Portugal

Azoren | Eindrucksvolle Street Art in Ponta Delgada

Urbane Kunst in den Straßen von Ponta Delgada? Street Art auf den Azoren? Wohl nicht unbedingt die Form von Kultur, an die man bei den Inseln, weit draußen im Atlantik, als erstes denkt. Künstler vom portugiesischen Festland wie auch aus dem Ausland haben auf São Miguel jedoch spannende Spuren hinterlassen. Nicht ganz unbeteiligt daran ist ein beachtenswertes Kultur-Festival. 

Murals, Graffiti, Urban Art, wie auch immer man die Kunstwerke nennt, an vielen Stellen in Ponta Delgada sind sie zu finden. Die meisten haben ihren Ursprung in Anda & Fala. Das ist Portugiesisch und in der englischen Übersetzung der Name einer außergewöhnlichen Kulturveranstaltung: Walk & Talk. Zwei lokale Künstler, Diana Sousa und Jesse James, haben das mittlerweile zur Tradition gewordene Event 2011 ins Leben gerufen. Außerdem fallen auf São Miguel, der größten Azoreninsel, viele bunte Blumen und Herzen ins Auge. Und für die wiederum ist ein Belgier verantwortlich, der dort schon lange lebt.

Kunst aus Porto in den Straßen von Ponta Delgada, hier von Frederico Draw

Kunst-Import aus Porto

Die großen Portraits in der Rua de São João kommen mir ziemlich bekannt vor. Erst ein paar Tage zuvor hatte ich den sympathischen Künstler, der für das Wandgemälde verantwortlich ist, in Porto getroffen. Und nun stoße ich auch auf São Miguel, also rund 1.500 km entfernt, auf eines seiner Werke, was für eine Überraschung!

Ausdrucksstarke Portraits, charakteristisch für die Arbeit von Frederico Draw

Bereits 2013 hat Frederico Draw seine Spuren in der Azoren-Hauptstadt Ponta Delgada hinterlassen. Das Markenzeichen des Architekten: die Darstellung ausdrucksstarker Gesichter. Ein Schild an dem Gemälde bestätigt im Übrigen nicht nur den Urheber, es stellt auch den Zusammenhang zu Walk & Talk her. Es ist für mich also gleichzeitig der Schlüssel zu dem Kultur-Event, das, wie sich herausstellen sollte, weit mehr ist als ein reines Street-Art-Projekt.

Blumen und Herzen sind charakteristisch für Yves Decoster

Buntes aus Belgien

Knutschende Fische, bunte Blumen und ganz viele Herzen. Auch das ist das Ergebnis eines Street-Art-Konzepts auf São Miguel. Diese fröhlichen Liebessymbole sind das Werk von Yves Decoster. Den Belgier hat es bereits 1988 auf die Azoren verschlagen und beim Erkunden der Insel scheint es, als ob jeder der Bewohner gern einen „echten Yves“ als schmückendes Kunstwerk vor seiner Haustür hätte, so beliebt sind die heiteren Motive.

Kombination: Wal – typisch Azoren / bunte Malerei mit Herzen – typisch Yves

Walk & Talk zieht bekannte Künstler nach São Miguel

Zurück zu Walk & Talk: auch die typischen abstrakten Formen und Muster von Hazul Luzah finden sich in den Straßen von Ponta Delgada. In Porto gilt Hazul als als einer der Vorreiter in Sachen Street Art. Viele der dortigen Künstler haben sich an ihm orientiert und seine Illustrationen sind aus dem Stadtbild kaum mehr wegzudenken.

Typisch abstrakte Formen von Hazul

Hier auf São Miguel ist ein großer Blauwal, Baleia Azul, das auffälligste Werk Hazuls und dürfte als Hommage an die Azoren zu verstehen sein. Denn in den Gewässern vor den Inseln sind viele Walarten zu Hause und während früher die Jagd nach den Meeresriesen eine wichtige Rolle spielte, hat inzwischen behutsames Whale Watching den grausamen Walfang vergangener Tage abgelöst.

Blauwal in Ponta Delgada von Hazul, Künstler aus Porto

Daniel Eime gehört ebenfalls zu den bekannteren Künstlern aus Porto, die bereits vor Ort waren. Und auch viele Vertreter der grandiosen Street-Art-Szene Lissabons haben sich schon in Ponta Delgada blicken lassen. Zu nennen sind etwa der für das Kunstwerk auf dem Titelbild verantwortliche Pedro Batista und Vanessa Teodoro. Oder der unter dem Künstlernamen Vhils für spektakuläre Techniken bekannte Alexandre Farto, der sich beim Aufbrechen von Ebenen gern Hammer und Meissel oder Bohrer bedient. Und gelegentlich sogar Sprengstoff verwendet, um seine Werke zu kreieren.

Kunstwerk von Vanessa Teodoro aus Lissabon

Mehr als ein Street-Art-Event

Architektur, Design, Musik und Video. Das Kulturfestival Walk & Talk umfasst ein breites Spektrum von Urban Art, also noch viel mehr als hier auf den Bildern zu sehen ist. Durch ihr vielseitiges Angebot an Kunst im öffentlichen Raum dürfte die Veranstaltung somit für jeden Geschmack etwas zu bieten haben.

Eines der älteren Kunstwerke (2012) von Daniel Eime aus Porto

Bereits zum achten Mal wird das Festival 2018 stattfinden und ganz sicher erneut tolle Künstler aus Porto, Lissabon und dem Ausland nach São Miguel führen. Möglicherweise auch wieder nach Terceira, eine der weiteren Inseln der Azoren, wohin das Event 2016 nämlich erstmalig ausgeweitet wurde. An Reputation mangelt es Walk & Talk übrigens auch nicht mehr, die Veranstaltung ist Mitglied bei EFFE – Europe for Festivals, Festivals for Europe und fester Bestandteil des dortigen Veranstaltungskalenders.

Paulo Arraiano hat das Motiv auf dieser Hauswand in Ponta Delgada gestaltet

Street-Art-Geheimtipp Azoren

Hand aufs Herz, wer käme normalerweise auf den Gedanken, hier draußen im Atlantik nach spannenden Kunstwerken in den Straßen zu suchen? Das Thema Street Art stellt insofern eine echte Überraschung auf São Miguel dar, neben anderen positiven Erlebnissen wohlgemerkt. Aber natürlich ist klar, Metropolen wie New York, Bogotá oder Berlin haben die Nase vorn, wenn es um die Top-Städte für Kunst im öffentlichen Raum geht. Zwischen Geheimtipps, wie etwa die von The Telegraph genannten Orte, können sich die Azoren jedoch allemal einreihen, davon konnte ich mich überzeugen. Den Beweis treten weitere Bilder eindrucksvoller Kunstwerke an, bevor ein abschließender Info-Teil das Thema mit ergänzenden Quellen und Hinweisen abrundet.

Verantwortlich für dieses Kunstwerk: Gaiola aus der Universitätsstadt Coimbra
Hier hat sich der Franzose Alby Guillaume, Künstlername Remed, verewigt
Arbeit von Vhils aus Lissabon am Gebäude von Arco 8, Galerie und Bar
Kunstwerk von HIUM
Gemeinschaftswerk von Oker und Mesk
Auch das ist Street Art, hier vom US-Amerikaner Mark Jenkins in maritimem Umfeld
Dieses aufwendig gestaltete Motiv stammt vom Spanier Liqen
Diese Fläche wurde von Cyrcle gestaltet, einem Street-Art-Projekt aus Los Angeles
Marc Garcia aus Ponta Delgada hat Pele e Osso, Galerie und Atelier, verschönert
Das Gebäude mit der bunten Fassade scheint zum Verkauf zu stehen
Katze, ausnahmsweise ohne Signatur, „echter Yves“ oder eine Kopie?
Die Insellage macht es möglich: Street Art direkt an der Küste
Von Pedro Batista aus Lissabon stammt eines der interessantesten Werke

Street Art in Ponta Delgada | Infos


Kunstfestival Walk & Talk

  • Nächster Termin: 29.06.-14.07.2018 
  • Auf der Website von Walk & Talk finden sich Karten, die beim Aufspüren der Kunstwerke helfen. Dazu gibt es einen Überblick über das jeweilige Line-up, also die teilnehmenden KünstlerInnen, Infos zum Programm und vieles mehr.
  • Auch bei Facebook und Instagram ist Walk & Talk zu finden und liefert dort ebenfalls interessante Infos.
  • Rua D’Água 18 lautet die Adresse in Ponta Delgada, die zumindest während der Zeit des Festivals auch besetzt ist.

Target, ein Künstler aus Lissabon, bietet auf seiner Website interessante Dokumentationen der Festivals von Walk & Talk.

Pele e Osso (Facebook) ist ein Atelier in Ponta DelgadaRua Pedro Homem, 27A. Kunst gibts dort draußen (siehe Foto oben) und drinnen, etwa von Marc Garcia, einem einheimischen Künstler, der lange Zeit in Kanada gelebt hat. Auch hier lohnt sich das Vorbeischauen. 

Autor, Reisereporter und Reiseblogger. Nachdem man ihn dazu gebracht hat, seine vorherige berufliche Karriere zu beenden (um das böse Wort Mobbing zu vermeiden), treibt ihn die Neugier hinaus in die Welt und er erzählt Geschichten von unterwegs.

2 Kommentare zu “Azoren | Eindrucksvolle Street Art in Ponta Delgada

  1. Boah, sooo coole Bilder! Super, dass es Karten gibt, wo man die Künstlernamen nachlesen kann. Ich finde nichts schlimmer, wenn ich vor einem Werk stehe und weiß nicht, wer es gemacht hat. Vhils finde ich ganz große Klasse, kennst Du das Video von U2 „Raised by Wolves“? Da kommt er drin vor…

  2. Wolfgang

    Danke, Gudrun! 😉

    Nein, kenne ich (noch) nicht, werde ich mir nachher gleich mal anschauen … Bin zurzeit auch – aufgrund der Nähe – eher mit den Künstlern aus Porto beschäftigt und habe schon einige von denen gesprochen, dazu wird es wohl demnächst „etwas größeres“ geben. 😉

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