebaut und es geht auch immer mal was kaputt. Um neue Lieder zu schreiben, brauche ich vor allem Zeit und Ruhe. Dazu kommen die Aufnahmen für neue CDs, die Covergestaltung, das Design. Ich habe kein Label, mache sehr viel selbst und habe zum Glück viele liebe Menschen um mich, die mich sehr unterstützen.

Lohnt sich der ganze Aufwand?

Ob sich etwas lohnt, ist ja relativ bzw. hängt sehr von individuellen Wünschen und Zielen ab und davon, wie man leben möchte. Ich habe mit so vielen Herausforderungen zu kämpfen. Es gibt gute Tage, an denen alles stimmt und super läuft, aber es gibt auch wirklich schwere und unsichere Phasen, in denen ich mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert bin. Man muss es einfach richtig, richtig wollen, das ist wichtig! Und wenn man, wie ich, von Grund auf schon mit wenig zufrieden ist, ist das natürlich von Vorteil.

Joe Löhrmann liebt die Musik. Und das Reisen.

Natürlich ist es auch immer irgendwie Werbung, so wie hier in der Stadt zu spielen. Viele Leute laufen vorbei, andere werfen was in den Hut und ab und zu nimmt sich jemand eine CD mit. Gelegentlich habe ich auch Buchungen für Veranstaltungen. So kann ich mit meinem Lebensstil davon leben.

Ortsunabhängiges Arbeiten und Zukunftsplanung

Ortunabhängiges Arbeiten findet man vor allem bei Webdesignern, Programmierern, SEO-Experten. Digitaler Nomade ist der Begriff dazu. Findest Du Dich dort auch wieder? 

Ich sehe mich zu 50 % als digitaler und zu 50 % als analoger Nomade. Denn von den ganzen Sachen, die Du gerade angesprochen hast, Webdesign, Bloggen, Suchmaschinenoptimierung, mache ich ja auch sehr viel. Das gehört einfach zu meinem Aufgabenbereich dazu, wenn ich als Musiker erfolgreich sein möchte. Seit 3 Jahren arbeite ich jetzt schon ortsunabhängig, und seit 1,5 Jahren bin ich quasi permanent in Deutschland und Europa unterwegs. In meinen Bulli habe ich letztes Jahr eine Standheizung einbauen lassen, so dass ich nun auch im Winter dort schlafen kann. So bin ich unabhängig und kann jederzeit dort sein und spielen, wo ich möchte.

Ist das immer so einfach? Oder wäre es auch mal wieder schön, eine Wohnung zu haben?

Ich habe damit kein Problem. Das liegt aber auch daran, dass ich Familie und mir nahestehende liebe Menschen habe, so dass ich nicht jede Nacht in meinem Bus schlafe. Das ist für mich momentan die ideale Mischung. Wenn es nicht so wäre, wäre es vielleicht schwieriger.

Joe Löhrmann am Kröpcke in Hannover
Hast Du so etwas wie eine Zukunftsplanung? Wie lange soll das Reisen ohne eigene Wohnung gehen?

Ich plane eigentlich nicht so sehr, das ergibt sich meistens. Im Moment habe ich kein Limit vor Augen. Ich liebe das, was ich tue und mein Projekt macht mir viel Spaß. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich jeden Tag meinen Traum leben kann und viele Menschen von meiner Musik berührt sind. Das werde ich so lange tun, wie es mir und anderen Freude bereitet.

Hey Joe, schönen Dank für das interessante Gespräch, viel Spaß und Erfolg weiterhin mit My Traveling Piano!


Mehr zu Joe Löhrmann und seinem Projekt auf der Website von My Traveling Piano sowie auf seiner Facebook-Seite.

Autor, Reisereporter und Reiseblogger. Nachdem man ihn dazu gebracht hat, seine vorherige berufliche Karriere zu beenden (um das böse Wort Mobbing zu vermeiden), zieht es ihn hinaus in die Welt und er erzählt Geschichten von unterwegs.

3 Kommentare zu “„My Traveling Piano“ | Joe Löhrmann: mit Klavier um die Welt

  1. Hallo und cooler Beitrag.
    Viele schaffen es nicht einmal mit dem Klavier umzuziehen und andere reisen damit um die Welt. Mein Bruder hat sich das Klavier transportieren lassen und war sehr zufrieden.
    VG Juliane

    • Wolfgang

      Hahaha … 😀

      Naja, so ein Instrument klemmt man sich ja auch nichtmal so eben unter den Arm! 😉

  2. Ich habe ihn schon öfters in Stuttgart belauschen dürfen 🙂

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