Las Coloradas, Mexiko. Pinkfarbener Salzsee.
Mexiko

Yucatán | Die wunderlichen Farben von Las Coloradas

Las Colo­ra­das ist ein klei­nes Fischer­dorf in der Nähe von Río Lagar­tos am Golf von Mexi­ko. Stau­bi­ge Pis­ten füh­ren durch den ver­schla­fe­nen Ort. Die High­lights: wun­der­li­ches “pink water” sowie ein men­schen­lee­rer Strand, der irgend­wo ins Nir­gend­wo führt. Viel mehr gibt es dort nicht und trotz­dem ist Las Colo­ra­das einer mei­ner Lieb­lings­or­te auf der Yuca­tán-Halb­in­sel. Oder viel­leicht gera­de des­we­gen? 

Vor­mit­tags um vier­tel nach elf fährt täg­lich ein Bus von Río Lagar­tos nach Las Colo­ra­das. Und nach­mit­tags um drei geht es wie­der zurück, das ist die ein­zi­ge Ver­bin­dung. Gut drei Stun­den ste­hen so zur Ver­fü­gung, um den Ort zu erkun­den. Anders funk­tio­niert es nicht, es sei denn, man hat ein Auto und ist unab­hän­gig von öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln.

Schneeweiße Salzberge in Las Coloradas, Mexiko.
Salz­ber­ge in Las Colo­ra­das

Unter­künf­te gibt es nicht in dem Fischer­dorf, so etwas wie eine tou­ris­ti­sche Infra­struk­tur ist nicht vor­han­den. Über etwa 1.000 Ein­woh­ner ver­fügt der Ort, von denen die meis­ten mit Fisch­fang beschäf­tigt sind oder in der Salz­in­dus­trie arbei­ten.

Bräunliche Farbe des Wassers in Las Coloradas, Mexiko.
Die bräun­li­che Far­be des Was­sers

Das Geheimnis der Flamingos

Kurz vor Las Colo­ra­das sind in der Fer­ne Salz­ber­ge zu sehen. Dort­hin geht es zunächst, nach­dem der Bus uns in der Mit­te des Ortes abge­setzt hat. Die Stra­ße, die durch Las Colo­ra­das führt, eine fest­ge­walz­te Pis­te, führt zu den schnee­wei­ßen Hau­fen. Direkt dane­ben befin­det sich eines der künst­lich ange­leg­ten Salz­be­cken, des­sen Was­ser bräun­lich schim­mert. Doch nur weni­ge Schrit­te wei­ter, im nächs­ten Teich, ändert sich die Fär­bung bereits in ein wun­der­li­ches Rosa.

Pinkfarbenes Wasser und blauer Himmel, die Farben von Las Coloradas, Mexiko.
Die wun­der­li­chen Far­ben von Las Colo­ra­das

Mikro­or­ga­nis­men ver­lei­hen dem “pink water” sei­ne Far­be. Über die Nah­rungs­ket­te wer­den Caro­ti­no­ide, also Farb­stof­fe, wei­ter­ge­ge­ben, Sali­nen­kreb­sen zum Bei­spiel die­nen sie als Fut­ter. Die­se wie­der­um wer­den von den in der Gegend behei­ma­te­ten Fla­min­gos ver­speist, wodurch die Federn erst ihre außer­ge­wöhn­li­che Far­be erlan­gen. Ver­zich­te­ten die Vögel auf der­ar­ti­ge Nah­rung, ihre Federn blie­ben weiß.

Flamingos bei Río Lagartos, Yucatán.
Fla­min­gos, hier bei Río Lagar­tos

Wei­ter geht es, auf die ande­re Sei­te des Ortes. Ein kur­zer Halt vor einem klei­nen Geschäft. Dort gibt es Lebens­mit­tel, Geträn­ke, Back­wa­ren. Und einen sepa­ra­ten Raum, in dem es unge­wöhn­lich laut ist. Kids sind an Spiel­au­to­ma­ten beschäf­tigt. Offen­bar eine gro­ße Attrak­ti­on in die­sem Kaff, in dem es sonst nicht viel gibt.

Pinkfarbenes Wasser, beliebtes Fotomotiv in Las Coloradas, Mexiko.
Michè­le beim Ablich­ten von “pink water”

Auf der Meer­sei­te lie­gen Fischer­boo­te am Strand und Peli­ka­ne haben sich über­all nie­der­ge­las­sen. Für die fällt hier immer etwas ab, das wis­sen die lus­ti­gen Vögel mit den mar­kan­ten Schnä­beln genau.

Pelikane in Las Coloradas, Yucatán
Peli­ka­ne, all­ge­gen­wär­tig an der Küs­te vor Las Colo­ra­das

Unerwartet leckeres Essen

Aber nicht nur Peli­ka­ne sind hung­rig. Ob es hier wohl irgend­wo etwas zu essen gibt? Das wäre klas­se, nach­dem wir “pink water” auf der einen und den Strand am tür­kis­far­be­nen Meer auf der ande­ren Sei­te aus­gie­big unter die Lupe genom­men haben.

Las Coloradas Yucatán, Pelikane
Peli­ka­ne im Anflug

Das Restau­rant Las Gavio­tas ist ein wei­ßes Gebäu­de, wie oft in Mexi­ko mit der unver­wech­sel­ba­ren Bier-Rekla­me an der Außen­wand. Ein gro­ßer Raum mit Well­blech­dach und wei­ßen Plas­tik­mö­beln und wir sind die ein­zi­gen Gäs­te. Spä­ter kom­men noch eini­ge Män­ner hin­zu, die in den nahe­ge­le­ge­nen Sali­nen arbei­ten.

Blick auf das Restaurant Las Gaviotas in Las Coloradas, Yucatán.
Im Restau­rant Las Gavio­tas war­tet fri­scher Fisch

Das gut gekühl­te Sol und der fri­sche Fisch mit Knob­lauch sind eine groß­ar­ti­ge Kom­bi­na­ti­on. Was für ein uner­war­tet lecke­res Essen! Der per­fek­te Abschluss eines Besuchs in Las Colo­ra­das.

Zurück in Las Coloradas

Eini­ge Tage spä­ter bin ich wie­der vor Ort. Dies­mal allein. Michè­le, mei­ne Beglei­te­rin beim ers­ten Mal, war inzwi­schen wei­ter­ge­reist. Und der Ort hat nichts von sei­nem Reiz ver­lo­ren. Erneut heißt es Far­ben bestau­nen, Fotos schie­ßen. Und anschlie­ßend natür­lich wie­der im Las Gavio­tas ein­keh­ren. Allein das lecke­re Essen wäre ein Grund gewe­sen, erneut die Fahrt mit dem Bus anzu­tre­ten.

Essen im Restaurant Las Gaviotas, Las Coloradas, Mexiko.
Uner­war­tet lecke­res Essen im Restau­rant Las Gavio­tas

Auf ein letztes Mal

Dann ist in Río Lagar­tos der letz­te Tag für mich ange­bro­chen. Län­ger als gedacht war ich dort geblie­ben, zwi­schen Fla­min­gos und Kro­ko­di­len. Eigent­lich hat­te ich vor, die letz­ten Stun­den hier gemäch­lich aus­klin­gen zu las­sen. Aber als ich auf die Uhr schaue, den­ke ich mir, den Bus um vier­tel nach elf, den krie­ge ich doch noch. Also kurz­ent­schlos­sen zur Bus­sta­ti­on und auf nach Las Colo­ra­das, ein letz­tes Mal!

Unterwegs zwischen Salzbergen und bräunlichem Wasser in Las Coloradas, Yucatán.
Unter­wegs zwi­schen den Salz­ber­gen von Las Colo­ra­das: mei­ne Beglei­te­rin Michè­le

Stür­misch ist es dies­mal, der Wind bläst den Staub kräf­tig über die Pis­ten. Ein Hauch von Wild­west weht durch den Ort, wo sich zwei Hun­de über mei­nen Besuch freu­en und sich abwech­selnd knud­deln las­sen und mit­ein­an­der her­um­tol­len. Dann lässt sich auch die Son­ne bli­cken und erin­nert mich dar­an, dass ich ja noch wei­ter woll­te. Denn dies­mal habe ich auch Bade­sa­chen dabei. Der Strand ruft!

Fischer bei der Arbeit in Las Coloradas, Mexiko.
Fischer bei der Arbeit mit gefie­der­ten Beob­ach­tern

Und wie­der lau­fe ich die men­schen­lee­re Küs­te ent­lang. Den Strand, der sich in der Fer­ne ver­läuft. Irgend­wo im Nir­gend­wo. Wei­ße Schaum­kro­nen treibt der Wind übers Meer, das zuvor so ruhig gewe­sen war. Und dies­mal kommt auch die Bade­ho­se zum Ein­satz, bevor es anschlie­ßend zum letz­ten Mal ins Las Gavio­tas geht. Noch ein­mal ein lecke­res File­te de Pes­ca­do al Moho de Ajo. Und dazu kal­tes Sol, das ver­steht sich.

Menschenleerer Strand in Las Coloradas, Mexiko.
Der men­schen­lee­re Strand von Las Colo­ra­das wirkt unend­lich

Drei Stun­den Auf­ent­halt, eine gute Zeit, phi­lo­so­phie­re ich. Nicht zu kurz, nicht zu lang. Und bestel­le noch ein Bier. Durch eine der offe­nen Türen sehe ich der­weil, dass der Bus schon bereit­steht. Wie es wohl wäre, wenn sie hier doch Zim­mer ver­mie­ten wür­den? Ich muss mich spu­ten, mein Bier all­mäh­lich aus­trin­ken.

Pinkfarbenes Wasser in Las Coloradas, Mexiko.
Erin­ne­rungs­fo­to: Fest­hal­ten der son­der­ba­ren Far­be

Abschied von Las Coloradas

Natür­lich lie­ße es sich hier auch län­ger aus­hal­ten. Län­ger als besag­te drei Stun­den. Wie schön wäre es dann, mor­gens auf­zu­wa­chen und den Fischern und Peli­ka­nen zuzu­se­hen. An die­sem Fleck­chen Erde, das offen­bar noch in kei­nem Rei­se­füh­rer eine gro­ße Rol­le spielt. Und selbst von der unsäg­li­chen Tri­pad­vi­so­ri­sie­rung bis­her ver­schont geblie­ben ist.

Pelikane an der Küste von Las Coloradas, Mexiko.
Für die Peli­ka­ne fällt in Las Colo­ra­das immer etwas ab

Ein letz­ter Schluck vom mexi­ka­ni­schen Bier, dann gehe ich hin­über und stei­ge in den war­ten­den Bus. So, wie es fast zur Gewohn­heit gewor­den ist. Nur, dass es dies­mal kei­ne Rück­kehr geben wird. Aber Las Colo­ra­das mit sei­nen inten­si­ven Far­ben wird ein schö­ner Teil mei­ner Erin­ne­run­gen blei­ben.

Mystische Farben in Las Coloradas, Mexiko.
Mys­ti­sche Far­ben, ein fas­zi­nie­ren­der Anblick

Das Meer, mal grün­lich, mal tür­kis­far­ben. Das Blau des Him­mels. Und vor allem natür­lich das wun­der­sa­me Pink der Salz­se­en. Es dürf­te also kaum ver­wun­dern, das abge­le­ge­ne Fischer­dorf ist einer mei­ner Lieb­lings­or­te auf der Yuca­tán-Halb­in­sel. Las Colo­ra­das, das tat­säch­lich noch ein ech­ter Geheim­tipp ist.

Las Coloradas – nicht von dieser Welt?

  • Unter dem Hash­tag #Las­Co­lo­ra­das gibt es bei Insta­gram wei­te­re Fotos des wun­der­sa­men Ortes.
  • “Mexico’s spar­k­ling pink lagoon is com­ple­te­ly out of this world” heißt es bei huffingtonpost.com, wäh­rend  Tracelbook.de “das ist der wohl schöns­te See der Welt” titelt. Auch wenn in bei­den Fäl­len die Autoren selbst gar nicht vor Ort waren, die Bil­der bei Insta­gram haben sie offen­sicht­lich beein­druckt.
  • Last but not least, wei­te­re Tipps für die Yuca­tán-Halb­in­sel fin­den sich bei aworldkaleidoscope.com.

überWolfgang Käseler

Autor, Reisereporter und Reiseblogger. Nachdem man ihn dazu gebracht hat, seine vorherige berufliche Karriere zu beenden (um das böse Wort Mobbing zu vermeiden), treibt ihn die Neugier hinaus in die Welt und er erzählt Geschichten von unterwegs.

23 Kommentare zu “Yucatán | Die wunderlichen Farben von Las Coloradas

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