„Liebster Award“? Spannende Fragen zu interessanten Themen, darum gehts. Wer hat sie gestellt, wie bin ich dazu gekommen? Was hat es mit einem „Award“ auf sich, der keine Auszeichnung ist im eigentlichen Sinn? Und warum wollte ich mich ursprünglich nie beteiligen (und tue es trotzdem)? Drei andere lesenswerte Reiseblogs stehen zudem im Fokus. Und, es wird nicht überraschen, natürlich auch meine Antworten. Nämlich zur Art und Weise wie ich reise.

Hund oder Katze?“, „Was machst Du morgens als erstes?“. So lauten bisweilen im Rahmen des „Liebster Award“ die wunderlichen Fragen, wenn ich an anderer Stelle derartige Interviews sehe. Ich höre dann auf zu lesen, schließe die Seite. Und nehme mir vor, niemals mitzumachen bei so etwas, meine Leserinnen und Leser damit zu verschonen.

„Liebster Award“: Was ist das?

Eine Auszeichnung ist der „Liebster Award“ nicht, vielmehr verbirgt sich eine kettenbriefähnliche Aktion dahinter. Der Befragte gibt das „Blogstöckchen“ (so verniedlichend lautet gelegentlich die Bezeichnung) weiter, mal an 11 (!) andere Blogger, mal an 5. Manchmal verbunden mit Einschränkungen. Dann darf der Empfänger maximal 200 Facebook-Follower haben, oder es sind 1.000, oder es ist gänzlich egal. Wer sich das ausgedacht hat? Keine Ahnung, die Spur verläuft sich, irgendwo in den unendlichen Weiten des Internet.

Die Reaktionen der Beteiligten: Der eine ist stolz, der andere genervt. Einer nimmt zum soundsovielten Mal teil, ein anderer lehnt kategorisch ab. Kaum ein Blog, der nicht irgendwann einmal mit dem „Liebster Award“ konfrontiert wird.

Meine Interviewer

Robert ist, gemeinsam mit seiner Partnerin Eva, der Kopf hinter DeeperTravel, und hat sich bereits vor längerer Zeit erkundigt, ob ich am „Liebster Award“ teilnehmen würde. Die beiden haben sich den Themen Freiwilligenarbeit und tieferes Reisen verschrieben. Ein Interview mit Robert im Weltreiseforum gibt gute Einblicke in ihre Arbeit. Da sie interessante Fragen stellen, habe ich eine Ausnahme gemacht und meine Teilnahme gern zugesagt.

11 Fragen, 11 Antworten

Wie gehst Du mit dem Phänomen Kulturschock um?

Das kenne ich nicht. Fremde Kulturen möchte ich ja gerade kennenlernen, darauf bin ich neugierig. Einen echten Schock, etwas plötzliches, unerwartetes, kann ich mir dabei nicht vorstellen. Ich plane nie viel, bin aber schon in etwa darauf eingestellt, was mich erwartet. Wirklich schockieren kann mich eine andere Kultur daher nicht, was natürlich nicht bedeutet, dass ich alles gut heiße oder gar verstehe.

Kannst Du Dir vorstellen, als Volunteer zu arbeiten?

Zurzeit steht das nicht zur Debatte. Vielleicht irgendwann einmal, warum nicht? Es müsste dann aber sichergestellt sein, dass es einen echten Nutzen hat, und es wäre sicher auch Thema für einen längeren Zeitraum. Ich habe mich bisher zu wenig damit beschäftigt, jedoch gelernt, dass auch viel Schindluder getrieben wird. Dass man sich sorgfältig damit auseinandersetzen sollte. Eva weiß über wahrhaft bizarre Auswüchse im Volunteer Tourismus zu berichten, unglaubliche Sachen sind dabei.

Spielt bei Deiner Reiseplanung der Begriff Nachhaltigkeit eine Rolle?

Nicht vordergründig. Ich möchte in andere Kulturen eintauchen, fremde Länder sehen, andere Menschen treffen und vieles mehr. Das sind egoistische Motive. Reisen an sich ist doch zunächst einmal egoistisch. Jedenfalls dann, wenn der Zweck nicht darin liegt, gutes zu tun, etwa sich einer Freiwilligenarbeit zu widmen. Würde das Thema Nachhaltigkeit für mich an erster Stelle stehen, ich dürfte mich streng genommen ja nicht einmal ins Flugzeug setzen.

Insbesondere mit den wesentlichen Aspekten rund um das Fliegen sollte man sich jedoch auseinandersetzen. Dass Fliegen überhaupt erst ab einer Entfernung von 700 km sinnvoll ist, weiß Frauke im SuperBioBlog zum Beispiel zu berichten, man sollte es wissen. Auch Sebastian liefert bei Wireless Life wichtige Fakten und Anregungen zum Thema nachhaltiges Reisen und Fliegen.

Wie gehst Du bei der Flugbuchung vor?

Es gibt große Unterschiede bei den Flugpreisen, daher achte ich auf Schnäppchen. Bin ich konkret auf der Suche nach bestimmten Flügen, nutze ich gern Skyscanner, die Suchmaschine ist sehr flexibel. Ich beziehe dabei sämtliche deutschen Flughäfen ein, und auch die im benachbarten Ausland. Gabelflüge, bei denen sich Ankunfts- und Abflugsort unterscheiden, sind oft günstig, auch danach schaue ich.

Welche Unterkünfte bevorzugst Du auf Reisen?

Landestypische, von Einheimischen geführte Herbergen. Tolle Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Ländern habe ich auch mit privaten Unterkünften von Airbnb gemacht.

Groovy Planet Liebster Award

Groovy Planet: Der Autor mit vierbeinigem Freund in Caminha, Portugal

Hast Du EINEN persönlichen Tipp für angehende ReisebloggerInnen?

Nein, wie käme ich dazu? Es ist nicht meine Sache, anderen Tipps zu geben. Zudem wird es sich bei meinen Leserinnen und Lesern mehrheitlich nicht um angehende Reisebloggerinnen und Reiseblogger handeln.

Ich verfolge aber selbst gern Blogs, kann zumindest also sagen, was mich stört und dazu führt, dass ich aufhöre zu lesen. So meide ich die unsäglichen „must-dos“ und „must-sees“, all die Zwänge, denen man mich unterwerfen will. Reisen ist doch auch die Freiheit, entscheiden zu dürfen, was ich mache oder eben nicht. Da kann ich anderen nicht vorschreiben, sie müssten etwas tun. Das wäre respektlos, würde zudem der rein subjektiven Sicht des Bloggers widersprechen.

Auch nervt mich die wahrlich inflationäre Verwendung von Superlativen. Den „dümmsten Superlativ-Überschriften“ hat sich die geschätzte Autorin von Claudi um die Welt angenommen, humorvoll, doch sehr treffend zugleich. Der Artikel betrifft übrigens die gesamte Reisebranche, nicht allein die Bloggerei. Dass sich reißerische Überschriften im Heftig-Style verkaufen, dass dazu gar geraten wird bisweilen, weiß ich wohl. Doch fühle ich mich verarscht, merke ich, es geht vor allem um das oberflächliche Erhaschen meiner Aufmerksamkeit, um das Abgreifen meiner Klicks und „Likes“ und weniger um gute Inhalte.

Das Wort „ultimativ“ ist auch so ein Ärgernis, eines der übelsten Sorte, immer und immer wieder verwendet. Für Max Goldt, den mehrfach ausgezeichneten Schriftsteller, eines der Unwörter schlechthin.

Dies (= ultimativ) ist, abgesehen von den wenigen Fällen, wo es wirklich um das politische Instrument des Ultimatums geht, ein regelrechtes Zauberwort. Man muss es nur einmal sagen, und schon ist man aufgenommen im Reich der Deppen.

Was hast Du immer auf Reisen dabei?

Reisepass, Kreditkarte und Bargeld sind das wichtigste, das dürfte klar sein. Hinzu kommt mein „mobiles Büro“, also der technische Kram (Macbook, Smartphone, Kamera und sonstiges). Alles andere ist nicht wichtig, ich kann es vor Ort kaufen, sollte ich etwas vergessen. Das Packen geht daher schnell, in 10-15 Minuten ist alles erledigt.

Welches Verkehrsmittel bevorzugst Du auf Reisen?

Um ein weiter entferntes Ziel zu erreichen, das Flugzeug. Im jeweiligen Land gern Bus und Bahn, die Verkehrsmittel, die auch die Einheimischen nutzen. So lerne ich Land und Leute am besten kennen. Außerdem streife ich vor Ort gern zu Fuß herum.

Gab es Momente, an denen Du eine Reise abbrechen wolltest?

Nein, zum Glück nicht. Das würde ja ein bestimmtes Ereignis voraussetzen, wie Krankheit oder Unfall. Ich hoffe, ich bleibe weiterhin davon verschont.

Warum nimmst Du am „Liebster Award“ teil?

Eigentlich gäbe es Gründe, das nicht zu tun. Ich habe es eingangs erläutert. Warum ich trotzdem zugesagt habe? Weil ich zu Recht interessante Themen erwartet habe, als Robert angefragt hat, durch die mehr Tiefgang in das oftmals oberflächlich behandelte Thema einzieht. Und natürlich auch deswegen, um andere interessante Blogs zu würdigen.

Was bedeutet für Dich tieferes Reisen?

Der Begriff gehört so bisher nicht zu meinem aktiven Wortschatz. Eva und Robert haben ihn auf ihrer Website definiert:

Tieferes Reisen bedeutet länger an Orten zu bleiben, die eigene Rolle und Verantwortung als Reisende zu reflektieren, auf Menschen zuzugehen und sie kennenzulernen und das Erlebte in die eigenen Handlungen, über den Auslandsaufenthalt hinaus, zu integrieren.

Wenn ich das mit meiner Art des Reisens vergleiche, sehe ich viele Übereinstimmungen, finde mich dort größtenteils wieder.

Neue Fragen an andere lesenswerte Blogs

Was bleibt mir noch? Neue Fragen zu stellen und andere Blogger für den „Liebster Award“ auszuwählen. Weniger ist manchmal mehr, Qualität vor Quantität, deshalb belasse ich es bei drei Adressaten.

we2ontour ist der Reiseblog von Frauke und Jojo, die eigentlich Johanna heißt. Mutter und Tochter reisen seit mehr als 13 Jahren zusammen. Zuletzt waren sie in Afrika unterwegs und haben ihre Follower bei Facebook mit einem wahren Fotoblog auf dem Laufenden gehalten. Großartig. Ein erstes Fazit ihres Road Trips durch das südliche Afrika liegt inzwischen vor, macht neugierig auf weitere Berichte. Und neue Reisepläne gibts auch bereits wieder.

Verena und Patrick von Runterwegs reisen seit 2010 fast ununterbrochen, bisher ebenfalls durch Afrika. Sie arbeiten unterwegs, ortsunabhängig, und sie reisen mit einem Hanomag, Baujahr 1968. Bei diesem Autotyp aus Hannover muss es sich um einen echten Weltenbummler handeln, die beiden berichten von Begegnungen mit weiteren Fahrzeugen. Und leider auch von negativen Erlebnissen. Ein Ende ist dennoch nicht absehbar, auch Südamerika und Asien locken.

Auf Reisehappen verbindet Nina Reisen mit kulinarischen Erlebnissen. Mir läuft regelmäßig das Wasser im Mund zusammen, wenn ich ihre Fotos sehe. So lecker können zum Beispiel gebratene Auberginen aussehen. Aus ihrer Vorliebe für Asien macht Nina zudem keinen Hehl, etwa wenn sie über Bangkok berichtet.

Meine Fragen

  • Was hast Du auf Reisen gelernt, inwiefern haben Dich Erfahrungen von unterwegs geprägt?
  • Viele Blogger berichten überwiegend aus der Ferne und vergessen, dass auch die Heimat ihre Reize hat. Wo ist Deutschland für Dich am schönsten?
  • Gibt es ein Land (oder mehrere), das Du nicht besuchen würdest? Und wenn ja, warum?
  • Welche Sprachen sprichst Du? Wie verständigst Du Dich in anderen Ländern?
  • Wie ist für Dich das Gefühl beim Nachhausekommen, bricht schnell wieder Fernweh aus, gibt es Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung oder ist es zu Hause doch am schönsten?
  • Was ist Dein persönliches kulinarisches Highlight in der Fremde?
  • Was bringst Du, außer Erinnerungen und Fotos, von Deinen Reisen mit?
  • Kannst Du Dir vorstellen, dauerhaft in der Ferne zu leben? Wenn ja, in welchem Land?
  • Hast Du immer neue Ziele oder kehrst Du auch gern zurück an einen lieb gewonnenen Ort?
  • Weltweit sind zurzeit etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Inwiefern beeinflusst das Deine Art zu reisen oder Deine Einstellung zum Reisen?
  • Wohin wird Dich die nächste Reise führen?

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Eva und Robert für den Ball, den sie mir zugespielt haben und die wirklich interessanten Fragen. Freude an der Fortsetzung wünsche ich nun den insgesamt 5 Autorinnen und Autoren von we2ontour, Runterwegs und Reisehappen. Auf die neuerliche Nennung von Regeln für den „Liebster Award“ verzichte ich, zumal ich sie teilweise nicht einhalte. Sie sind nicht wichtig für die Leserinnen und Leser, den Bloggern jedoch bekannt.

„Bonusinfo“ als Schlusswort

Ach übrigens, sollte sich doch jemand für eine Antwort auf die Frage „Katze oder Hund?“ interessieren, mein Freund Jokri ist 4 Monate alt (zum Zeitpunkt des Fotos). Und Inder. Auch Katzen mag ich, sicher, aber ich müsste mich für eine Antwort ja schließlich entscheiden. Alles klar?

Liebster Award

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